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PORTRÄT: Liebe, Luxus und Profikiller

Liebe, Luxus, Killer und der finanzielle Ruin eines prominenten Politikers - der Stoff taugt für einen Thriller. Nach 22 Jahren Ehe mit dem früheren brandenburgischen Bauminister Jochen Wolf ist es nun auch seine Frau endgültig leid.

Liebe, Luxus, Killer und der finanzielle Ruin eines prominenten Politikers - der Stoff taugt für einen Thriller. Nach 22 Jahren Ehe mit dem früheren brandenburgischen Bauminister Jochen Wolf ist es nun auch seine Frau endgültig leid. »Der Rest Liebe, der war, ist nun weg«, sagt Ursula Wolf am Montag. Und das kann der 54-Jährigen wohl auch kaum jemand verübeln: Zwei Mal soll ihr Noch-Ehemann einen Killer auf sie angesetzt haben.

Schon im Dezember 1998 sollte Wolfs ukrainische Geliebte Oksana seine Gattin umbringen. »Sie bedrohte mich mit einer Pistole. Ich konnte mich aber wehren«, erinnert sich Frau Wolf. Eine Haarprobe überführte Oksana. Tags darauf brachte sich dann die 23-Jährige Dolmetscherin in der Badewanne ihres Liebhabers um.

Im Frühjahr 2000 beauftragte Wolf nach Erkenntnis der Ermittler erneut einen Killer, Honorar 15 000 Mark. Dieser offenbarte sich aber im November 2000 der Polizei. Bei einem Treffen mit dem vermeintlichen Auftragsmörder griff die Polizei am vergangenen Freitag zu. Den Auftrag an den Killer räumt der frühere SPD-Politiker ein.

Zu dem Motiv - nach Presseberichten Geldmangel - schweigt Wolf. Zuletzt lief der derzeitige Leiter »Bescheinigungsstelle für Energieleitrechte« - Bruttomonatslohn 10 000 Mark - mit abgewetzten Hosen durch Potsdam. 1997 hatte er die Scheidung eingereicht. Jahrelang blieb er Unterhalt an Frau und Kind schuldig, der Großteil seines Gehalts wurde gepfändet. »Wenn er nicht so viel Geld für Anwälte, Killer und Detektive ausgegeben hätte, wäre er klargekommen«, meint Ehefrau Wolf. Mord aus Habgier kann sie sich vorstellen. Schon die Auszahlung einer auf sie abgeschlossenen Lebensversicherung hätte sich gelohnt.

Steile Karriere

Die Karriere des heute 59-jährigen Wolf war so steil wie sein Abstieg. Vom Abteilungsleiter im stasi-unterwanderten DDR- Speditionsbetrieb Deutrans brachte es Wolf im Sommer 1990 unter der Regierung de Maiziere zum Regierungsbevollmächtigten des Bezirks Potsdam. Zuvor hatte er im Herbst 1989 die Potsdamer SPD mitbegründet. Erster Ministerpräsident von Brandenburg wurde er trotz öffentlich erklärter Ambitionen nicht. Die SPD entschied sich für Manfred Stolpe, der Wolf immerhin als Bauminister in sein Kabinett holte. Schnell galt Wolf als »schwächstes Mitglied« der Regierung. Mitarbeiter kritisierten intern bald den »cholerischen Führungsstil«.

Im August 1993 musste Wolf selbst den Hut nehmen. Er unterhielt dubiose Kontakte zum Chefeinkäufer des ehemaligen Potsdamer Betriebs Kunst und Antiquitäten im Koko-Imperium von DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowksi. Ausgerechnet dieser Axel Hilpert vermittelte ihm - angeblich ohne Provision - ein 900 Quadratmeter großes Grundstück im Potsdamer Nobel-Vorort Groß-Glienicke. Ein Gerichtsverfahren wegen Vorteilsannahme wurde in diesem Frühjahr gegen Zahlung einer Geldbuße von 9000 Mark eingestellt.

Im Frust trat Wolf 1994 aus der SPD aus. Ein Jahr später kehrte er als Berater der Brandenburger Außenhandelsagentur in den Landesdienst zurück. Bei einer Dienstreise lernte er die ukrainische Schönheit Oksana kennen. Schon bald posierten beide mehr oder weniger hüllenlos in der Boulevardpresse. »Das ist der Anfang vom Ende«, meinten schon damals Vertraute.

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