Rassistischer Überfall Eine Stadt sucht die Täter


Ein Volk jagt die Täter, die den Deutsch-Äthiopier über Ostern in Potsdam ins Koma geprügelt haben. 5000 Euro Belohnung sind ausgesetzt, der Handymitschnitt ist im Internet anhörbar - zahlreiche Hinweise gingen bei der Polizei ein.

Nach dem rassistischen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier am Ostersonntag in Potsdam hat es zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung gegeben. Diese würden nun auf ihre Verwertbarkeit geprüft, sagte ein Polizeisprecher in Potsdam. Der Zustand des 37-Jährigen sei unverändert. Der von zwei Tätern zusammengeschlagene, aus Äthiopien stammende Ingenieur ringt auf der Intensivstation eines Potsdamer Klinikums weiter mit dem Tod. Er befindet sich in einem künstlichen Koma.

Wegen der Gefahr für die Innere Sicherheit hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Von den beiden mutmaßlichen Tätern fehlte zunächst weiter jede konkrete Spur. Der Mitschnitt ihrer Stimmen, die auf der Handy- Mailbox der Ehefrau des Opfers gefunden worden waren, können unter www.internetwache.de angehört werden.

SPD kritisiert CDU

Nach dem rassistischen Überfall hat die SPD die Union aufgefordert, sich nicht gegen die Weiterfinanzierung von Projekten gegen Rechtsextremismus zu sperren. SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen sagte der "Berliner Zeitung", die rot-grüne Bundesregierung habe dafür pro Jahr 19 Millionen Euro ausgegeben. "Alle Auswertungen zeigen, dass die Programme sehr erfolgreich sind." Bislang gebe es aber große Vorbehalte in der Union gegen diese wichtige Arbeit. Er hoffe, "dass Einsicht in die Notwendigkeit wächst, die begonnene Arbeit gemeinsam fortzusetzen."

Die evangelische Kirche Potsdams sprach von einem menschenverachtenden Angriff. Sie rief für Mittwochabend zu einer Fürbitt-Andacht für das Opfer in der Friedenskirche auf. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) zeigte sich im RBB-Fernsehen zuversichtlich, dass die Täter bald gefasst werden können. "90 bis 95 Prozent der Täter von Gewalttaten finden wir." Leider gebe es in der Gesellschaft insgesamt aber eine viel zu hohe Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, auch in Brandenburg.

"Aufgabe der Elternhäuser"

Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der "Berliner Zeitung", man müsse genauer erforschen, warum Jugendliche in die rechtsradikale Szene abrutschten. Dazu gehöre die intensive Beschäftigung mit deren Musik und mit Internetseiten sowie mit deren Freizeitangeboten wie Jugendcamps. Die Eindämmung von Rechtsextremismus könne aber nicht nur Aufgabe der Politik sein. "Das ist auch Aufgabe der Elternhäuser."

DPA DPA

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