VG-Wort Pixel

Erdogan in Deutschland "Konnte es als ihr Präsident schwer ertragen": Erdogan kritisiert Umgang mit Özil und Gündogan

Recep Tayyip Erdogan
Recep Tayyip Erdogan, Staatschef der Türkei, spricht bei der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee in Köln
© DPA
Erdogan übt Kritik am Fall Özil +++ Eklat bei Bankett +++ Stadt Köln warnt zum Erdogan-Besuch erneut vor Besuch an Moschee +++ Zwischenfall bei Pressekonferenz +++ Der Erdogan-Besuch im stern-Ticker.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist auf Staatsbesuch in Deutschland Nach dem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel, bricht er im Tagesverlauf nach Köln auf. In der Rheinmetropole herrscht Ausnahmezustand.

Die Ereignisse des Tages im stern-Ticker:

+++  18.15 Uhr: Erdogan kritisiert Özil-Kritiker +++

Recep Tayyip Erdogan hat eine bessere Integration der Türken in Deutschland gefordert. Die Türkei habe die Integration unterstützt und werde das auch weiterhin tun, sagte er in seiner Rede zur Eröffnung der großen Ditib-Moschee in Köln am Samstag. "Wir sehen die Zukunft unserer Brüder hier." Gegen Rassismus müsse aber "gemeinsam Haltung" angenommen werden. 

Erdogan kritisierte den Umgang Deutschlands mit dem ehemaligen Fußballnationalspieler Mesut Özil und seinem Nationalmannschaftskollegen Ilkay Gündogan, die nach einem Foto mit Erdogan starker Kritik ausgesetzt waren. "Mesut Özil, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, wurde aus der Gemeinschaft verstoßen, weil er ein Foto in England gemacht hat", sagte Erdogan, der mit seiner Wortwahl deutlich machte, dass er sich für den Präsidenten der beiden Fußballspieler hält. "Ich konnte es als ihr Präsident schwer ertragen, dass diese jungen Leute, die es bis in die Nationalmannschaft geschafft hatten, ausgestoßen wurden." sagte Erdogan. "Dafür habe ich kein Verständnis." Er wolle denen danken, die zu Özil gehalten hätten.

+++ 17.25 Uhr: Erdogan spricht von "erfolgreichem Besuch" +++

"Es war ein erfolgreicher Besuch", sagte er in seiner Rede zur Eröffnung der großen Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld am Samstagnachmittag. Die Reise habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe er "wichtige Themen ehrlich besprochen", unter anderem wirtschaftliche Investitionen und wie man "effektiv gegen Rassismus und Islamophobie ankämpfen" könne. 

+++ 16.41 Uhr: Erdogan-Gegner protestieren friedlich +++

Die beiden großen Protestkundgebungen gegen den Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Samstag in Köln sind friedlich verlaufen. Die Versammlungen von Erdogan-Gegnern im rechtsrheinischen Köln-Deutz sowie in der nördlichen Innenstadt wurden am Nachmittag von den Veranstaltern für beendet erklärt, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Zahl der Teilnehmer blieb deutlich hinter den Erwartungen der Anmelder zurück. An der Demonstration eines Kölner Bündnisses unter dem Motto "Erdogan not welcome" an der Deutzer Werft nahmen lediglich gut 1000 Menschen teil - angemeldet waren 5000. Auch bei der Protestkundgebung der Alevitischen Gemeinde in Deutschland am Ebertplatz in der nördlichen Kölner Innenstadt lag die Teilnehmerzahl mit mehreren hundert Menschen deutlich unter den erwarteten 3000 Demonstranten.

+++ 14.52 Uhr: Erdogan in Köln gelandet +++

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist zu seinem mehrstündigen Besuch in Köln eingetroffen. Mit leichter Verspätung landeten sein Flugzeug und zwei Begleitmaschinen  am Flughafen Köln/Bonn. In der Domstadt will er an der offiziellen Eröffnung der Zentralmoschee teilnehmen. Zuvor empfing ihn der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zu einem Gespräch. 

Der Besuch Erdogans wird durch einen der größten Polizeieinsätze in der Kölner Geschichte abgesichert. Rund um die Moschee haben Stadt und Polizei einen großen Sicherheitsbereich festgelegt. Insgesamt sind in Köln mehrere Tausend Polizisten im Einsatz. In der Millionenstadt herrscht die höchste Sicherheitsstufe. 

+++ 12.16 Uhr: Köln: Bislang weniger Erdogan-Gegner als erwartet +++

Bei einer der größten Kundgebungen gegen den erwarteten Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln haben sich am Samstagvormittag zunächst deutlich weniger Menschen versammelt als im Vorhinein vermutet. Statt der erwarteten 10.000 Teilnehmer kamen bis zum Mittag nach Schätzungen der Nachrichtenagentur DPA rund 1000 Menschen zusammen. Die Polizei hielt sich mit Angaben zu den Teilnehmerzahlen zurück. Unter dem Titel "Erdogan not welcome" hatten kurdische und linke Erdogan-Gegner zum Protest am Rheinufer aufgerufen. 

