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Und jetzt ... Django Asül: Die vereinigten Schuldenstaaten von Amerika

Die USA sind fast pleite, die Konjunktur liegt am Boden. Na und? Alles halb so wild. Das Schuldendesaster der Vereinigten Staaten ist die Chance auf eine friedlichere, demokratischere und buntere Welt.

Eine satirische Milchmädchenrechnung von Django Asül

Wieso geht es eigentlich nur noch ums Geld? Allzu schnell wird vergessen, dass Geld eigentlich nur Mittel zum Zweck ist und ansonsten wertlos. Wer mit einem vollen Geldkoffer im Supermarkt vor leeren Regalen steht, wird weniger zufrieden heimgehen als jener, der mit halbvollem Koffer halbleere Regale vorfindet. Und wenn mal das Geld ausgeht, wird neues gedruckt. Hochwertige Kopierer wurden ja nicht für KT zu Guttenberg entwickelt, sondern zum Wohle der Menschheit. Dieses Wohl wiederum ist dem engagierten Auftreten der USA seit circa 100 Jahren zu verdanken. Und deshalb wird es verdammt nochmal Zeit für eine Ode auf Amerika. Denn dieser schnuckelige Großstaat zwischen Atlantik und Pazifik ist derzeit zu sehr im Visier von Kleingeistern, deren Wertekompass zu sehr vom monetären Denken eingeengt wird. Der Vorwurf lautet unisono: Ein Land, dessen Schulden um 130 Milliarden Dollar pro Monat wachsen, ist kein Land, sondern ein heilloser Zustand. Wer so argumentiert, verachtet die Kraft der Emotionen.

Amerika ist nämlich statistisch gesehen für 73 Prozent der weltweiten Sehnsüchte zuständig. Der Drang nach Freiheit und Selbstverwirklichung allen Ortens basiert nach wie vor auf dem sogenannten American Dream.

Der Kommunismus fand nur deshalb sein Ende, weil immer mehr Menschen begriffen haben: Die Vorstellung, es vom mittellosen Tellerwäscher zum hochverschuldeten Millionär zu schaffen, ist realistisch, weil vom amerikanischen Staat glaubwürdig über Jahrzehnte vorgelebt.

Nicht Apple mit Birnen vergleichen

Von dieser Triebfeder ist im Moment leider nicht viel zu hören. Im Gegenteil. Jetzt heißt es stattdessen: Apple ist reicher als die US-Regierung. Diese Botschaft wurde diese Woche unter die Menschen gebracht. Warum eigentlich jetzt erst? Apple war doch schon immer reicher als die US-Regierung. Jede Firma, ja sogar jeder Mensch ist reicher als die US-Regierung. Amerika hat über 14 Billionen Dollar Schulden. Alles, was weniger Schulden hat, ist gemäß der Sojamilchmädchenrechnung frei nach Pythagoras reicher. Also sei es hier und jetzt an dieser Stelle korrekt verkündet: Apple hat mehr Barreserven als der amerikanische Staat. Apple ist innovativ und bringt Produkte, auf die die Welt angeblich wartet. Der US-Staatsapparat kann derartiges nicht aufweisen. Der Exportschlager der US-Regierung ist eigentlich nur Krieg. Das beherrschen die Amis einfach, wenn man Erfolg im Krieg nicht mit Sieg und Unterwerfung des Feindes gleichsetzt.

Aber gerade Länder, die von Amerika bombardiert und in Schutt und Asche gelegt wurden, bestechen durch eine gewisse Konsumlethargie. All die Zivilisten, die ihr Leben verloren haben bei dem wohlgemeinten amerikanischen Versuch, die Demokratie in die Herzen und Köpfe der einheimischen Bevölkerung zu schießen, fallen mittelfristig als Konsumenten aus. Da sorgt Apple via iPhone und iPad schon für ganz andere Stimmung. Mehr oder weniger alle Menschenrechtsorganisationen bestätigen, dass Apps weitaus weniger unangenehme Nebenwirkungen haben als friedenbringende Tretminen.

Makroökonomisch driften die Zielvorstellungen von Apple und den USA also diametral auseinander. Dieser klägliche Versuch, Apple mit Birnen zu vergleichen, ist somit nur eine VerAPPLEung der öffentlichen Meinung. Niemand käme auf die Idee, Siliziumcarbid zu verdammen, weil dessen Kaloriengehalt niedriger ist als bei Bananen. Wenn Apple also mehr Cash hat als die USA, sollte dies nicht nachteilig für den Staat interpretiert werden.

Griechenland ist überall!

Während beispielsweise in Deutschland keiner so recht weiß, wohin die irrsinnig hohen Steuereinnahmen fließen, haben die USA eine überschaubare Ausgabenstruktur, was schon auch auf eine gewisse Haushaltsdisziplin hindeutet. Seit dem Jahre 2000 erübrigt Amerika fast 1000 Milliarden pro Jahr für militärische Aktionen. Strenggenommen hat jeder irakische oder afghanische Bürger den US-Haushalt mehr Geld gekostet als ein US-Bürger. Wobei es eben keine Geldleistungen im herkömmlichen Sinne waren, sondern eher detonationale Zuwendungen. Kritikern sollte bewusst sein, dass die EU mehr und mehr diese Etatphilosophie übernimmt. Anstatt einen unübersichtlichen Ausgabenkatalog zu schaffen, hat die EU nun einfach einen soliden Rettungsschirm installiert, der aktuell 1500 Milliarden Euro umfasst und in den kommenden sieben Jahren alle sechs Monate verdoppelt werden soll. Und wer will schon allen Ernstes behaupten, Frau Merkel und Herr Sarkozy würden dem zustimmen, wenn es nicht zu einer gesunden Wirtschaftsordnung im Euroraum beitragen würde?

Als zusätzlich besorgniserregend bezeichnen die Finanz-Auguren die stagnierende US-Konjunktur. Damit machen sie sich aber vollends lächerlich. Der gesunde Menschenverstand weiß: Stagnation ist der echte Beweis, dass ein Land nicht mehr auf Pump und Teufel komm raus konsumiert. Was haben denn Volkswirtschaftler und Analysten erwartet? Dass die Wirtschaft boomt, wenn das Volk die Kreditkarten nicht mehr zum Glühen bringt? Der Amerikaner hat verstanden, dass er sich zurückhalten und mäßigen muss. Und überlässt das Schuldenmachen generös dem Staat, um seinen Respekt vor der wirtschaftlichen Gewaltenteilung zu manifestieren. Amerika ist der lebende, wenn auch siechende Beweis: Griechenland ist überall! Das stimmt zuversichtlich, gilt doch Griechenland als die Wiege der Demokratie. In diesem Sinne: Weiter so!