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Schmidt wegen Rauchen angezeigt: Das sagen die stern.de-Leser

Viele stern.de-Leser sind empört. Darf man den verdienten Altkanzler Helmut Schmidt wegen einer Kleinigkeit, wie Rauchen, anzeigen? Und verdient ein alter Herr nicht auch den Respekt, ihm Fehler zuzugestehen? Die Anzeige einer Nichtraucher-Initiative hat eine hitzige Debatte ausgelöst.

Der Schuss ging wohl nach hinten los. Horst Keiser, Vorsitzender der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden, hat Altbundeskanzler Helmut Schmidt und seine Frau Loki wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen das in Hamburg geltende Rauchverbot angezeigt. Allerdings erntet er mit dieser publicityträchtigen Aktion nicht einmal bei den meisten Nichtrauchern Zustimmung, zumindest nicht im stern.de-Leserforum. Sollte Keiser jedoch nur mehr Aufmerksam für sein Anliegen erreichen wollen, war die Anzeige bereits jetzt schon ein Erfolg. So viele stern.de-Leser haben sich nicht oft zu einer kleinen Meldung geäußert. Und noch viel seltner so viele Emotionen gezeigt, auch wenn die meisten Keiser nicht gefallen dürften.

Am Anfang der Debatte stand der Neujahrsempfang des Hamburger Theaters mit den Ehrengästen Loki und Helmut Schmidt. Beide rauchten wie eh und je, obwohl inzwischen in Hamburg das Nichtraucherschutzgesetz das Qualmen auf öffentlichen Veranstaltungen verboten hatte. Die hessische Nichtraucher-Initiative sah den schmökenden Altkanzler in den Medien und zeigte das Ehepaar Schmidt und den Veranstalter daraufhin an. Ein Vorgehen, das bei den meisten stern.de-Lesern auf Unverständnis stößt.

Hat die Nichtraucher-Initiative gepetzt?

Während im Leserforum auch die alte Debatte über Sinn und Unsinn des Rauchverbots in öffentlichen Einrichtungen wiedereröffnet wurde, war das wichtigste Thema das Verhalten der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden. Vielen stern.de-Lesern kommt die Anzeige wie Petzerei vor, weshalb sie sich fragen, wie es weitergeht, wenn sogar der Sympathieträger Schmidt angezeigt wird. "Babalu1962" fragt, "Wo kommen wir hin, wenn wir uns nun auch noch gegenseitig beobachten und anzeigen, wenn jemand einen Fehler macht?" Einer von zehn Kommentatoren schreckt auch nicht vor dem Wort "Denunziantentum" zurück. Der Nichtraucher "leobissinger" hält fest: "Petzen habe ich noch nie leiden können."

Es sind erstaunlich viele Nichtraucher, die sich vom Vorgehen des Nichtraucherverbandes brüskiert fühlen. "Alwo" zeigt sich wie viele andere stern.de-Leser beschämt: "Hätte nie gedacht, dass es mir mal peinlich sein wird, Nichtraucher zu sein. Habe Lust mit Rauchen anzufangen."

Sonderstatus für den Altkanzler?

Nichtsdestotrotz findet die Anzeige auch Zustimmung. "Wintersaint" argumentiert, dass Gesetze auch für den Altkanzler Schmidt gelten müssen. "Wenn er falsch parkt, kriegt er auch ein Knöllchen. Das ist doch keine Bananenrepublik wo persönlicher Verdienst über die Rechte entscheidet." Das sieht stern.de-Leser "ScoutHH" genauso und fordert, dass Helmut Schmidt bestraft wird. "Nun kann die Justiz beweisen, dass man die Gesetze auch voll ausschöpft." Gesetze müssten eben auch angewendet werden, wenn es sie gibt, meint "-peter-", "sonst ist es ja irgendwie witzlos."

Aber darf man einem so alten Mann, und dazu noch einem verdienten Bundeskanzler, überhaupt das Rauchen verbieten? "Despera.do" meint, nein, denn "meine Eltern haben mir beigebracht, dass man Respekt vor gewissen Menschen hat. Und Helmut Schmidt gehört für mich dazu. Zu diesem Respekt gehört auch, dass man mal Fünfe grade sein lässt. Vorbildfunktion hin oder her." Doch "dreambull" hat dafür kein Verständnis: "Erstaunlich nur, wie jemand, der stets Pflichtbewusstsein und Disziplin als höchste Tugend propagierte, sich nicht anders verhält und seine Sucht so erbärmlich öffentlich zur Schau stellt." Aber jenseits der Vorbildfunktion sieht "Lusitano55" noch einen anderen Grund, mit dem Ehepaar Schmidt nicht allzu streng zu verfahren: "Der Altkanzler und seine Gattin sind in einem Alter, wo man doch wohl über einiges hinweg sehen kann, oder? Das sage ich als Nichtraucher."

In der teilweise sehr hitzigen und emotionalen Debatte, ist es "freestyle", der den Kompromiss sucht. Obwohl er die Anzeige nicht befürwortet, schreibt er: "Es gibt nun leider mal die Ordnungswidrigkeit und auch er [Schmidt, die Red.] hat keinen Sonderstatus. Also Herr Altbundeskanzler: Setzen Sie sich bitte für Raucherlokale, Heizpilze etc. (also für Kompromisse) ein. Das bringt mehr, als das demonstrative Nichtbefolgen eines Gesetzes."

sh