Das Verwaltungsgericht Köln hatte am Freitag allerdings die Vorgabe der Polizei bestätigt, die Teilnehmer nicht wie von den Organisatoren gewünscht durch die Stadt ziehen zu lassen. Sie dürfen die Kundgebung auf der Deutzer Werft abhalten - weit weg von der Moschee-Eröffnung. Vor dem Hintergrund des Trubels in der Stadt sei eine Sicherung der Demo ansonsten nicht möglich.

+++ 11.48 Uhr Erdogan trifft Merkel +++

Am dritten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin erneut mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengetroffen. Erdogan kam um 10.00 Uhr zu einem Arbeitsfrühstück ins Kanzleramt, wie ein Sprecher der Bundesregierung bestätigte. Thema des Gesprächs sollte unter anderem die wirtschaftliche Zusammenarbeit sein.    

Nach dem Gespräch mit Merkel reist Erdogan weiter nach Köln, wo er nach einem Treffen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) die Ditib-Zentralmoschee einweihen wird. Das Treffen mit Laschet findet auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn statt, nachdem ein Gespräch in Schloss Wahn am Widerstand der Eigentümer gescheitert war, die dies aus "politischer Überzeugung" ablehnten.    

+++ 11.30 Uhr: Proteste in Köln beginnen +++

Kurz vor dem Eintreffen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln haben dort die ersten Proteste gegen den Staatsbesuch begonnen. Im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz versammelten sich am Vormittag mehrere hundert Demonstranten eines Kölner Bündnisses gegen den Erdogan-Besuch, wie ein Reporterder Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zu den Teilnehmern an der Demonstration zählten auch viele Kurden. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Stoppt die Erdogan-Diktatur" und "Erdogan - go home".    

Insgesamt werden zu der Demo mehrere tausend Teilnehmer erwartet. Später soll es auch eine Protestversammlung von Aleviten geben. Erdogan selbst wird am Nachmittag in Köln erwartet. Er will dort in Köln-Ehrenfeld die neue Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib eröffnen. Die Kölner Polizei ist auf einen Großeinsatz vorbereitet und mit mehr als 3000 Beamten im Einsatz. Bei den beiden Großdemonstrationen werden insgesamt mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet.

Recep Tayyip Erdogan: Polizei macht sich in Köln bereit
Auf den Straßen von Köln werden Anhänger und Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erwartet. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort
© Marcel Kusch / DPA

+++ 11.13 Uhr: Ditib bedauert Verbot der Veranstaltung an Kölner Moschee +++

Mit Unverständnis hat die türkische Islam-Organisation Ditib auf das Verbot einer großen Veranstaltung bei der Eröffnung ihrer Kölner Zentralmoschee reagiert. "Mit Bedauern entgegnet DITIB dieser Verfügung und kann die Begründungen nicht nachvollziehen", heißt es in einer auf Facebook verbreiteten Mitteilung. Der Verband werde der Anweisung folgen - "gemäß unseres Respektes gegenüber dem Recht". 

Die Ditib hatte zuvor auf Facebook zu der Veranstaltung an der Moschee eingeladen und mit bis zu 25.000 Besuchern gerechnet. Am Abend vor dem erwarteten Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an der Moschee hatten die Kölner Behörden deshalb ein ausreichendes Sicherheitskonzept verlangt, etwa zu Sanitätern und Fluchtmöglichkeiten - nach eigenen Angaben vergeblich.

+++ 10.05 Uhr: Stadt Köln warnt zum Erdogan-Besuch erneut vor Besuch an Moschee +++

Wenige Stunden vor dem erwarteten Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat die Stadt Köln erneut dazu aufgefordert, das Gebiet rund um die Zentralmoschee zu meiden. Erdogan will an deren offizieller Eröffnung teilnehmen. Wegen erheblicher Sicherheitsbedenken war eine dort geplante Außenveranstaltung mit Tausenden Besuchern aber untersagt worden. "Ein Einlass ist nur mit einer Einladung möglich", betonte die Stadt am Morgen. "Niemand wird auch nur in die Nähe der Moschee kommen." 

Rund um die Moschee ist ein großer Sicherheitsbereich festgelegt worden. Die Lage dort war am Vormittag noch ruhig, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Tausend Polizisten sind im Einsatz. In der Millionenstadt herrscht die höchste Sicherheitsstufe.

