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Studienergebnis Viele Deutsch-Türken zieht es zurück in die Heimat


Knapp die Hälfte aller Deutsch-Türken hat laut einer Umfrage weniger starke Heimatgefühle für die Bundesrepublik als noch vor drei Jahren. Viele überlegen deshalb, in die Türkei zurückzukehren.

Wie eine repräsentative Umfrage ergab, wollen 45 Prozent der Türken in Deutschland zurück in ihre Heimat - 62 Prozent sagen, dass sie am liebsten mit Türken zusammen sind. Die Ergebnisse der Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut Info in Auftrag gegeben worden war, wurde am Freitag in Berlin gestellt. Demnach spielen traditionelle und religiöse Werte für türkischstämmige Menschen in Deutschland eine zunehmend wichtige Rolle. 55 Prozent der Türken in Deutschland wünschen sich den Bau von mehr Moscheen, 39 Prozent bezeichnen sich als streng religiös.

Für die Studie wurden in diesem Sommer mehr als 1000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund im gesamten Bundesgebiet befragt. Die Untersuchung zum Thema deutsch-türkische Lebens- und Wertewelten ist die dritte ihrer Art, die die Berliner Info GmbH und das Meinungsforschungsinstitut Liljeberg Research mit Sitz im türkischen Antalya seit 2009 vorgelegt haben.

Der Umfrage zufolge leben zwar 39 Prozent der Türkischstämmigen schon seit mindestens 30 Jahren in Deutschland. Dennoch betrachten nur noch 15 Prozent Deutschland eher als ihre Heimat als die Türkei. 2009 waren dies noch 21 Prozent, 2010 immerhin noch 18 Prozent.

"Heimataspekt" als wichtigster Grund für Rückkehr

Als Gründe für eine angestrebte Rückkehr in die Türkei nannten viele Türkischstämmige den Heimataspekt, das Genießen des Ruhestandes und das bessere Wetter dort. Immerhin zehn Prozent gaben aber als Grund an, dass sie mit Deutschland und den Deutschen nicht zurechtkommen. Von den 45 Prozent Rückkehrwilligen planen aber nur fünf Prozent eine Heimkehr in den nächste zwei Jahren und weitere zwölf Prozent in den nächsten zehn Jahren. Die häufigsten Rückkehrabsichten finden sich mit 55 Prozent in der Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren. 2009 wollten noch 42 der Befragten in die Türkei zurückkehren.

Die umstrittenene Verteilung von Gratis-Koranen in deutscher Sprache befürworteten vor allem junge Türkischstämmige: 63 Prozent der 15- bis 29-Jährigen finden die Aktion "Lies" sehr gut oder eher gut. "Dies könnte auf eine verstärkte Rückbesinnung gerade der jungen Generation auf religiöse Werte der Heimat ihrer Eltern zurückzuführen sein - ohne dass sich daraus bereits ein unmittelbarer Trend zum politischen Islamismus ableiten ließe", erläuterte der Info-Geschäftsführer Holger Liljeberg. Dagegen sprachen sich knapp 70 Prozent der über 50-Jährigen gegen die Koranverteilung aus.

Der Studie zufolge ist die überwiegende Mehrheit der Türken in Deutschland weiter davon überzeugt, dass es richtig war, in die Bundesrepublik zu kommen - und dass es in Deutschland jeder, unabhängig von der Herkunft, zu etwas bringen kann. Für 84 Prozent ist demnach auch klar, dass dabei nur die deutsche Sprache zum Erfolg führen kann. Im Jahr 2010 waren dies noch 89 Prozent.

Auffallend zugenommen haben den Autoren der Untersuchung zufolge der Integrationswille sowie der unbedingte Wunsch, ohne Abstriche zur deutschen Gesellschaft dazuzugehören. Zugleich meinen aber auch 87 Prozent, dass die deutsche Gesellschaft stärker auf die Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen sollte. Offenbar beziehe sich der gestiegene Integrations- und Zugehörigkeitswille vor diesem Hintergrund eher auf die anerkannte Vorzüge Deutschlands insgesamt, schlussfolgerten die Meinungsforscher.

joe/AFP AFP

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