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Pressekonferenz in Berlin Wie weit Merkel und Erdogan auseinander liegen, zeigt sich in diesen kleinen Gesten


Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist auf Staatsbesuch in Berlin. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Merkel können beide nur schlecht verbergen, wie viel sie trennt.

Teile des Regierungsviertels sind im Ausnahmezustand. Straßen in der Nähe des Kanzleramts wurden gesperrt, den S-Bahn-Verkehr zeitweise unterbrochen, auf Dächern und an Bahngleisen sind Polizisten positioniert.

Als Merkel und ihr Gast aus der Türkei schließlich kurz vor 13 Uhr zu den wartenden Journalisten im Kanzleramt kommen, ist der Tonfall zwischen beiden nicht aggressiv. Streckenweise ist er sogar freundlich. Erdogan dank artig für die Einladung seines "Freundes" Steinmeier zum Staatsbesuch nach Berlin. Merkel erwähnt das "gemeinsame strategische Interesse an guten Beziehungen".

Aber wie weit die Kanzlerin und der Präsident in einigen Punkten auseinanderliegen, zeigt sich immer wieder. Als Merkel Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei anmahnt und "tiefgreifende Differenzen" in diesen Fragen feststellt, starrt Erdogan nach unten auf sein Pult. Umgekehrt verzieht Merkel den Mund, als Erdogan auf die angeblich unabhängige türkische Justiz verweist, der er bei der Behandlung deutscher Gefängnisinsassen in der Türkei nicht reinreden könne. Merkel weist den Präsidenten "bei allem Respekt" vor der Justiz gleich anschließend darauf hin, dass die Gefangenen teils über ein Jahr auf eine Anklageschrift warten müssen.

Recep Tayyip Erdogan will etwas von Deutschland

Dass Erdogan gekommen ist, weil auch er etwas von den Deutschen will, das wird immer wieder deutlich. Wirtschaftskooperationen brächten eine "Win-Win"-Situation für beide , sagt er. Stärker als das Viele erwartet hatten, spricht Erdogan eine mögliche deutsch-türkische Zusammenarbeit "im Rüstungsbereich" an. Da gebe es "schon geplante Schritte, die wir tun wollen". In den vergangenen Monaten hatten türkische Regierungsvertreter vor allem um Hilfe beim Bau des Kampfpanzers Altay und der Nachrüstung türkischer Leopard-Panzer gebeten. Beides soll der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall liefern.

tkr

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