Die türkische Islam-Organisation Ditib hatte auf Facebook zu der Veranstaltung an der Moschee eingeladen und mit bis zu 25.000 Besuchern gerechnet. Die Kölner Behörden hatten dafür ein ausreichendes Sicherheitskonzept verlangt, etwa zu Sanitätern und Fluchtmöglichkeiten - nach eigenen Angaben vergeblich. Neben der Moschee-Eröffnung sind in Köln mehrere Kundgebungen anlässlich des Erdogan-Besuches angemeldet.

+++ 6.04 Uhr: Laschet kritisiert Moscheeverband Ditib +++

Vor seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet den türkisch-islamischen Moscheeverband Ditib kritisiert. "Grundsätzlich muss Ditib sich wieder auf die theologische, seelsorgerische Arbeit konzentrieren, nicht Politik machen", sagte der CDU-Politiker der "taz am Wochenende". "Nicht Gülen-Leute beobachten oder für die Besetzung von Syrien beten. Da ist eine Grenze überschritten", sagte Laschet.

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Seine Kritik will Laschet auch Erdogan mitteilen. 

+++ 4.05 Uhr: Volles Programm am Samstag +++

Am letzten Tag seines Staatsbesuchs in Deutschland trifft der türkische Präsident Erdogan um 10 Uhr in Berlin ein weiteres Mal mit Bundeskanzlerin Merkel (CDU) zusammen. Anschließend reist der türkische Staatschef weiter nach Köln, wo er am frühen Nachmittag Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet treffen wird. Im Anschluss um 15 Uhr  will Erdogan in Köln-Ehrenfeld die neue Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib eröffnen. An der Eröffnungsfeier wird Laschet nicht teilnehmen. Wie zuvor bereits in Berlin sind auch bei Erdogans Visite in Köln mehrere tausend Polizisten im Einsatz. In der Domstadt sind zwei Großdemonstrationen gegen den Erdogan-Besuch angemeldet.

+++ 0.08 Uhr: Handshake bei Zusammentreffen von Erdogan und Özdemir +++ 

Die Szene hat die Fantasie vieler Beobachter beflügelt: Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir hat am Abend dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Berliner Schloss Bellevue die Hand geschüttelt und dabei auch ein paar Worte an den Staatschef gerichtet. Der reagierte beim Defilee vor dem Staatsbankett kühl - und wandte sich dem nächsten Gast zu. 

Später schilderte Özdemir, was er Erdogan gesagt hatte: "Ich hoffe, dass es nachher noch eine Gesprächsmöglichkeit gibt. Und ich bedauere, dass von dem früheren Erdogan nichts mehr übrig ist." Auf seinem Revers trug der Grünen-Bundestagsabgeordnete einen Button, auf dem auf Türkisch stand: "Geben Sie Meinungsfreiheit". 

Özdemir, ein erklärter Kritiker des türkischen Präsidenten, hatte die Einladung zu dem Bankett anders als andere Oppositionspolitiker angenommen. Mit seiner Teilnahme wolle er ein Signal senden, hatte der Sohn türkischer Eltern gesagt: ""Die Opposition in Deutschland gehört zur Politik dieses Landes dazu, wir sind ein fester und notwendiger Bestandteil unserer Demokratie."

Grünen-Politiker Cem Özdemir (l.) ist scharfer Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan
Grünen-Politiker Cem Özdemir (l.) ist scharfer Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan
© Bernd von Jutrczenka / DPA

+++ 0.00 Uhr: Neuer Ort für Treffen von Erdogan und Laschet gefunden +++

Das Gespräch zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) findet am Flughafen Köln/Bonn statt. Wie die Düsseldorfer Staatskanzlei mitteilte, wollen Laschet und Erdogan auf dem militärischen Teil des Airports im Empfangsgebäude der Flugbereitschaft zusammentreffen. Für das Gespräch, das ursprünglich auf Schloss Wahn stattfinden sollte, musste eilig ein neuer Ort gefunden werden, weil die Schlossbesitzer einen Empfang Erdogans aus politischer Überzeugung abgelehnt hatten. 

Laschet will bei dem Treffen am frühen Nachmittag (gegen 14.00 Uhr) auch kritische Themen wie die Pressefreiheit in der Türkei und die Lage der dort inhaftierten Deutschen ansprechen. 


Die Meldungen vom Freitag:

+++ 21.56 Uhr: Erdogan sorgt für Eklat bei Bankett: "Terroristen laufen in Deutschland frei herum" +++

Recep Tayyip Erdogan sorgte beim Staatsbankett für einen Eklat und brüskierte so seinen Gastgeber, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier . Er wich von seinem Redemanuskript ab und reagierte wütend auf Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Steinmeier, die Besorgnis über die Einhaltung der Pressefreiheit und der Menschenrechte in der Türkei äußerten. Er forderte Respekt für die türkische Justiz und damit für das Auslieferungsersuchen für den in der Türkei verurteilten Journalisten Can Dündar. Dann drehte er den Spieß um. "Hunderte, Tausende" von Terroristen liefen in Deutschland frei herum. "Sollen wir darüber etwa nicht sprechen? Sollen wir dazu nichts sagen?", fragte Erdogan in die Runde.

