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Senioren auf dem Vormarsch: 90 ist das neue 70

Laut Studien werden die Deutschen immer älter, immer fitter, immer schlauer. Doch wie sieht es im Leben der Generation 65+ wirklich aus? Ein Faktencheck.

Von Gesa Steeger

Den Senioren in Deutschland geht es gut

Den Senioren in Deutschland geht es gut

Die Grauhaarigen übernehmen Deutschland. Das zeigt der Bericht zur Situation der Generation 65+ des Statistischen Bundesamtes, der an diesem Dienstag  vorgestellt wurde. Rund 81 Millionen Menschen leben in der Bundesrepublik. Davon ist bereits etwa jeder Fünfte über 65 Jahre alt. 2060 sogar schon jeder Dritte. Deutschland wird also bald ein Land der Greise sein. Greise, die fit sind, die immer älter werden und die sich nicht darum scheren, was altersgerecht ist und was nicht. Das Motto dieser Generation: 90 ist das neue 70.

Das gilt zumindest für die Frauen. Ihre Lebenserwartung übersteigt die der Männer um gut drei Jahre. 65-jährigen Männern bleiben noch etwa 17 Jahre und 6 Monate, Frauen dagegen 20 Jahre und neun Monate. Frauen bleiben also oft alleine zurück. Im Jahre 2014 lebte rund ein Drittel der Generation 65+ in einem Einpersonenhaushalt. Der Anteil der Frauen, die allein leben, liegt bei 45 Prozent. Bei den Männern sind es nur 19 Prozent. 

500.000 Rentner in Altersarmut

Je älter die Frauen, desto öfter leben sie alleine. Viele haben ihr Leben in der klassischen Rollenverteilung verbracht. Sie zogen die Kinder groß, der Mann kümmerte sich ums Geld. 

Das zeigt sich auch in den Renten. Nur 71 Prozent der heutigen Seniorinnen finanziert sich durch ihre eigene Rente. Bei den Männern sind es dagegen 90 Prozent.

Weil das Geld immer häufiger nicht reicht, muss der Staat einspringen. Die Zahl der Menschen, die sich im Alter finanziell nicht selbst versorgen können steigt. Ende 2013 bezogen rund 500.000 Menschen der Generation 65+ Sozialleistungen. Fast doppelt so viele wie im Jahr 2003. Weil ihre Renten kleiner sind, trifft die Armut im Alter oft die zurückgebliebenen Frauen. 

Jeden Tag 2,5 Stunden fernsehen

Ist genug Geld da, wird es ausgegeben. Für Reisen, die Enkel oder die eigene Bildung. 14.200 Rentner saßen im Wintersemester 2014/2015 in den Hörsälen der deutschen Universitäten. Tendenz steigend. Beliebteste Studienfächer: Geschichte und Philosophie. Auch die Volkshochschulen werden von den fitten SeniorInnen gern frequentiert. Besonders beliebt und wenig überraschend: Kurse zum Thema Gesundheit. Ist die Weiterbildung abgeschlossen, wird entspannt. Vor dem Fernseher. 18,5 Stunden verbringt die Generation 65+ in der Woche vor der Kiste. Ist die aus, wird gelesen. Rund 6 Stunden die Woche. 

Gelesen wird aber nicht nur auf Papier, sondern auch online. Im Jahr 2014 nutzten 57 Prozent der SeniorInnen einen Computer. Davon surfen immerhin 45 Prozent regelmäßig im Internet. Beliebtestes Tool der Generation 65+: der stationäre PC. Die Generation 65+ hält sich aber nicht nur geistig fit. Sondern auch körperlich. Befragt nach der eigenen Gesundheit gaben mehr als drei Viertel der über 65-Jährigen an, sich gesund zu fühlen. Gute Aussichten also für all diejenigen, die sich bald zur grauhaarigen Mehrheit zählen dürfen. Für alle anderen heißt es: Abwarten. Die grauen Haare kommen bestimmt.