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Und jetzt ... Django Asül Stubenarrest für den Bundespräsidenten


Christian Wulff hat nichts als Ärger mit seinem Häuschen und den Reisen. Zum Wohnen hat er jetzt ein Schloss, und zum Urlaub muss er in den Tiergarten.
Eine satirische Rückschau von Django Asül

Man stelle sich vor, Bundespräsident wäre ein Mann, der noch nie auf Auslandsreisen gewesen wäre. Deutschland, das Land der Gerneverreiser schlechthin, würde sich unwürdig vertreten fühlen. Man stelle sich vor, Bundespräsident wäre ein Mann, der dauernd auf Reisen wäre. Dann würde es heißen: Dem ist sein Heimatland wohl völlig egal. Man stelle sich vor, Bundespräsident wäre ein Mann, der teure Reisen machen würde. Deutschland würde nur Kopfschütteln übrig haben für diesen Verschwender und sofort die Halbierung des Präsidentensoldes fordern. Man stelle sich vor, Bundespräsident wäre ein Mann, der nur Billigreisen buchen würde. Die Bevölkerung wäre entsetzt, weil es einen geizigen Spießer als obersten Repräsentanten ertragen müsste. Man stelle sich vor Bundespräsident wäre ein Mann, der gratis urlauben würde. Dann wäre aber die Jauchegrube voll am Dampfen, weil sich das Staatsoberhaupt als korrupter Grüßaugust geoutet hätte. Dabei hätte Wulff auf diese Weise einen Haufen Geld gespart und müsste sich nicht mit exorbitanten 120 Prozent verschulden beim Hauskauf.

Urlaubskommission für Wulff

Langer Rede kurzer Sinn: Ein Bundespräsident kann im Prinzip gar nicht so Urlaub machen, dass es keinerlei Mutmaßungen, Anklagen und Vorwürfe nach sich ziehen würde. Und das ist gut so. Denn ein Bundespräsident ist schließlich immer im Dienst. Und deshalb steht Urlaub schon mal von Haus aus gar nicht auf der Agenda. Andererseits muss natürlich erörtert werden, ob ein Bundespräsident, der erst im gefühlt achten Wahlgang gewählt wurde, nicht mit einem famosen seelischen Knacks sein Amt angetreten hat. Das nämlich würde eine halbjährliche Kur in sonnigen Gefilden legitimieren. Ansonsten gilt es, einen Modus zu finden, um den zukünftigen Bundespräsidenten solche Spießrutenläufe zu ersparen.

Ideal wäre, wenn beispielsweise Bundestag und Bundesrat jeweils eine Destination und ein Gesamtbudget vorschlagen. Und das Volk darf dann abstimmen, welche der beiden Optionen das Staatsoberhaupt nutzen sollte. Vielleicht ist es sogar möglich, das tägliche Taschengeld für Essen, Sonnencreme, etc. irgendwie an die Neuverschuldung Schäubles zu koppeln. Oder an die Anleiheaufkäufe der EZB. Oder an die deutschen Transferleistungen an die EU. Jedenfalls braucht es irgendeinen noch so abwegig konstruierten Zusammenhang, damit das Staatsoberhaupt nicht als im Elfenbeinturm sitzender Taugenichts und Verprasser da steht.

Maschmeyer muss auch leiden

Generell tut sich ein Bundespräsident oder auch Kanzler schon wesentlich leichter, wenn er nicht gerade in einer Ferienimmobilie von Herrn Maschmeyer urlaubt. Dieser adrette Mann hat sich ein Image erarbeitet, das wohl ein Sepp Blatter oder Silvio Berlusconi niemals erreichen werden. Maschmeyer hat ein grundlegendes Problem: Er läuft frei herum, obwohl ihn ein Großteil der Bevölkerung gerne hinter Gittern sehen würde. Nur weil er sich die Politiker nach Herzenslust kauft. Sympathisch wird Maschmeyer aber einem allein schon deshalb, weil er sich nicht einer politischen Richtung zuordnet. Wer gerade an der Macht ist, wird einfach für seine Belange eingespannt. Das war in Niedersachsen erst mit Schröder so. Danach war es mit Wulff so. Nur der jetzige Ministerpräsident hält sich von Maschmeyer eisern fern.

Was aber auch nicht weiter verwundert, weil ja Wulffs Nachfolger in Hannover ein gewisser Herr McAllister ist. Und dass ein Engländer, selbst als deutscher Ministerpräsident, nichts mit Deutschen zu tun haben will, ist eher die Regel als die Ausnahme. Wulff hat zudem für seinen Aufenthalt in der Maschmeyer-Ferienbude ordentlich gezahlt.

Aber auch dafür musste Wulff Prügel einstecken, weil er quasi einem Neureichen das Geld hinterher geschmissen hat. Für eine Neiddebatte wiederum gibt es nun wahrlich keinen Anlass. Leicht hat es auch ein Maschmeyer nicht. Er lebt in einer WG mit Veronica Ferres. Und die Dame gilt als äußerst kapriziös. Zu beneiden ist Maschmeyer also schon mal nicht.

Was, neben einem generellen Verbot für Lastminute-Angebote, kann die Reisebranche nun aus diesem Skandal lernen? Wer immer eine Reise bucht, muss eindeutig belegen, dass er seine Hausfinanzierung zu marktüblichen Konditionen abgeschlossen hat. Und ein Reisebüro muss sich von jedem Interessenten klar dokumentieren lassen, dass bei der Reise kein Bundespräsident dabei sein wird. Wenn es schon unmöglich ist, für die EU allgemeinverbindliche Regularien aufzustellen, die auch befolgt werden, muss der EFSF einen Hebel haben für Präsidentenreisen. Sonst läuft die Demokratie große Gefahr, dass neu gekürte Bundespräsidenten sich sofort ein Ticket für einen Fernflug kaufen. Und zwar one way.

Der Jahresrückblick von Django Asül live am 28. Dezember in Unterschleißheim (ausverkauft), 29. Dezember in Germering (ausverkauft), 30. Dezember Bamberg/Hegelsaal, 31. DezemberMünchen (ausverkauft)


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