+++ 21.05 Uhr: Erdogan auf Staatsbankett: "Can Dündar wird auf Silbertablett rumgereicht" +++

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seine Forderung nach einer Auslieferung des Journalisten Can Dündar bekräftigt. Der frühere Chef der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" werde in Deutschland "auf dem Silbertablett herumgereicht", obwohl er in der Türkei zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, sagte Erdogan am Abend beim Staatsbankett mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Trotz eines Auslieferungsabkommens weigere sich Deutschland, Dündar an die türkischen Behörden zu überstellen. 

+++ 19.42 Uhr: Köln verbietet Außenveranstaltung bei Moschee-Eröffnung mit Erdogan +++

Bei der Kölner Moschee-Eröffnung mit Erdogan am Samstag darf die geplante Außenveranstaltung nach Angaben der Stadt nicht stattfinden. In der Kürze der Zeit sei kein ausreichendes Sicherheitskonzept seitens der  Türkisch-Islamischen Union Ditib vorgelegt worden, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) am Abend bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Man habe bis zur letzten Minute versucht, eine tragbare Lösung zu finden. Die Eröffungszeremonie mit Erdogan könne stattfinden, aber nur mit geladenen Gästen.

+++ 19.38 Uhr: Mehrere Tausend Teilnehmer bei "Erdogan not welcome"-Demo +++

Mehrere tausend Menschen haben in Berlin gegen Erdogans Politik demonstriert. Der Protest stand am Nachmittag unter dem Motto: "Erdogan not welcome". Die Teilnehmer waren vor allem deutscher, türkischer und kurdischer Herkunft. Die Polizei sprach von einer Teilnehmerzahl im mittleren vierstelligen Bereich, die Veranstalter von 8000 Teilnehmern. 

Der Journalist Can Dündar sitzt hinter vielen Mikrofonen und hält seine Akkreditierung für den Erdogan-Besuch mit links hoch
Der Journalist Can Dündar hat eine Pressekonferenz abgehalten, auf der er die Vorwürfe des türkischen Präsidenten scharf zurückweist
© Arne Immanuel Bänsch / DPA

+++ 18.55 Uhr: Can Dündar: "Erdogan lügt" +++

Der türkische Journalist Can Dündar hat die Vorwürfe des türkischen Präsidenten gegen ihn bei der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel als Lügen bezeichnet. "Erdogan hat in dieser Pressekonferenz der ganzen Weltöffentlichkeit in die Augen geschaut und gelogen", sagte der in Deutschland im Exil lebende frühere Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet". Erdogan hatte die Auslieferung Dündars gefordert und diesen als "Agent" und "Verbrecher" bezeichnet.

Dündar wies die Vorwürfe zurück. Er habe keine Staatsgeheimnisse veröffentlicht und das Urteil gegen ihn sei von den obersten türkischen Richtern wieder aufgehoben worden, die nach dem Putschversuch im Juli 2016 selbst verhaftet worden seien. "Der Opposition vorzuwerfen, Terroristen zu sein, ist eine klassische Methode aller autokratischen Führer", sagte Dündar. "Wenn er beweisen kann, dass ich kein Journalist sondern ein Agent bin, bin ich bereit, meinen Beruf niederzulegen."

+++ 17.56 Uhr: Erdogan trifft führende Wirtschaftsvertreter +++

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich in Berlin auch mit führenden Wirtschaftsvertretern getroffen. Auf der Liste standen rund 25 Vorstände von Unternehmen und Verbänden, darunter der Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK) Eric Schweitzer, DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, und der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Andreas Krautscheid. Das sagte der Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer in Istanbul, Thilo Pahl, der Deutschen Presse-Agentur.

Außerdem dabei seien der Präsident der Außenhandelskammer in Istanbul Markus Slevogt und der Präsident der Türkisch-Deutschen Handelskammer Rolf Königs. Zudem sollten etwa zwanzig weitere Vorstände deutscher Unternehmen teilnehmen, die in der Türkei tätig sind.

+++ 17.00 Uhr: Außenminister Maas spricht sich gegen Auslieferung Dündars aus +++

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich gegen die von der Türkei geforderte Auslieferung des türkischen Journalisten Can Dündar gewandt. "Ich freue mich darüber, wenn ich ihn in Zukunft in Deutschland auch noch oft sehe", sagte der SPD-Politiker in New York. Er erinnerte daran, dass er den 57-jährigen in seiner früheren Funktion als Justizminister sogar als Ehrengast zu einem Empfang eingeladen hat. 

