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Ulla Schmidt: Was ein Minister mit dem Dienstwagen darf

Ulla Schmidt hat ihren Dienstwagen im Urlaub genutzt - auch privat. Aber was dürfen Minister mit ihren Dienstwagen machen? Wie werden private Fahrten abgerechnet? Was kostet es den Steuerzahler? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Fall Schmidt.

Von Johan Kornder

Nach dem Diebstahl ihres Dienstwagens in ihrem spanischen Urlaubsort Alicante ist Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in die Kritik geraten. Vertreter von Verbänden und der Opposition forderten von der Bundesministerin eine lückenlose Aufklärung des Sachverhalts. Ihr Ministerium wies in den Eindruck zurück, Schmidt habe sich unkorrekt verhalten. Sie habe einen Anspruch auf einen Dienstwagen, private Fahrten würden dabei privat abgerechnet.

Schmidt bezeichnete die Vorwürfe als "Theater im Sommerloch". Der Dienstwagen stehe ihr, "auch aus Sicherheitsgründen, jederzeit zur Verfügung", sagte sie der "Aachener Zeitung" in ihrem Wahlkreis Aachen. "Und wie jeder, der einen Dienstwagen hat, kann ich damit auch private Fahrten machen." Diese rechne sie privat ab und versteuere sie entsprechend. "Es gibt keinen Skandal. Denn es ist wirtschaftlicher, wenn ich meinen Dienstfahrzeug nutze, als einen Dienstwagen inklusive Fahrer hier zu mieten", sagte Schmidt.

Aber was darf eine Ministerin mit dem Dienstwagen? Wie werden private Fahrten abgerechnet? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Durfte Ulla Schmidt ihren Dienstwagen im Urlaub auch privat nutzen?

Ja, das durfte sie. Der Gesundheitsministerin steht wie allen Mitgliedern des Bundeskabinetts ständig ein Dienstwagen für dienstliche und private Nutzung mit Fahrer zur Verfügung. Innerhalb Deutschlands sind auch private Fahrten gratis. Privatfahrten über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus müssen bezahlt werden. Der Betrag errechnet sich über die Fahrkilometern und die Personalkosten für den Fahrer. Berechnet wird die Strecke vom Ausgangsort bis zum Zielort einschließlich Leerfahrten. Außerdem müssen die Minister die Kosten der Unterbringung des Fahrzeuges während der Nutzung tragen und die Reisekosten des Fahrers erstatten.

Was kostet eine gepanzerte Limousine, wenn sie von Ministern privat genutzt wird?

Für den Fahrer fällt laut Finanzministerium ein Stundenlohn von 29 Euro an. Dazu müssen die Kilometer bezahlt werden. Bei einem Fahrzeug bis 2000ccm kostet ein Kilometer 0,28 Euro, zwischen 2000 ccm und 2500 ccm 0,35 Euro und bei schwerem Gerät ab 2500 ccm kostet ein Kilometer 0,50 Euro. Ulla Schmidts Dienst-Mercedes S 420 CDI hat einen Hubraum von 3996 ccm.

Zahlen im Fall Ulla Schmidt die Steuerzahler die Kosten für die 5000 gefahrenen Kilometer?

Ja, denn Ulla Schmidt ist mit dem Flugzeug auf eigene Kosten angereist und hat dann den Wagen zur dienstlichen Nutzung geordert. Genutzt hat sie den Wagen dann aber auch privat. Private Fahrten muss sie natürlich auch privat abrechnen. Die Spritkosten für Hin- und Rückfahrt beliefen sich auf rund 500 Euro, dies entspreche der Tagesmiete für ein vergleichbares Leihfahrzeug. Allerdings fallen zusätzlich auch die Kosten für die Unterbringung des Fahrers in Spanien an, zu denen das Ministerium keine Angaben machte.

Ulla Schmidt hat sich also korrekt verhalten?

Nach Darstellung einer Ministeriumssprecherin nahm Schmidt ihren Dienstwagen an ihrem spanischen Urlaubsort Alicante korrekt nach den entsprechenden Richtlinien in Anspruch. Grundsätzlich stehe einem Minister oder einer Ministerin ständig ein Dienstfahrzeug zur Verfügung. Von daher sei es "nicht entscheidend, ob die Ministerin einen, fünf oder ein Dutzend" dienstliche Termine wahrnehme. Die Ministerin hat sich also nach derzeitigem Informationsstand formal nichts zu Schulden kommen lassen. Moralisch und wirtschaftlich gesehen ist der Fall natürlich ein anderer.

Welche Veranstaltungen hat sie dienstlich besucht?

Die Sprecherin des Gesundheitsministeriums sprach von zwei dienstlichen Terminen. In ihrem Urlaubsort Denia wurde sie vom Bürgermeister empfangen und an diesem Montag sollte sie im Kulturhaus Els Poblets "über die aktuelle Situation der ausländischen Residenten in Bezug auf das Gesundheitswesen und die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Deutschen in Spanien" referieren, so die Sprecherin. Der Ort Els Poblets liegt etwas mehr als acht Kilometer von Denia entfernt.