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Silvana Koch-Mehrin: "Ich bin gegen das Ehegattensplitting"

FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin wünscht sich einen "neuen Feminismus". Dazu gehört für sie, dass sich die "Rabenmütter" endlich vereinigen. - Aber auch, dass das Ehegattensplitting gestrichen wird, weil es nur die Alleinverdiener-Ehe begünstigt.

Silvana Koch-Mehrin, Chefin der FDP-Fraktion und stellvertretende Vorsitzende der europäischen Liberalen im Europaparlament, hat die Abschaffung des Ehegattensplittings gefordert. "Dafür sollte meine Partei nicht länger stehen", sagte sie in einem großen Interview dem stern. Die Europapolitikerin weiter: "Ich bin ganz klar gegen das Ehegattensplitting, weil es die Alleinverdiener-Ehe, auch die ohne Kinder, einseitig begünstigt."

"Das war mal gut gemeint"

Außerdem wandte sich Koch-Mehrin im stern gegen die dreijährige Elternzeit: "Das war mal gut gemeint, hat sich für die Frauen aber als Nachteil erwiesen. Für einen Betrieb sind drei Jahre eine sehr lange Zeit. Außerdem werden dadurch generell Frauen im gebärfähigen Alter zum betriebswirtschaftlichen Risiko und bei Einstellung und Karriere benachteiligt."

Die FDP-Politikerin wünscht sich eine stärkere Beteiligung der Männer an der Kleinkindbetreuung: "Man sollte mit Radikalforderungen an die Männer rangehen. Entweder gehen Mann und Frau in Elternzeit – oder keiner."

Zeit für einen "neuen Feminismus"

Im Interview sprach sich Koch-Mehrin auch für eine Frauenquote in politischen Gremien aus, "damit sich endlich etwas ändert in diesem Land". Die Mutter zweier Töchter will "einen neuen Feminismus mit den Männern und für die Männer". Männer dürften nicht mehr benachteiligt werden, wenn sie Kinder genauso ernst nähmen wie ihre Karriere; Frauen wiederum sollten nicht stigmatisiert werden, wenn sie ihre kleinen Kinder in Fremdbetreuung geben, um weiter arbeiten zu können: "Für das Recht auf Kind und Job müssen Frauen kämpfen. Wir brauchen eine Rabenmütter-Bewegung", so Koch-Mehrin.

Angesichts jüngster Äußerungen des katholischen Bischofs Mixa und anderer glaubt die FDP-Politikerin: "Das entscheidende Gefecht um die Geschlechterfrage ist entbrannt."

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