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Schlag 12 - zu Sicherheitskontrollen am Frankfurter Flughafen Polizisten an die Plastikwannen


Am Flughafen Frankfurt offenbart sich eine gigantische Sicherheitslücke. Passagierkontrollen sind eine komplexe Angelegenheit und sollten von der Bundespolizei vorgenommen werden.
Von Silke Müller

Wer in ein Flugzeug steigt, besitzt entweder solides Gottvertrauen oder glaubt, wie vermutlich die Mehrheit der deutschen Fluggäste, an die Zuverlässigkeit von Ingenieuren, Luftfahrttechnikern und den unerbittlichen Blick der Bundespolizei. Uniformträger an Flughäfen signalisieren Sicherheit und eine Form von Überwachung, die an dieser Stelle nicht nur angebracht, sondern auch erwünscht ist.

Und nun das: Jeder zweite Versuch von EU-Prüfern, Waffen oder gefährliche Gegenstände durch die Personenkontrollen am Frankfurter Flughafen zu schleusen, war erfolgreich. Eine gigantische Sicherheitslücke tut sich da auf, wo jährlich allein in Frankfurt über 58 Millionen Menschen die Verantwortung für ihr Leben vorübergehend abgeben - an den Schleusen zwischen Himmel und Erde.

1302 Schusswaffen, 8055 Abwehr- und Betäubungssprays, 4033 Munitionsteile und Feuerwerkskörper wurden laut Jahresbericht 2013 an deutschen Flughäfen sichergestellt. Wenn wirklich nur jede zweite Waffe, jeder zweite gefährliche Gegenstand entdeckt wird, was reist dann täglich mit uns durch die Luft - und zu welchem Zweck?

160 Stunden Schulung

Das Vertrauen, das die Uniformierten am Ende der Durchleuchtungsgasse verströmen sollen, trügt: Mitte der neunziger Jahre wurden die Sicherheitskontrollen privatisiert. Die Bundespolizei übt vor Ort nur noch die Fachaufsicht aus. Die Kontrolleure selbst sind angelerntes Personal eines externen Dienstleisters. 160 Stunden Schulung und eine behördliche Prüfung reichen aus, um als beliehener Luftsicherheitsassistent den Schleusenwärter zu geben. Kein Vergleich also zum Anforderungsprofil eines Bundespolizisten. Aber dafür viel billiger. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Freizügigkeit und Mobilität sind Säulen unseres Selbstverständnisses, das Flugzeug ein erstklassiges Symbol dafür. Dass es so bleibt, wird immer teurer. Doch unter dem Diktat von Privatisierung und dem daraus resultierenden Gewinnstreben werden Abstriche gemacht. Diesmal ist es die Passagierkontrolle. Wo sonst noch gespart wird, fällt immer erst dann auf, wenn etwas passiert.

Lieb, aber auch teuer

Wer die westliche Welt in ihren Grundfesten erschüttern will, steuert Jets in Hochhäuser, entführt sie oder schießt sie ab. Gegen terroristische Akte gibt es keinen absoluten Schutz. Aber es ist die Aufgabe des Bundes, die Menschen so gut wie möglich davor zu bewahren. Und am Flughafen besteht die ganz konkrete Möglichkeit dazu: durch psychologisch und technisch geschulte Experten, die präzise hinsehen, peinlich genau kontrollieren und über ein Know-how verfügen, das dem der möglichen Täter nicht im geringsten hinterher hinken darf.

Mit vier Wochen Ausbildung kann man Yogalehrer, Barkeeper oder Make-up-Artist werden, inklusive Haistyling. Dazu ist weder ein polizeiliches Führungszeugnis noch ein Schulabschluss nötig. Von den Menschen, denen wir unser Leben vorübergehend anvertrauen, sollten wir mehr erwarten. Und ihre Dienste sollten uns nicht nur lieb, sondern auch teuer sein.

Stern-Reporterin Silke Müller findet Abheben schöner als Landen. Auf Twitter können Sie ihr unter @silkeundmueller folgen


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