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Rückblick: Chancenlose Kandidaten

Die SPD-Kandidatin Gesine Schwan ist nicht die erste, der geringe Chancen bei der Wahl eingeräumt werden. Bisher wurden fünf Frauen ohne Aussichten für das höchste Amt nominiert. Auch männlichen Kandidaten erging es nicht immer besser.

Der SPD-Kandidatin Gesine Schwan werden bei der Wahl des Bundespräsidenten geringe Chancen eingeräumt. Zu eindeutig sind die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung zu Gunsten von CDU/CSU und FDP. In der Vergangenheit wurden bisher fünf Frauen ohne Aussichten für das höchste Amt nominiert. Auch für einige männliche Kandidaten stand die Nichtwahl bereits vorher fest.

Heuss unangefochten

Im Jahr 1949 machten bei fünf unbedeutenden Konkurrenten Theodor Heuss (FDP) und Kurt Schumacher (SPD) die Wahl unter sich aus. Auch 1954 blieb die Kandidatur von sieben Mitbewerbern gegen die absolute Mehrheit, die Theodor Heuss erhielt, eine Marginalie. Carlo Schmid (SPD) und Max Becker (FDP) hatten 1959 gegen Heinrich Lübke (CDU) ebenfalls keine Chance. Im Jahr 1964 war Ewald Bucher (FDP) einziger chancenloser Gegenkandidat von Lübke.

Renger aussichtslos gegen Carstens

Die Aufstellung der früheren Bundestagspräsidentin Annemarie Renger (SPD) im Jahr 1979 war von vornherein aussichtslos, da die CDU/CSU eine ausreichende Mehrheit für ihren Kandidaten Karl Carstens besaß. Wenn auch ohne Chance, kam mit Renger erstmals eine Frau ins Rennen.

Rinsers Kandidatur als Denkanstoß

Die 1984 von den Grünen benannte Schriftstellerin Luise Rinser blieb ebenfalls erfolglos. Die parteilose Künstlerin verstand ihre Kandidatur als Denkanstoß, rechnete aber nie mit einer Chance gegen den Unions-Kandidaten Richard von Weizsäcker. Auf den klaren Sieger des ersten Wahlgangs hatte sich die Mehrheit der Parteien bereits vorab geeinigt.

Hamm-Brücher unterliegt Übermacht

Auch FDP-Kandidatin Hildegard Hamm-Brücher konnte 1994 gegen die Übermacht ihrer Konkurrenten Roman Herzog (CDU) und Johannes Rau (SPD) nichts ausrichten. Ebenso ihre Mitbewerber, der von den Grünen aufgestellte parteilose Jens Reich und der Republikaner Hans Hirzel.

"Zählkandidatinnen" Schipanski und Ranke-Heinemann

Im Jahr 1999 teilten sich Dagmar Schipanski und Ute Ranke-Heinemann, Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, angesichts der klaren Mehrheit von SPD und Grünen in der Bundesversammlung den Ruf, "Zählkandidatinnen" zu sein. Die von der CDU nominierte ostdeutsche Physikerin Schipanski brachte es jedoch zu einem Achtungserfolg. Die parteilose Theologin Ranke-Heinemann war chancenlose Kandidatin der PDS.

DPA