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Und jetzt ... Django Asül Frau Guttenberg auf der Jagd


Gestern scheuchte sie Pädophile durch die Öffentlichkeit, nun knöpft sie sich Talibanesen vor: Stephanie zu Guttenberg ist Deutschlands Chefjägerin.
Ein satirischer Reisebericht von Django Asül

Die Hammermeldung respektive Überraschung der Woche gleich mal vorneweg: Das aktuelle Tief heißt tatsächlich Petra! Da reibt sich der Wetterinteressierte erst mal verwundert die Augen und fragt sich: Wirklich Petra? Nicht Stephanie? Oder gar Baronin Stephanie? So wie sich die Baldkanzlergattin zu Guttenberg am Hindukusch als mediale Wuchtbrumme geoutet hat, so wuchtig bis brummig war auch die Reaktion in der Heimat darauf. Aber da zumindest Deutschland bis zum endgültigen Auseinanderfliegen des Euro ein Rechtsstaat (zumindest gefühlt) bleiben sollte, verdient auch die feudale Baronei eine faire Aufarbeitung des letzten Familienausflugs. Denn für diese Reise spricht sehr viel und dagegen nichts. Eigentlich sehr nichts.

Allzu oft wird vergessen, wo Guttenbergs eigentlich wohnen. Sie sind im tiefsten Oberfranken wohnhaft. Das ist jener zauberhafte bis leicht strukturarme Landstrich im schönen Nordostbayern, der seit geraumer Zeit unter einer geschlossenen Schneedecke liegt. Klingt zwar unheimlich idyllisch, aber das hilft einer Münchnerin wie Stephanie auch nichts. Sie ist ja nicht adelig geworden, um in der fremden Heimat Schnee zu schippen beziehungsweise die Hoflakaien zum Schneeräumen und Salzstreuen abzukommandieren. Nein, eine Stephanie will und muss repräsentativ und operativ tätig sein. Sonst wird sie natürlich automatisch mit ihrer monegassischen Namensvetterin auf eine Stufe gestellt, deren bisheriges Leben mit den Begriffen Blamage und Staffage ausreichend definiert ist.

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Außerdem wird oft vergessen, wieviele deutsche Frauen in Afghanistan ihren Kopf hinhalten für so manch lustiges Bundestagsmandat. Worüber bitte hätte denn der Verteidigungsminister sich mit den Damen unterhalten sollen? Über die Zustände vor Ort? Das verbietet schon der Theodorsche Anstand, wohlwissend, dass sein Kenntnisstand dem der zeitweilig Ortsansässigen weit hinterher hinkt. Die Soldatinnen dort sind im Krieg. Und das Letzte, was sie wollen, sind neunmalkluge Kommentare und Tätschelattacken eines Vorgesetzten, der alle paar Monate mal vorbeischneit und nach dem Rechten sieht. Viel wichtiger ist es doch, den Frauen vor Ort ein Stück deutsche Normalität zu vermitteln. Thematisch liegen da Mode und Showbizz wesentlich näher als belangloser Smalltalk über Panzerfäuste und Camouflage. Da wäre doch der Verteidigungsminister mit dem Tretminenkissen gepudert, würde er sich persönlich auf dieses Glatteis im Dialog begeben, wenn er eine Frau hat, die nicht nur Mode studiert hat, sondern auch noch Textilbetriebswirtin ist!

Die Baronesse hat sogar selber zu Protokoll geben, dass sie ganz anders mit Frauen spricht als ihr Mann. Wäre der Baron alleine angereist, wäre das schon mal ein Affront gewesen gegen alle dort stationierten deutschen Frauen. Sage und schreibe 79 Prozent der Deutschen reagieren deshalb mit großem Wohlwollen auf diese Afghanistanreise. Zudem hat Stephanie zu Guttenberg einen gesunden Jagdinstinkt. Wer im heimischen TV Pädophile jagt, will bei der Jagd nach den Talibanesen nicht tatenlos zuschauen. Damit setzt sie natürlich hohe Standards für andere Politikergattinnen. Vor allem die Frau des deutschen Innenministers gerät dabei enorm unter Druck. Bald wird die Öffentlichkeit von Frau de Maiziere die aktive Beteiligung beim Aufspüren von Islamisten auf deutschem Boden voraussetzen als Amtspflicht. Mit billigen PR-Mätzchen a la Merkel (Oben-ohne-Erscheinen am grünen Hügel in Bayreuth, Nationalspieler unter der Dusche besuchen) gibt sich der Bürger nicht mehr zufrieden. Dass Stephanie die EU-Debatte im Bundestag nicht besucht, ist natürlich auch ein politisches Zeichen. Für Guttenbergs steht fest: Afghanistan ist noch nicht verloren, aber die EU nicht mehr zu retten. Damit wird auch die neue Aufgabenteilung der Bundesregierung deutlich. Guttenberg steht für Glanz und Gloria. Merkel für Scheitern auf hohem Niveau. Finanzanalysten empfehlen dem Finanzministerium daher seit dieser Woche, lieber Bundeswehrschatzbriefe auszugeben statt Euro-Bonds.