+++ 16.46 Uhr: Hunderte demonstrieren in Berlin gegen Erdogan +++

In Berlin haben am Nachmittag hunderte Menschen gegen den Staatsbesuch von Präsident Erdogan demonstriert. Am Potsdamer Platz versammelten sie sich zu einer Großdemonstration "Erdogan not welcome". Teilnehmer trugen Plakate, die sich unter anderem gegen die Militäraktionen der Türkei in Syrien richteten. Auf anderen Plakaten war der Schriftzug "Türkische Demokratie" von einem Gitter überdeckt.

Dort und bei verschiedenen anderen Veranstaltungen wurde auch gegen Menschenrechtsverstöße und die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei protestiert. Die Demonstranten wollten anschließend Richtung Großer Stern und damit in die Nähe von Schloss Bellevue ziehen. An der Großdemonstration nahmen auch viele Kurden teil.

+++ 16.37 Uhr: Abgeführter Journalist: neue Details bekannt +++

Über den bei der Pressekonferenz angeführten Journalisten Ertugrul Yigit (Einträge von 13.34 und 14.35 Uhr) sind neue Details bekannt. Yigit hatte sich offiziell für die Pressekonferenz akkreditiert. Er setzte sich unauffällig mit einer Strickjacke bekleidet in die zweite Reihe der Fotografen und machte Aufnahmen. Später streifte er die Jacke ab - darunter trug er das T-Shirt mit der Aufschrift. Yigit legte sich auch seine offizielle Akkreditierung wieder um, allerdings hängte er sie sich auf den Rücken, damit die Aufschrift besser zu sehen war.

Nachdem Yigit mit Gesten die Aufmerksamkeit anderer Fotografen auf sich zog, aufstand und seitlich stehend weiter fotografierte, wurden Merkel und Erdogan aufmerksam. Als die Unruhe zunahm, griffen für den Schutz Merkels zuständige Beamte ein. Ein Grund soll auch gewesen sein, dass die für den Schutz Erdogans zuständigen türkischen Sicherheitsbeamten nervös reagiert hätten, hieß es. Die deutschen Sicherheitskräfte hätten befürchtet, die türkischen Kollegen könnten sich auf den Fotografen stürzen.

+++ 15.35 Uhr: Journalist muss vor Erdogan-Pressekonferenz Auskunft über Frageabsicht geben +++

Journalisten haben sich ungewöhnliche Sicherheitskontrollen gefallen lassen müssen. Ein AFP-Reporter, der für die Pressekonferenz akkreditiert war, wurde bei der Sicherheitskontrolle im Gebäude des Bundespresseamts detailliert zu seinen Absichten befragt. So wollte ein Sicherheitsmitarbeiter von dem Journalisten Auskunft darüber, ob dieser eine Frage bei der Pressekonferenz stellen wolle - und wenn ja welche.     

Konkret schob der Sicherheitsmitarbeiter dann nach, ob der Journalist etwa auch eine Frage zu den Berichten stellen wolle, wonach "in der Türkei alle Journalisten im Gefängnis sitzen". Des weiteren wollte er von dem Berichterstatter wissen, ob dieser schon einmal in der Türkei war und ob er es dort wirklich "so schlimm" fand, "wie in den Medien immer berichtet wird"? Der Sicherheitsmitarbeiter beklagte sich dann darüber, dass immer weniger Deutsche in der Türkei Urlaub machten, weil das Land in den Medien schlecht dargestellt werde.

Derartige Fragen an akkreditierte Journalisten, die an offiziellen Medienveranstaltungen der Bundesregierung teilnehmen wollen, sind äußerst unüblich. Das Bundespresseamt wurde über den Vorfall informiert, äußerte sich zunächst aber nicht dazu. Der AFP-Reporter nahm schließlich an der Pressekonferenz teil. 

+++ 15.28 Uhr: Köln: Schlossbesitzer verweigern Räume für Erdogan-Treffen +++

Die Besitzer des Schlosses Wahn in Köln wehren sich gegen das dort geplante Treffen des nordrhein-westfälischen Regierungschefs Armin Laschet (CDU) mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Die Eigentümerfamilie lehne einen Empfang Erdogans aus politischer Überzeugung ab, erklärte ein Sprecher. Von den Plänen habe man erst am Vortag erfahren - aus den Medien. Die geplante Nutzung sei nun untersagt und beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung beantragt worden.

Räume in dem Schloss sind den Angaben zufolge seit Jahrzehnten an die Kölner Universität vermietet, die dort unter anderem ihre theaterwissenschaftliche Sammlung untergebracht hat. Die Uni habe die Eigentümer aber nicht vorab über den Erdogan-Besuch informiert. "Die geplante Nutzung des Mietobjektes widerspricht dem vereinbarten Nutzungszweck und ist somit rechtswidrig", teilte der Sprecher mit. Zuerst hatte die "Kölnische Rundschau" darüber berichtet.

