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Rafik Schami-Interview: "Öl ist der Vater des Terrors"

Hamburg - Die arabischen Staaten leben nach Ansicht des syrischen Exil-Schriftstellers Rafik Schami in kultureller Ödnis und am Rande der Zivilisation. In einem Interview mit dem stern aus Anlass der Frankfurter Buchmesse sagte Schami, noch schlimmer sei, dass die westliche Zivilisation nicht mit ihnen rede, "sie befiehlt, sie schubst sie herum, sie wirft Bomben. All das schafft im arabischen Bewusstsein ungeheure, wirklich gefährliche Minderwertigkeitskomplexe".

Frustration und Groll auf den Westen befeuerten in den arabischen Ländern einen "infernalischen Zyklus der Gewalt und schaffen einen paranoiden Blick vieler Araber auf die Welt", sagte Schami, der 1971 vor politischer Verfolgung aus Syrien nach Deutschland floh. Mit Schuld an dieser Lage hätten die USA: "Die CIA hat immer die reaktionärsten Kräfte unterstützt, sie gezüchtet, bewaffnet, finanziert. Den Schlächter Saddam Hussein, ein Killer der billigsten Art, gäbe es nicht ohne die USA… Bin Laden gäbe es nicht ohne die USA. Die CIA ist auch schuld, dass es keine demokratische Opposition mehr gibt. Die USA wollen das Öl, sonst nichts."

Scharf ins Gericht ging Schami im stern auch mit den Herrschern der arabischen Welt. Sie lebten in ungeheurem Reichtum, während die Masse im Zeitalter der Voraufklärung lebe. "Die Scheichs fahren im klimatisierten Mercedes, telefonieren mit dem Handy, benutzen das Internet, die Mode und das Giftgas. Sie gebärden sich westlich, sie können den Lockungen des Westens nicht widerstehen. Sie äffen ihn nach, sie importieren alles. Aber sie verdammen die Gedanken von Freiheit und Demokratie und beschimpfen sie als importierte westliche Dekadenz, und ihre Untergebenen lassen sie stur Koransuren lernen."

Dies werde so weitergehen, so lange das Öl sprudele. "Dieses verfluchte Öl. Es ist der Vater aller Putsche. Der Vater des Terrors. Wir gehen am Öl zugrunde, wir werden am Ende eine verseuchte, hässliche Wüste haben."

Rafik Schami arbeitet seit 1982 außerordentlich erfolgreich als freier Schriftsteller. Sein Werk wurde in 23 Sprachen übersetzt, nur nicht ins Arabische. Arabische Literatur ist das Schwerpunkt-Thema der diesjährigen Buchmesse.

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