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Jedenfalls dämmert es langsam allen besseren Kreisen: Wer was auf sich hält, lässt sich nicht im Sommer auf Sylt, sondern im Winter in Afghanistan blicken. Das ZDF soll sogar schon ernsthaft daran denken, Gottschalk und dessen Dauerwerbesendung in diesem Sommer nicht wie üblich in einer Stierkampfarena auf Mallorca, sondern im Heckler & Koch-Stadion in Kunduz zu präsentieren. Da ist es natürlich eine Frage der Zeit, bis die ARD mit dem Musikantenstadl nachzieht. Endlich hat der Afghanistaneinsatz das Renommee, das er eigentlich von Anfang an verdient hätte. Doch die deutsche Sozialdemokratie als Hochamt des Sozialneids und Hort der Charismaallergie missgönnt KT und Stephanie den Erfolg und der Bundeswehr die gute Laune. Die SPD stößt dabei in Dimensionen des guten Geschmacks vor, die sonst mitternächtlichen Werbesendungen des Privatfernsehens vorbehalten waren. Pinup-Girls statt Stephanie hätte Guttenberg den Soldaten dort präsentieren sollen nach Meinung der SPD. Scheinbar haben die Sozis ein sehr seltsames Bild von deutschen Soldaten. Nackte Frauen wären in dem Fall eine größere Motivation als die angezogene Frau des Chefs. Sigmar Gabriel präzisiert sogar die Empfehlung und nennt namentlich eine Frau Katzenberger als ideale Begleitung für Afghanistantrips. Diese hochtalentierte und intellektuell dauerunterforderte Dame hat zwar auch eine eigene Sendung. Nur hat sich deren Sinn noch niemandem erschlossen. Weshalb ihr Besuch bei den Soldaten wohl eher eine Irritation gewesen wäre.

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Nein, solche Trittbrettfahrerei hat selbst eine Frau Katzenberger nicht nötig. So weit ist Johannes B. Kerner anscheinend noch nicht, wenn die hämischen Kommentare der heimischen Presse über den besten Investigativjournalisten des Landes richtig sein sollten. Wer diese Woche die deutsche Presselandschaft überfliegt, kriegt unweigerlich den Eindruck, dass die Guttenbergs ihre Version des Dschungelcamps aufgeführt haben und Kerner dabei Dirk Bach doubeln durfte.

Kerner berichtet quasi live aus dem Krieg. Das wurde auch allerhöchste Zeit. Denn die Quoten seiner Sendung beweisen bisher leider eindeutig: eine Kerner-Show funktioniert in einem friedlichen Land nicht. Seine Quoten agieren auf Augenhöhe mit den Umfragewerten von Westerwelle.

Wie so oft trägt auch diesmal die CSU zu einer Entspannung in dieser hitzigen Debatte bei. Vor allem Generalsekretär Dobrindt stellt die Weichen auf rasche Versöhnung mit dem politischen Gegner. Sein Kommentar ist das Paradebeispiel, dass Anstand und konstruktive Kritik durchaus ihren festen Platz in der Politik haben. Laut Dobrindt muss nämlich Gabriel lernen, sich zu zügeln. Und zwar nicht nur beim Essen, sondern auch mit seinen geschmacklosen Vergleichen.

Was wiederum eine völlig neue Theorie in der Ökotrophologie ist: Wer seine Geschmacksnerven nicht hegt und pflegt, neigt zu Völlerei. Mit anderen Worten: Die CSU empfiehlt Gabriel eine Schrot-und-Mörser-Kur in Afghanistan.


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