+++ 15.15 Uhr: Steinwürfe bei spontaner Demonstration gegen Erdogan in Berlin +++

Bei einer nicht angemeldeten Demonstration gegen den Staatsbesuch sind in Berlin zwei Polizisten leicht verletzt worden. Die Demonstranten vermummten sich teilweise und warfen Steine auf die Einsatzkräfte, wie die Polizei mitteilte. Auch wurden ein Wartehäuschen der Verkehrsgesellschaft, mehrere Autos und die Scheiben einer Bank in Kreuzberg beschädigt.    

Aus der auf etwa 150 Menschen angewachsenen Ansammlung wurden demnach auch Parolen, unter anderem in kurdischer Sprache, gerufen. Die Kundgebung wurde schließlich gestoppt. Acht Tatverdächtige wurden wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz festgenommen. Zudem beschlagnahmten die Beamten Feuerwerkskörper sowie Fahnen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).  

+++ 15.01 Uhr: Zwischenfall bei Pressekonferenz: Seibert verteidigt Vorgehen +++

Regierungssprecher Steffen Seibert hat das Vorgehen der Ordner gegen die Protestaktion eines türkischen Journalisten verteidigt. "Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen", twitterte Seibert. "Das gilt völlig unabhängig davon, ob es sich um ein berechtigtes Anliegen handelt oder nicht." 

Adil Yigit
Adil Yigit, Chefredakteur des internetportals Aurupa Postasi, wird im Bundeskanzleramt aus der gemeinsamen Pressekonferenz von Merkel und Erdogan geführt
© Kay Nietfeld / DPA

+++ 14.35 Uhr: Abgeführter Mann bei Pressekonferenz ist Journalist +++

Bei der Pressekonferenz ist ein Fotograf von Sicherheitsbeamten abgeführt worden. Zuvor hatte sich der Mann in der ersten Reihe der anwesenden Journalisten ein T-Shirt mit der Forderung nach Freilassung von in der Türkei inhaftierten Journalisten übergestreift. Während er abgeführt wurde, rief der Fotograf mehrfach: "Ich habe nichts gemacht."

Bei dem Mann handelt es sich um den türkischen Journalisten und Erdogan-Kritiker Adil Yigit, der seit Jahren in Hamburg lebt. Auf seinem T-Shirt hatte er in türkischer Sprache die Aufschrift "Freiheit für Journalisten" gedruckt. Präsident Erdogan verfolgte die Szene lächelnd. Der Zwischenfall dauerte nur wenige Sekunden, die Pressekonferenz ging im Anschluss ungestört weiter.    

Yigit ist Autor der Tageszeitung "taz" und Herausgeber der regierungskritischen Onlinezeitung "Avrupa Postasi". Laut "taz" war der linke Aktivist Yigit 1978 in der Türkei bei einem Überfall der rechtsextremen Grauen Wölfe verletzt worden und daraufhin nach Frankreich geflohen, wo er Asyl erhielt. Später kam er nach Hamburg, wo er eine "taz"-Redakteurin heiratete und mit ihr zwei Kinder bekam. In Hamburg engagierte er sich weiter in der Politik, weshalb er unter Beobachtung des türkischen Geheimdienstes stehen soll.

+++ 13.34 Uhr: Mann bei Pressekonferenz abgeführt +++

Bei der Pressekonferenz von Merkel und Erdogan ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Mann wurde vor laufenden Kameras abgeführt. Erdogan lächelte zunächst nur. Die Hintergründe blieben zunächst unklar.

+++ 13.30 Uhr: Erdogan bestätigt Auslieferungsersuchen für Dündar +++

Merkel und Erdogan haben auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz nur einige wenige Journalistenfragen beantwortet - unter anderem zum Auslieferungsgesuch für den Journalisten Can Dündar. Erdogan hat bestätigt, dass sein Land ein Auslieferungsersuchen für Dündar gestellt hat. Dündar sei "ein Agent, der Staatsgeheimnisse veröffentlicht hat", sagte Erdogan.

+++ 13.27 Uhr: Erdogan erwähnt Zusammenarbeit im Rüstungsbereich +++

Im Kanzleramt geht es auch um Zusammenarbeit im militärischen Bereich, berichtet stern-Investigativ-Reporter Hans-Martin Tillack auf Twitter.

+++ 13.20 Uhr: Vierer-Gipfel zu Syrien im Oktober +++

Merkel (CDU) hat ein Gipfeltreffen mit den Präsidenten Frankreichs, Russlands und der Türkei zum Syrien-Konflikt noch im Oktober in Aussicht gestellt. "Wir sind dafür, dass es ein Vierertreffen geben wird", sagte sie bei der Pressekonferenz mit Erdogan. Die Türkei leiste "Herausragendes" bei der Beherbergung von mehr als drei Millionen syrischen Flüchtlingen.

