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Täuschungsvorwurf gegen Christian Wulff Präsident in der Grauzone


Immer wieder verirrt sich Christian Wulff im Grenzgebiet des politisch korrekten Verhaltens. Der Bundespräsident schadet so sich selbst - und, viel schlimmer, dem Amt.
Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Wie lange braucht Christian Wulff denn noch, bis er begreift, dass man sich in hohen Staatsämtern nach strengen Spielregeln bewegen muss? Ob als Ministerpräsident mit einem Jahresgehalt von 152.400 Euro oder gar als Bundespräsident mit monatlich 22.848 Euro brutto, und das 14 Mal im Jahr plus lebenslanger Gehaltszahlung.

Die Frage, warum Wulff sich zur Schonung seines Portemonnaies in Grauzonen des politisch korrekten Verhaltens begibt und Fragen über politisch korrektes Verhalten provoziert, stellt sich schließlich nicht zum ersten Mal. Mal fliegt er nach Mallorca, um in der Villa des Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer in First-Class-Umgebung zu urlauben. Mal lässt er sich als Ministerpräsident auf dem Flug nach Florida eine kostenlose Hochstufung in der Flugklasse verpassen, um dort im luxuriösen Anwesen eines anderen niedersächsischen Unternehmers den Urlaub zu verbringen.

Privates Darlehen zu Sonderkonditionen

Und jetzt kommt heraus, dass die Ehefrau dieses Unternehmers Egon Geerkens Wulff außerdem sehr zinsgünstig ein Darlehen gewährt hat, um den Erwerb eines privaten Hauses nahe Hannover zu finanzieren. Die Darlehenssumme von 500.000 Euro übertraf den Kaufpreis des Hauses von 415.000 Euro deutlich, kostete nur vier Prozent Zinsen – und damit rund ein Prozent weniger als damals üblich – und er musste nicht einmal den Grundschuldbrief an den Kreditgeber abliefern.

Ein gutes Geschäft, das ein Ministerpräsident nicht annehmen darf, will er nicht in den Ruch der politischen Käuflichkeit gelangen. Dadurch, dass er ihn angenommen hat, provoziert Wulff Fragen. Etwa: War Geerkens deshalb auf politische Reisen des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten dabei, weil er ihm, Wulff, so angenehm zu Diensten war?

Dezentes Dankeschön für den Wohltäter

War es ein dezentes Dankeschön für die Sorge des Unternehmers Geerkens um das materielle Wohlergehen der Familie Wulff, dass er dann auch noch zum Sommerfest des Bundespräsidenten in den Amtssitz Schloss Bellevue eingeladen wurde? Ganz nach der urschwäbischen Weisheit: Ein Händle wäscht das andere Händle?

Zwar werden mittlerweile in dieser Republik die Tugenden der schwäbischen Hausfrau selbst von der Kanzlerin fast tagtäglich beschworen. Aber bei unserem Staatsoberhaupt erwarten wir, wenn schon, denn schon, die Tugenden und das Rückgrat eines Bundespräsidenten Theodor Heuss. Wegen finanzieller Schnäppchen kam der nie ins Gerede.

Wulff muss endlich besser darauf achten, dass er sich nicht immer wieder in Grauzonen verirrt. Sonst wird er den Vorwurf nicht los, er sei eben zu jung und mit zu wenig charakterlicher Standfestigkeit in das Staatsamt gekommen – und nur deshalb, weil er sich von Angela Merkel dorthin habe abschieben lassen.


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