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RSV-Welle Kinderkliniken schlagen Alarm: "Es gibt nicht mehr genügend Kinder-Intensivbetten"

Kinderklinik
Ein am RS-Virus erkranktes Kind auf einer Kinderstation des Olgahospitals des Klinikums Stuttgart
© Marijan Murat / DPA
Die Notfall- und Intensivmediziner sprechen von einer "katastrophale Situation": Weniger als ein freies Bett steht pro Kinderintensivstation derzeit  zur Verfügung, wie eine Umfrage unter Kliniken ergeben hat. Grund ist die RS-Virus-Welle.

Deutsche Intensiv- und Notfallmediziner beklagen einen dramatischen Bettenmangel: "Von 110 Kinderkliniken hatten zuletzt 43 Einrichtungen kein einziges Bett mehr auf der Normalstation frei. Lediglich 83 freie Betten gibt es generell noch auf pädiatrischen Kinderintensivstationen in ganz Deutschland – das sind 0,75 freie Betten pro Klinik, also weniger als eines pro Standort", teilte die Vereinigung für Intensiv- und Notfallmediziner (DIVI) in München mit. Für die aktuelle Umfrage habe der Verband 130 Kinderkliniken angeschrieben. 110 Häuser hätten ihre Daten vom Stichprobentag 24. November, also vor einer Woche, bereitgestellt.

Bei vielen Kindern ist Atemunterstützung notwendig

"Die RSV-Welle baut sich immer weiter auf und macht bei vielen Kindern die Behandlung mit Atemunterstützung notwendig. Wir können Stand heute davon ausgehen, dass es zu dieser Behandlung nicht genügend Kinder-Intensivbetten gibt", so Sebastian Brenner, DIVI-Kongresspräsident von der Unikinderklinik Dresden.

"Das ist eine katastrophale Situation, anders ist es nicht zu bezeichnen. Deshalb fordern wir die sofortige Optimierung von Arbeitsbedingungen in den Kinderkliniken, den Aufbau telemedizinischer Netzwerke zwischen den pädiatrischen Einrichtungen und den Aufbau von spezialisierten Kinderintensivtransport-Systemen. Wir müssen jetzt endlich handeln", wurde der DIVI-Generalsekretär und Kinder-Intensivmediziner Florian Hoffmann zitiert. Bei der Umfrage wurden laut DIVI alle Kinderkliniken angeschrieben, die am bundesweiten "Kleeblattkonzept" zur Patientenverlegung teilnehmen. Dabei arbeiten jeweils bestimmte Bundesländer zusammen.

"Situation verschärft sich von Jahr zu Jahr"

Bei der Erhebung habe jede zweite Klinik berichtet, dass sie in den vergangenen 24 Stunden mindestens ein Kind nach Anfrage durch Rettungsdienst oder Notaufnahme nicht für die Kinderintensivmedizin annehmen konnten – also der Anfragende weitersuchen musste nach einem adäquaten Behandlungsplatz. "Diese Situation verschärft sich von Jahr zu Jahr und wird auf dem Rücken kritisch kranker Kinder ausgetragen", so Hoffmann.

nik DPA

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