+++ 13.16 Uhr: Merkel will Fälle infhaftierter Deutscher schnell lösen +++

Bei ihrem Treffen mit Erdogan hat Bundeskanzlerin Merkel (CDU) eine rasche Lösung für die in der Türkei inhaftierten Deutschen angemahnt. "Ich habe darauf gedrängt, dass auch diese Fälle möglichst schnell gelöst werden können", sagte Merkel nach ihrem Treffen mit Erdogan im Berliner Kanzleramt.

Sie sei froh, "dass einige Menschen frei sind", sagte die Kanzlerin mit Blick auf die in den vergangenen Monaten aus türkischer Haft freigelassenen Deutschen. Sie werde auch in den weiteren Gesprächen mit der türkischen Seite, etwa bei ihrem gemeinsamen Frühstück am Samstagmorgen mit Erdogan, auf die Freilassung der übrigen inhaftierten Deutschen dringen.

+++ 13.07 Uhr: Merkel auf Pressekonferenz: "tiefgreifende Differenzen" mit Türkei +++

Bundeskanzlerin Merkel hat nach Gesprächen mit Erdogan Kritik an der Lage in der Türkei geäußert. Es gebe weiterhin "tiefgreifende Differenzen", sagte die CDU-Politikerin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Erdogan in Berlin. Sie nannte die Lage der Pressefreiheit und der Menschenrechte. Merkel betonte aber auch gemeinsame Interessen mit der Türkei. "Wir haben vieles, was uns eint", sagte sie. Merkel nannte die Partnerschaft in der Nato, Fragen der Migration und den Kampf gegen Terrorismus.

+++ 13.01 Uhr: Pressekonferenz beginnt verspätet und mit strengen Regeln +++

Journalisten dürfen je zwei Fragen stellen, schreibt stern-Investigativ-Reporter Hans-Martin Tillack auf Twitter.

+++ 12.27 Uhr: Steinmeier sprach mit Erdogan über politische Gefangene in der Türkei +++

Bundespräsident Steinmeier hat bei seinem ersten Gespräch mit Erdogan konkrete Fälle von politischen Gefangenen in der Türkei angesprochen. Wie es aus Delegationskreisen hieß, ging es dabei um deutsche ebenso wie um türkische Staatsbürger. 

Die Presse- und Meinungsfreiheit sowie Fragen der Rechtsstaatlichkeit hätten im Mittelpunkt des etwa 75-minütigen Gesprächs gestanden, hieß es. Dabei seien die Differenzen zwischen Deutschland und der Türkei und die "unterschiedliche Wahrnehmung" beider Seiten angesprochen worden. Die Atmosphäre des Treffens wurde als "ernst" beschrieben. 

+++ 12.18 Uhr: Dündar verzichtet auf Erdogan-Pressekonferenz +++

Der in der Türkei wegen Spionage und Verrats gesuchte Journalist Can Dündar verzichtet auf eine Teilnahme an der Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Ich habe entschieden nicht daran teilzunehmen", sagte Dündar, der seit zwei Jahren in deutschem Exil lebt, am Freitag auf seinem eigenen Medienportal. Zuvor hatte die Türkei gedroht, die Pressekonferenz abzusagen, falls Dündar teilnehme.

++ 12.05 Uhr: Erdogans Delegation in Berlin ohne Nummernschild unterwegs +++

Hans-Martin Tillack, Investigativ-Reporter des stern, twittert ein Foto einer Maybach-Limousine der türkischen Delegation. Die ist ohne Nummernschild vor dem Kanzleramt in Berlin unterwegs.

+++ 11.51 Uhr: Anti-Erdogan-Demo in Berlin +++

Nach der Ankunft Erdogans in Berlin haben in der Nacht in mehreren Bezirken der Hauptstadt Autoreifen und Mülltonnen gebrannt. Ob es einen Zusammenhang mit dem Besuch gab, war laut Polizei noch unklar. In Kreuzberg fand am Donnerstagabend eine unangemeldete Demonstration von 100 bis 150 Erdogan-Gegnern statt. Die größte von mehreren angemeldeten Protesten war für Freitagnachmittag geplant.

+++ 11.20 Uhr: Bericht: Erdogan fordert Auslieferung von Journalist Dündar +++

Die Regierung Erdogan hat Berichten zufolge die Auslieferung des bekannten Journalisten Can Dündar aus Deutschland beantragt. Eine entsprechende Verbalnote sei am Montag beim Auswärtigen Amt eingegangen, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" am Freitag. Darin bitte die türkische Botschaft um Festnahme und Auslieferung von Dündar wegen Spionage, Verrat von Staatsgeheimnissen und Propaganda.

Dündar war 2015 wegen eines Berichts über verdeckte Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien angeklagt worden. Die Anklage wertete den Bericht als Geheimnisverrat. Im Mai 2016 wurde er zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, im Juli 2016 ging er ins Exil nach Deutschland. Dündars Frau lebt weiter in der Türkei, darf aber nicht ausreisen.

