STICHWORT BSE - Eine tödliche Hirnkrankheit bei Rindern


Die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE), auch Rinderwahnsinn genannt, ist eine tödliche schwammartige Hirnkrankheit bei Rindern. Sie gehört zu den transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE). 1986 wurde BSE erstmals bei Rindern in Großbritannien als eigenständige Krankheit beschrieben. Am 26. November 2000 wurde erstmals bei einem in Deutschland geborenen Rind BSE bestätigt.

Immer noch kaum Erkenntnisse

15 Jahre nach dem ersten dokumentierten Fall ist noch immer sehr wenig über die Krankheit bekannt. Unter Wissenschaftlern gilt heute ein Eiweißbaustein aus rund 250 Aminosäuren, das Prion, als Erreger. Dessen wesentlicher Bestandteil ist das so genannte Prionprotein. In seiner normalen, körpereigenen Form ist es ein harmloses, lösliches Protein. Aus noch ungeklärter Ursache können daraus jedoch krankhafte Prionproteine entstehen. Diese können sich ungestört vermehren und bilden schließlich regelrechte Klumpen, die sich im Hirngewebe sammeln und dessen Funktion zunehmend beeinträchtigen.

Das deformierte Prion widersteht einer Vielzahl von Desinfektions- und Sterilisationsverfahren. Abgetötet wird es nach heutigem Kenntnisstand erst bei einer Erhitzung auf über 133 Grad Celsius bei einem Druck von drei Bar. Als Hauptursache für die Übertragung der Krankheit gilt daher die Verfütterung von ungenügend erhitztem Tiermehl, das Hirn, Augen oder Rückenmark von infizierten Tieren enthielt. Zunächst handelte es sich dabei um an Scrapie erkrankte Schafe, später um Rinder mit BSE.

Infektionsursache »Milchaustauschfutter«?

Bei den in Deutschland aufgetretenen BSE-Fällen könnte die Infektion auf Milchaustauschfutter zurückzuführen sein, bei dem zugemischte sonstige tierische Eiweiße oder Fett aus Tierkörperbeseitigungsanstalten ursächlich sein könnten. Mittlerweile liegen auch Hinweise dafür vor, dass bei BSE eine Übertragung vom Muttertier auf das Kalb stattfinden kann. Bei Kontakten zwischen kranken und gesunden Tieren kommt es nach derzeitigem Wissensstand nicht zu einer Übertragung.

Für BSE gibt es weder eine Schutzimpfung noch Behandlungsmöglichkeiten. Die typischen Symptome sind Änderungen im Verhalten, Störungen in der Bewegung und Überempfindlichkeit gegen Licht, Lärm oder Berührungen. Frühe Zeichen können Milchrückgang oder Gewichtsverlust sein. Da nicht alle Tiere gleich auf eine Prioneninfektion reagieren, können vor allem im Anfangsstadium der Krankheit die Symptome übersehen oder falsch interpretiert werden. Eine sichere Diagnose kann erst nach dem Tod auf Grund der Untersuchung von Hirnmaterial gestellt werden. Einen sicheren Test am lebenden Tier gibt es bisher nicht.

Betroffen sind vor allem jüngere Menschen

Zu den TSE gehört unter anderem auch die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) des Menschen. 1995 trat in Großbritannien, wo auch verhältnismäßig viele BSE-Fälle registriert sind, eine neue Variante von CJK auf, an der bisher mindestens 88 Menschen starben. Sie verläuft oft langsamer und weist ein anderes klinisches Bild auf als die klassische Variante. Betroffen sind vor allem jüngere Menschen. Alleine in Großbritannien wurden bislang 100 Fälle diagnostiziert. Da bekannt ist, dass BSE über die Nahrungsaufnahme übertragen wird, liegt der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen BSE und der neuen CJK-Variante nahe. Die Bundesregierung will in den kommenden Jahren jährlich bis zu 27 Millionen Mark für die TSE-Forschung zur Verfügung stellen.


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