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stern-Umfrage: Wähler stehen auf Große Koalition

Für viele Abgeordnete von SPD und CDU ist die Große Koalition das Grauen. Für die Bürger nicht: Sie wünschen sich eine Fortsetzung des Bündnisses. Das belegt die Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Wer den Kanzler stellen würde, ist klar - die Union erreicht mit 38 Prozent ihr Jahreshoch.

Die Opposition müht sich redlich und brandmarkt die Große Koalition immer wieder als "Koalition des Stillstands". Die Bürger denken anders: Unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise wünschen sie sich eine Fortsetzung des Bündnisses nach den Bundestagswahlen 2009. Das belegt die Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Demnach wollen 46 Prozent der CDU-Wähler und 66 Prozent der SPD-Wähler, dass die Große Koalition in die nächste Runde geht. Bei der Gesamtheit der Wähler sind es 37 Prozent, 30 Prozent sind dagegen. Alle anderen Koalitionen, die die CDU eingehen könnte, haben weit geringere Sympathiewerte. Nur 18 Prozent der Bürger wollen ein schwarz-gelbes Bündnis, 6 Prozent eine Jamaika-Koalition, 3 Prozent sind für Schwarz-Grün.

Dem Göttinger Politikwissenschaftler Peter Lösche zufolge verdankt die Große Koalition ihr Ansehen einigen populären Wunschvorstellungen. Zum Beispiel der Idee, dass eine Große Koalition auch Großes schaffen könne. Oder dem Wunsch, dass das Parteiengezänk in einer solchen Konstellation aufhören würde. "Das liegt nicht zuletzt an unserer politischen Kultur, die harmoniesüchtig ist", sagt Lösche im "Café Einstein", dem Web-TV-Interview von stern.de. Große Koalitionen seien bei den Wählern schon immer beliebt gewesen.

Leichte Schwäche bei Merkel

Wer die Führung in einer zweiten Großen Koalition hätte, ist klar. Auf die "Sonntagsfrage", welche Partei sie jetzt wählen würden, votierten 38 Prozent für die Union - das Jahreshoch für CDU und CSU. Die SPD verharrt weiterhin bei 23 Prozent, die FDP fällt von 13 auf 11 Prozent. Die Grünen würden 11 Prozent kassieren, die Linkspartei 12 Prozent. Dass die CDU so gut abschneidet, findet Politologe Lösche "erstaunlich": "Irgendwie hat man nicht gemerkt, dass der Krach bei der CDU mindestens so laut ist wie bei der SPD."

Eine leichte Schwäche zeigt die CDU nur bei den Umfragewerten ihrer Chefin Angela Merkel. Könnten die Bürger den Kanzler direkt wählen, würden sich 50 Prozent für Angela Merkel entscheiden - zwei Prozent weniger als vor einer Woche. Für den SPD-Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier würden 23 Prozent stimmen. "Die großartigen Inszenierungen auf internationaler Bühne waren geeignet, eine souveräne Kanzlerin zu zeigen", sagt Peter Lösche. "Aber jetzt wird es ernst und da sackt natürlich jeder ab, der im Rampenlicht steht." Lösche hält es für möglich, dass Merkel in den kommenden Monaten noch weiter verliert. "Es bleibt abzuwarten, wem die Verantwortung zugeschrieben wird für die Rezession, vor der wir stehen. Da könnte es durchaus passieren, dass die exponierte Stellung von Frau Merkel negativ wirkt, dass man ihr die Verantwortung gibt."

Kein Krawall auf CDU-Parteitag

Dass Angela Merkel der anhaltende parteiinterne Streit um die Wirtschaftspolitik auf dem CDU-Parteitag kommende Woche um die Ohren fliegen könnte, hält Lösche für unwahrscheinlich. "Es wird ziemlich grummeln und rumpeln", sagt er zu stern.de, "aber zum großen Konflikt wird es kaum kommen. Der Leitantrag - da wird es um Steuersenkungen gehen - wird so formuliert sein, dass drei bis vier Hintertürchen drin sind." Also müsse sich die Partei gar nicht so genau festlegen. Das werde Merkel in ihrer Rede argumentativ auffangen - mit dem Hinweis, dass man ja noch viel mehr tuen könnte, wenn, ja wenn es nicht diese leidige Koalition mit der SPD gäbe.