+++ 11.13 Uhr: Sächsische Polizisten nutzen NSU-Decknamen +++

Bei der Vergabe von Tarnnamen vor dem Einsatz beim Erdogan-Besuch in Berlin haben zwei Beamte des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA) den Namen des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt benutzt. Der Name sei bei einem Einsatz in einer Liste aufgetaucht, teilte das LKA in Dresden mit. Den Berliner Beamten sei das aufgefallen, die Betroffenen durften die Dienstgeschäfte nicht weiter ausführen. Ein Disziplinarverfahren sei eingeleitet worden, erklärte das LKA. 

Sachsens LKA-Präsident Petric Kleine sagte "Focus Online": "Da fehlen mir die Worte. So ein Verhalten ist verantwortungslos und nicht hinnehmbar. Ich bin tief enttäuscht."

+++ 10.23 Uhr: Berliner Polizei findet Streifenwagen wieder +++

Die Suche nach einem zwischenzeitlich von der Berliner Polizei vermissten Streifenwagen ist beendet: "Der Wagen war nie wirklich verschwunden", teilte die Polizei auf Twitter mit. "Kollegen haben ihn bei der Abholung in der Werkstatt nicht ausgetragen.

+++ 10.22 Uhr: Bericht: Türkei fordert "dringend" Auslieferung von 69 Personen +++

Vor dem Besuch von Erdogan in Deutschland soll Bundeskanzlerin Merkel nach einem Medienbericht eine "Terrorliste" mit 69 Namen übergeben worden sein. Aufgelistet seien Menschen, die in der Türkei wegen Terrorvorwurfs gesucht werden und in Deutschland Zuflucht gefunden haben wie der Journalist Can Dündar, berichtete die regierungsnahe Zeitung "Yeni Akit". 

Die Türkei fordere "dringend" die Auslieferung der 69 Personen. Die Liste enthalte auch genaue Adressdaten der Betroffenen und Fotos, die die Gesuchten beim Betreten und Verlassen ihrer Häuser zeigten. Von deutscher Seite lag zunächst keine Bestätigung vor. 

+++ 9.44 Uhr: Steinmeier begrüßt Erdogan mit militärischen Ehren +++

Zum offiziellen Auftakt seines Staatsbesuchs in Deutschland ist der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren begrüßt worden. Nach dem Eintrag ins Gästebuch von Schloss Bellevue wollten Steinmeier und Erdogan zu einem ersten Gespräch zusammenkommen. Danach seht ein Mittagessen Erdogans mit Kanzlerin Angela Merkel auf dem Programm.

+++ 8.40 Uhr: Berliner Polizei vermisst Streifenwagen +++

Vor dem Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist der Berliner Polizei ein Streifenwagen abhanden gekommen. Wie der "Tagesspiegel" berichtete, wurden alle Polizeidienststellen am Donnerstag per Mail über das vermisste Fahrzeug informiert, der Betreff laute: "In Verlust geratener Funkstreifenwagen."

Der Wagen stand dem Bericht zufolge in der Zentralwerkstatt für alle Streifenwagen der Berliner Polizei im Stadtteil Kreuzberg. Von dort sei er am vergangenen Samstag spurlos verschwunden - mitsamt Fahrzeugpapieren. Die Tankkarte und die Transponderkarte, die Zugang durch die Zufahrtstore der Polizeidienststellen verschafft, seien gesperrt worden. 

+++ 5.10 Uhr: Bundeskanzlerin Merkel will kritische Themen mit Erdogan besprechen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, mit Erdogan auch Kritisches zu besprechen. "Die Lage der Menschenrechte ist nicht so, wie ich mir das vorstelle", sagte sie am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der "Augsburger Allgemeinen". Jedoch müsse allen klar sein, dass die Türkei da kein Einzelfall sei. Deutsche Finanzhilfen für das wirtschaftlich angeschlagene Land schloss Merkel aus. Es müssten "kluge Verbindungen" gefunden werden, damit die Türkei stabil bleibe, sagte sie. Dabei denke sie nicht an ökonomische Hilfen, aber an eine wirtschaftliche Zusammenarbeit.

+++ 5.07 Uhr: Maas fordert Fortschritte bei Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit  +++

Vor dem offiziellen Auftakt des Staatsbesuchs von Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Bundesaußenminister Heiko Maas die Türkei aufgefordert, mit Fortschritten bei Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit zur Normalisierung der Beziehungen beizutragen. "Wenn man in der Türkei eine europäische Perspektive haben will, dann muss man sich auch mit Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Pressefreiheit und der Meinungsfreiheit auseinandersetzen", sagte Maas am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Erdogan wird am Freitag in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel empfangen.

tkr/wue DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker