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Neuer AfD-Chef: Tino Chrupalla entlarvt sich im Interview mit einem ZDF-Journalisten selbst

Tino Chrupalla wurde auf dem AfD-Parteitag zum neuen Vorsitzenden gewählt – auch vom radikalen "Flügel" um Björn Höcke. Dass er dem extremen Gedankengut nicht abgeneigt ist, entlarvte er unfreiwillig in einem Interview mit ZDF-Journalist Theo Koll. 

Tino Chrupalla wurde zum AfD-Bundesvorsitzenden gewählt

Der Jubel im sächsischen Block auf dem AfD-Bundesparteitag ist groß: Unternehmer Tino Chrupalla aus Sachsen wird zusammen mit Jörg Meuthen die Führung der AfD übernehmen. Unterstützung erhielt Chrupalla auch vom radikalen "Flügel" um Björn Höcke. Ein Problem sieht der neue AfD-Chef darin jedoch nicht.

Und dass er dem extremen Gedankengut der Höcke-Anhänger selbst nicht abgeneigt ist, offenbarte er in einem Interview in der ZDF-Sendung "Berlin direkt": "Wir haben mehrere Strömungen in der Partei, dazu gehört auch der Flügel", sagte er im Hinblick auf die Radikalen. Wer als Parteichef gewählt werden wolle, müsse auch "lagerübergreifend Positionen vertreten können", sagt er.

Videoaufnahmen bringen Chrupalla ins Schlingern

Auch die drastische Sprache des radikalen Flügels empfindet Chrupalla - entgegen seinen Beteuerungen auf dem Parteitag - gar nicht als problematisch, etwa den Begriff "Umvolkung." Im Interview mit dem ZDF-Journalisten Theo Koll leugnet er zunächst, diesen Begriff selbst benutzt zu haben. Als Koll ihm jedoch vorhält, über Videomaterial zu verfügen, das genau dies belegt, erwidert der neue AfD-Chef, er halte "den Begriff 'Umvolkung' nicht für rechtsextrem". 

Das will der Journalist so nicht stehen lassen. "Der Verfassungsschutzbericht sagt: 'Das ist Sprache der Nationalsozialisten", entgegnet Koll auf Chrupallas Behauptung. Dieser versucht, mit einem Vorwurf in Richtung des Verfassungsschutzes das Thema zu wechseln. "Wir wissen alle, dass der Verfassungsschutz in Deutschland politisch agiert, um die größte Oppositionspartei zu schädigen und zu diffamieren", erklärt der Malermeister aus Ostsachsen. 

Doch Koll lässt nicht locker. "Es ist auch historisch ein absolut verankerter Begriff in der nationalsozialistischen völkischen Sprache", gibt er zu bedenken. "Hm", weiß Chrupalla nur zu erwidern und wiederholt stumpf seinen Vorwurf an den Verfassungsschutz. "War es Ihnen nicht klar, was das für ein Begriff ist oder haben Sie ihn bewusst gesetzt?", hakt der Fernsehjournalist weiter nach. "Ich habe ihn nicht bewusst gesetzt", antwortet der frischgebackene AfD-Vorsitzende und gibt somit zumindest seine Unwissenheit zu. 

Zuschauer feiern Theo Koll 

Koll führt daraufhin ein zweites Beispiel von äußerst unangebrachtem Sprachgebrauch in der AfD auf. Auf einer Veranstaltung im März 2018, auf der auch Chrupalla anwesend war, bezeichnete ein Teilnehmer verurteile Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieges als "Jungs, die am Galgen in Nürnberg geendet sind."

"Der Verherrlichung der Nationalsozialisten widersprechen Sie da nicht mit allen Mitteln", hält Koll Chrupalla vor. "Ich habe dem sehr wohl widersprochen", antwortet der AfD-Politiker. Videomaterial von der Veranstaltung, das das ZDF einspielt, straft ihn jedoch Lügen. Es zeigt, wie Chrupalla den Ausführungen des Mannes "zum Teil recht gibt", wie er selbst sagt. Doch Chrupalla leugnet im Interview weiter. 

Angesichts des sturen Verhaltens weiß auch Koll nichts mehr zu sagen. "Das sagt Tino Chrupalla, der mit der Unterstützung des rechtsnationalen Flügels zum neuen AfD-Bundesvorsitzenden gewählt wurde", schließt der Journalist das Interview ab.

Die Zuschauer feiern Koll für sein unnachgiebiges Nachfragen. "Danke für die geradlinige Gesprächsführung. Wäre gutes Lernvideo für viele Journalisten", schreibt ein Nutzer auf Twitter. 

"Knallhart nachgefragt, gute Arbeit Theo Koll", kommentiert ein anderer. "Einfach immer wieder erschreckend zu sehen, was für eine Partei da bis in den Bundestag gewählt worden ist. Großen Respekt vor #TheoKoll für dieses Interview", twittert ein weiterer Zuschauer. "Herrlich wie Theo Koll den intellektuell auffällig unauffälligen Vertreter der AfD in seine Schranken weist!", freut sich ein anderer. 

ivi