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Wahlanalyse: An Wulff führt kein Weg vorbei

Der Amtsbonus von Ministerpräsident Christian Wulff wog so schwer, dass die Niedersachsen fast keine andere Wahl hatten, als ihn wiederzuwählen. Selbst bei SPD-Wählern kommt der CDU-Mann an, wie eine Analyse der Forschungsgruppe Wahlen ergeben hat. Da hatte der blasse Wolfgang Jüttner keine Chance.

Die CDU hat in Niedersachsen nach einer ersten Analyse der Forschungsgruppe Wahlen gerade auch wegen des guten Ansehens von Ministerpräsident Christian Wulff gewonnen. Der Ausgang dieser vergleichsweise unspektakulären Wahl hat sich bereits in den Wochen zuvor angedeutet. Die CDU kann zwar nicht an ihr Ausnahmeergebnis von 2003 anknüpfen, hat aber trotz deutlicher Verluste nach wie vor einen komfortablen Vorsprung vor der SPD.

Nach dem Regierungswechsel vor fünf Jahren und den erdrutschartigen Verlusten der SPD machen die Sozialdemokraten auch diesmal keinen Boden wett. Die Linke kann in dem noch stärker als Hessen von ökonomischen Problemen gekennzeichneten Land erstmals in einem westdeutschen Flächenland in ein Landesparlament einziehen.

Ministerpräsident Wulff liegt im Ansehen auf einer Skala von minus bis plus 5 mit einem Durchschnittswert von 2,2 weit vor seinem Herausforderer Wolfgang Jüttner von der SPD (0,7). Wulff kommt in diesem Zusammenhang nicht nur bei den Anhängern aus den eigenen Reihen gut an (3,7), sondern auch bei SPD-Anhängern (1,3).

Zum anderen ist die positive Bewertung der Regierungsarbeit für den Wahlerfolg der schwarz-gelben Koalition verantwortlich: Die Zufriedenheit mit der Landesregierung insgesamt liegt bei 1,0, die CDU in der Regierung wird mit 1,1 noch leicht besser benotet, die FDP in der Regierung erhält 0,2. Aber auch die Bewertung der SPD-Oppositionsarbeit liegt mit 0,4 im positiven Bereich.

In der Woche vor der Wahl sagten 56 Prozent der Wahlberechtigten, das Land sei eher gut auf die Zukunft vorbereitet. Gleichzeitig bescheinigen 76 Prozent Wulff eine gute Arbeit als Ministerpräsident. Er ist dem Spitzenkandidaten der SPD in allen Belangen klar überlegen. Jüttner bleibt über weite Strecken ein blasser Gegenkandidat und kann sich in keinem Bereich profilieren. Im direkten Kandidatenvergleich wünschen sich 55 Prozent Christian Wulff weiterhin im Amt, sogar 26 Prozent der SPD-Anhängern sagen dies; für Jüttner sprechen sich insgesamt nur 23 Prozent aus.

Eine Kompetenz für die Lösung der wichtigsten Probleme in Niedersachsen - Arbeitslosigkeit, Bildung, Familie und Kriminalität - wird aus Wählersicht klar der CDU zugesprochen. In keinem einzigen zentralen Politikbereich verfügt die SPD über einen Kompetenzvorsprung.

Bestes Ergebnis bei den Über-60-Jährigen

Nach wie vor hat die CDU ihr bestes Ergebnis bei den Wählern ab 60 Jahren mit 48 Prozent, dort sind die Verluste auch gering (minus drei Prozentpunkte). In allen anderen Altersgruppen verzeichnet sie deutlichere Einbußen, am höchsten fallen diese bei den unter 30- jährigen Wählern aus (minus 13); dort kommt die CDU lediglich auf 36 Prozent. Die SPD hingegen erzielt über alle Altersgruppen hinweg ein relativ ähnliches Ergebnis. Überdurchschnittliche Einbußen erleidet die CDU bei den Arbeitern (minus neun) sowie bei den Arbeitslosen (minus 23), wo sie 2003 aufgrund der hohen Unzufriedenheit mit der rot-grünen Bundesregierung untypisch gut abgeschnitten hatte. In diesen Gruppen kann jetzt insbesondere die Linke punkten: mit zehn Prozent bei den Arbeitern und 26 Prozent bei den Arbeitslosen.

DPA / DPA