Und jetzt ... Django Asül Gurkentruppe, Wildsau, Rumpelstilzchen


Die schwarz-gelben Sparschweine suhlen sich verbal im Schlamm - und verraten dabei viel. Zum Beispiel dieses: Pofalla hat keine Ahnung von Märchen.
Eine unmanierliche Satire von Django Asül

Sparen ist eine schöne Sache. Wer früher mal ein Kind war, verbindet Sparen heute noch mit Sehnsüchten, Vorfreude und Zielstrebigkeit. Um sich infantile Wünsche zu erfüllen, wurde an die monetäre Selbstdisziplin appelliert. Nicht umsonst gibt es sehr viele Arbeiter- und Bauernregeln, die das Sparen als eine hohe Tugend ansehen. Der wohl bekannteste Spruch zum Thema lautet: Spare in der Not, dann hast du später Zeit. Dieser Klassiker gehört zum Standardrepertoire eines jeden Finanzmaklers wie die Riesterrente zum Scheitern des Sozialstaats. Sogar Cicero, der nicht gerade im Verdacht steht, bei AWD oder Hamburg-Mannheimer auf der Provisionsliste zu stehen oder ackermannlike seine Geburtstagsfeste von der Kanzlerin bezahlen zu lassen, ließ dereinst wissen: Sparen ist eine gute Einnahme. Und weil die schwarz-gelbe Koalition mehr Einnahmen generieren möchte, ohne die Steuer zu erhöhen, kommt sie um das Sparen nicht drumrum. Zumal diese Regierung definitiv die infantilste aller Zeiten ist. Das zeigt sich nicht nur in vielen halbwertszeitfreien Maßnahmen auf sämtlichen Politikfeldern, sondern vor allem im Umgang untereinander.

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Eine radikale Kreativität zeigt sich in der derzeitigen Wortwahl der Koalitionäre. Das vokabuläre Spitzentrio bilden diese Woche in alphabetischer Reihenfolge Gurkentruppe, Rumpelstilzchen, Wildsau. CDU, CSU und FDP bestechen hierbei durch völlig unterschiedliche Ansätze, was auch die politische Vielfalt innerhalb der Regierung unterstreicht. Die FDP demonstriert juristisches und charakterliches Feingefühl, obwohl sie es war, die die Wildsau ins Spiel brachte. Denn dieses Attribut haben die Liberalen nicht explizit einer Einzelperson verliehen, sondern der gesamten CSU. Also ist nicht der einzelne Christsoziale eine Wildsau, sondern die Summe aller CSUler. Damit ist schon mal keiner persönlich betroffen. Etwaige Beleidigungsklagen haben somit Erfolgsaussichten wie ein Gesundheitskonzept von Herrn Rösler. Ob das überhaupt als Beleidigung gemeint war, ist auch nicht eindeutig geklärt. Denn eine gute deutsche Wildsau kennt ihre Reviergrenzen und lebt privat wie auch geschäftlich im Einklang mit der Natur.

Als Gurkentruppe wiederum sieht CSU-Generalsekretär Dobrindt ein FDP-Tandem, dessen eine Hälfte in der CSU eine Wildsau erkannt haben will. Zwei Personen bilden für Dobrindt also schon eine Truppe. Das mag jetzt despektierlich klingen, aber ist im Prinzip auch schon ein Wink mit dem Kanonenrohr, in welche quantitative Richtung Dobrindts Parteikollege Guttenberg die Bundeswehr entwickeln will. FDP und CSU nehmen sich in ihren Attacken also beide den Regierungspartner vor, der innerhalb des Regierungskoordinatensystems am weitesten weg ist. Die allerwenigsten Skrupel hingegen zeigt die CDU.

Die Merkel-Partei nämlich lässt es sich nicht nehmen, sich ganz gezielt eine Person herauszupicken zwecks Entmutigungsversuch. Und so bezeichnete just Pofalla, dessen Auffälligkeitspotenzial normalerweise irgendwo zwischen Weinbergschnecke und Markus Lanz angesiedelt ist, den Verteidigungsminister als Rumpelstilzchen. Damit outet sich Pofalla nicht nur als rhetorischer Grobmotoriker, sondern auch als Nichtkenner deutscher Märchen. Denn vom Rumpelstilzchen ist lediglich bekannt, welch nerviger, kreischender und selbstzerstörerischer Geselle er war. Wenn diese Beschreibung auf einen Politiker passt, dann wirklich nur auf Westerwelle, der die FDP auf stolze fünf Prozent runtergewirtschaftet hat.

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Aber es geht dem Bürger nicht darum, die FDP in den Umfragen abzustrafen. Nein, damit dokumentiert der Bürger vor allem, dass er die Zeichen der Zeit erkannt. Alles hat seine Zeit. So auch die FDP.

Und solange alles lustig ist, gönnt man sich eine Spaßpartei. Wenn die Zeiten rauer werden, entledigt man sich ihrer. So wie es im Urlaub anders zugeht als im normalen Alltag. In der Toskana haut man sich jeden Tag Bärlauchpesto rein. Daheim lässt man es wieder bleiben, weil man das Zeug nicht mehr sehen und riechen kann. Und in Deutschland ist unbestritten der Alltag ausgebrochen. Also muss gespart werden, um irgendwann wieder im übertragenen Sinne in den Urlaub fahren zu können.

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Und um hier mal zwar nicht gleich eine Lanze, aber zumindest einen Zahnstocher für Frau Merkel zu brechen: Sie geht beim Sparen seit Jahren mit gutem Beispiel voran. Sieben Blazer, eine schwarze Hose, ein Ehemann. Mehr braucht sie nicht. Die Kanzlerin meistert auch gut den Spagat zwischen Sparen einerseits und Wachstum andererseits. Sie will bei denen sparen, die sowieso nichts zum Ausgeben haben. Wer nichts zum leben hat, dem fällt auch nicht auf, wenn ihm von diesem Nichts etwas genommen wird. So der mathematisch-logische Ansatz der Physikerin Merkel. Aber die gute Nachricht hintenweg: Vieles, was sich die Regierungschefin vornimmt, muss vom Bundesrat (das ist das Teil, wo Frau Merkel keine Mehrheit mehr hat) abgesegnet werden. Das aber ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Spanferkelessen im Gazastreifen.

Und so gärt im Volke die Sehnsucht nach einer großen Koalition. Die bringt zwar auch nichts, ist aber wesentlich geräuschärmer. Quasi eine Gurkentruppe ohne Wildschwein.


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