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Regensburger Domspatzen Mindestens 547 Chorsänger wurden Opfer von Gewalt und Missbrauch

Aufnahme von 1976: Chorleiter Georg Ratzinger dirigiert die Regensburger Domspatzen während eines Konzerts vor dem Dom
Eine Aufnahme aus dem Jahr 1976: Chorleiter Monsignore Georg Ratzinger dirigiert die Regensburger Domspatzen während eines Konzerts vor dem Dom.
© HARTMUT REEH/PICTURE ALLIANCE
Rechtsanwalt Ulrich Weber legte den Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen vor. Die Opfer beschreiben ihre Schulzeit darin als "Gefängnis", und "Hölle" und "Konzentrationslager".

Mindestens 547 Chorsänger der Regensburger Domspatzen sind Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt geworden. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht zum Missbrauchskandal bei dem weltberühmten Chor hervor. Demnach wurden 500 Kinder Opfer körperlicher Gewalt, 67 Kinder auch Opfer sexueller Gewalt. Da einige Kinder sowohl körperliche wie auch sexuelle Gewalt erlitten, liegt die Zahl der Fälle laut Weber über den insgesamt betroffenen 547 Fällen. Es gebe aber eine Dunkelziffer, er gehe von mindestens 700 Opfern aus.

Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, sagte der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber. Betroffene hätten ihre Schulzeit als "Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager" bezeichnet. Viele schilderten die Jahre als "schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit".  

Regensburger Domspatzen erhalten Entschädigung

Der Chor wurde lange von Georg Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., geleitet. Dieser bestreitet, von den Missbrauchsfällen Kenntnis gehabt zu haben.

Die Untersuchung umfasst Fälle zwischen 1945 und Anfang der 1990er Jahre. Laut Weber wurden 49 Beschuldigte identifiziert, die für die Taten verantwortlich gemacht werden könnten. Demnach waren fast alle Vorfälle zu jeder Zeit nach der jeweils gültigen Gesetzgebung strafbar. Es seien inzwischen aber alle Taten nach dem Strafrecht verjährt, so dass keine Strafverfolgung mehr möglich sei.Die Betroffenen sollen mit jeweils bis zu 20.000 Euro entschädigt werden. Verantwortliche des Bistums teilten mit: "Wir haben alle Fehler gemacht und haben viel gelernt". Das Bistum könne nur um Entschuldigung bitten

sve AFP DPA

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