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TV-Managerin: Wulff lügt Ex-Präsident und sein Sprecher vertrauten sich "100-prozentig"


Ex-Präsident Wulff will nichts von Glaesekers Sponsorenwerbung gewusst haben. Das empört TV-Managerin Kraft. "Da gab es keine Geheimnisse", sagt sie - und will das vor Gericht bestätigen.

Ex-Bundespräsident Christian Wulff in Erklärungsnot: Mit der TV-Managerin Edda Kraft hat sich erstmals eine Zeugin bereit erklärt, vor Gericht für seinen Ex-Sprecher Olaf Glaeseker und gegen Wulff auszusagen. Die frühere Unterhaltungschefin des Fernsehsender Sat.1 kennt Wulff und Glaeseker seit Langem: "Es war eine ganz besondere Beziehung zwischen den beiden, die weit über das übliche Arbeitsverhältnis zwischen einem Politiker und seinem Sprecher hinausging", sagte sie der "Bild am Sonntag". Wulff habe Glaeseker zu Recht "100-prozentig" vertraut: "Da gab es keine Geheimnisse. Ich habe miterlebt, wie sie sogar im Urlaub ständig simsten und telefonierten."


Kraft kennt auch Manfred Schmidt gut. Der Event-Veranstalter organisierte die umstrittenen Nord-Süd-Dialoge. In dessen spanischem Haus soll Glaeseker umsonst Urlaube verbracht haben. Die Staatsanwälte gehen dem Verdacht nach, ob diese Gratis-Ferien eine Gegenleistung für Glaesekers Sponsoren-Akquise für den Nord-Süd-Dialog gewesen sein sollen. Wulff beteuerte gegenüber den Ermittlern, dass er weder von Glaesekers aktiver Rolle bei den Nord-Süd-Dialogen noch von dessen Gratis-Aufenthalten auf dem spanischen Schmidt-Anwesen etwas gewusst haben will.

Edda Kraft zur "BamS": "Christian Wulff war selber mit Manfred Schmidt befreundet. Natürlich wollte er als Schirmherr den Nord-Süd-Dialog zum Erfolg führen. Er war mit Sicherheit informiert und hat Olaf Glaeseker die Koordinierung des Events überlassen." Daneben müsse Wulff von den Aufenthalten in Spanien gewusst haben: "Wulffs Ex-Frau Christiane und seine damals minderjährige Tochter Annalena waren mehrfach mit dem Ehepaar Glaeseker bei Schmidt und haben dort Urlaub gemacht. Getrennt lebende Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht sprechen Ferienzeiten und Urlaubsziele ab." Für Edda Kraft ist klar: "Wenn Wulff behauptet, er hätte von alledem, was Glaeseker gemacht hat, nichts gewusst, dann kann das nicht der Wahrheit entsprechen."

Laut "BamS" haben die Staatsanwälte in Hannover inzwischen eigene Erkenntnisse darüber, dass Wulff in die Sponsoren-Akquise beim Nord-Süd-Dialog offenbar direkt eingebunden war. So wurden mehrere Teilnehmer eines Abendessens vom 14. Oktober 2009 in Hannover vernommen, bei der Wulff eine Rede gehalten hatte. Der Chef des Flughafens Hannover, Raoul Hille, erklärte in seiner Vernehmung: Das Ziel dieser Veranstaltung sei das Werben weiterer Sponsoren für den bevorstehenden Nord-Süd-Dialog gewesen. Dieses Anliegen, so Hille weiter, sei im Rahmen der Ansprache durch Wulff deutlich geworden.

lk

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