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Unruhen wegen "Mohammed-Video": Islamistenchef schart Hunderttausende hinter sich

Ihr Zorn gilt dem Westen: Im Libanon haben sich Hunderttausende dem Protest des Hisbollah-Chefs gegen das Schmähvideo angeschlossen. Den Film bezeichnete er als "schlimmsten Angriff auf den Islam".

Im Libanon haben Hunderttausende Anhänger der Schiiten-Bewegung Hisbollah gegen das Mohammed-Schmähvideo protestiert. Während der Kundgebung in den südlichen Vororten von Beirut riefen sie am Montag: "Die Vereinigten Staaten sind der große Satan" und "Israel ist der Feind des Islam". Unangekündigt mischte sich auch Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah unter die Demonstranten.

Die Proteste seien keine "vorübergehende Bewegung", sondern "der Anfang einer ernstzunehmenden Mobilisierung" in der islamischen Welt, sagte er vor zehntausenden jubelnden Anhängern im Süden der libanesischen Hauptstadt. "Die ganze Welt muss die Wut in euren Gesichtern, euren Fäusten und euren Schreien sehen." Den Film bezeichnete der Hisbollah-Chef als "den schlimmsten jemals gestarteten Angriff auf den Islam". Er rief "alle unsere Völker und unsere Regierungen" dazu auf, die Weltgemeinschaft zu gesetzlichen Vorgaben gegen Gotteslästerung zu drängen. Das Video müsse aus dem Internet entfernt werden und dürfe nirgendwo in voller Länge gezeigt werden.

Nasrallah hatte am Sonntag in einer Fernsehansprache zu einer Woche des Protests gegen den Film aufgerufen. Seit dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah 2006 zeigt er sich aus Angst vor einem Attentat kaum noch in der Öffentlichkeit. Seine Ansprachen verbreitet er meist per Video. Zum letzten Mal trat er Ende 2011 öffentlich auf.

Der Film als "willkommener Vorwand" für Gewalt

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder (CDU), kritisierte, die Hisbollah gieße "bewusst Öl ins Feuer". Der islamfeindliche Film sei ihr lediglich ein "willkommener Vorwand" für Gewalt, sagte er dem Internetportal Handelsblatt Online. "Wir müssen solche Organisationen mit harten Sanktionen belegen, beispielsweise durch eine Listung der Hisbollah als terroristische Vereinigung auf EU-Ebene", forderte Mißfelder.

Die US-Regierung hatte sich von dem Video distanziert, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Es war in den USA unter Beteiligung von koptischen Christen, die aus Ägypten stammen, hergestellt und verbreitet worden. Der Film sorgt seit Tagen für Demonstrationen und gewaltsame Ausschreitungen in zahlreichen muslimischen Ländern. In Libyen wurde der US-Botschafter getötet, im Sudan die deutsche Botschaft angezündet.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) befürchtet gewaltsame Übergriffe auch in Deutschland, falls das islamfeindliche Video hierzulande ausgestrahlt wird. "Es ist zu befürchten, dass Extremisten auf beiden Seiten vor Gewaltanwendung nicht zurückschrecken werden. Damit hätten die Macher dieses Filmes ihr Ziel erreicht", sagte ZMD-Generalsekretärin Nurhan Soykan am Montag in Köln. Der Verband ist in Sorge, dass rassistische Übergriffe auf Muslime zunehmen werden.

Rechtspopulisten wollen Film im November in Berlin zeigen

Der ZMD begrüßte, dass Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Ausstrahlung des Schmähfilms über den Propheten Mohammed verhindern will. "Die Verbreitung des Films erfüllt den Tatbestand der Volksverhetzung, denn Meinungsfreiheit hört dort auf, wo eine Religionsgemeinschaft derart beschimpft wird, dass dadurch der öffentliche Friede gestört wird."

Die rechtspopulistische Splitterpartei Pro Deutschland hat Teile des islamfeindlichen Schmähvideo am Montag auf ihrer Internet-Seite veröffentlicht. Der Film war vorübergehend in mehr als einer Stunde Länge zu sehen. Zunächst behauptete die Partei, dabei handele es sich um die komplette Fassung. Dann sprach Pro-Deutschland-Chef Manfred Rouhs nur noch von einer "Zwischenfassung", weshalb man den Film von der Seite wieder entfernt habe.

Nach Informationen von "tagesschau.de" handelte es sich dabei um eine Aneinanderreihung von bereits bekannten Szenen. Dazu sei der bereits bekannte Trailer des Films mehrere Male aneinander geschnitten worden. Im Video-Portal Youtube ist dieses Video weiterhin zu sehen. Unabhängig davon bekräftigte Pro Deutschland das Vorhaben, das Video mit dem Titel "Die Unschuld der Muslime" auch in einem Kino in Berlin zu zeigen. Bundesgeschäftsführer Lars Seidensticker kündigte an, dass die öffentliche Aufführung entweder am ersten oder am letzten November-Wochenende stattfinden soll. Falls man kein Kino finde, werde man sich in Berlin um andere "passende Räume" bemühen.

jar/DPA / DPA