Wahlkampf in Hamburg Hamburgs FDP geht nur mit der CDU


Die Liberalen träumen davon, nach der Wahl am 24.Februar mit der Union in der Hansestadt zu regieren. Sie setzen auf die Wähler im bürgerlichen Lager, denen der Mitte-Kurs der Bundes-CDU in der Großen Koalition nicht passt.
Von Inga Niermann

"Herr du Mont, wo soll ich denn wählen?" Eine alte Dame mit Hut hält dem für die FDP Wahl-kämpfenden Schauspieler im Hamburger Nobelvorort Blankenese entrüstet einen Stimmzettelmuster unter die Nase. "Das versteht doch kein Mensch mehr", moniert sie und meint damit die neuen Wahlunterlagen, die für die Stimmabgabe am kommenden Sonntag in Hamburg gelten.

Sky du Mont - bekannt unter anderem durch die Kinofilme "Der Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise" - nimmt die Beschwerde der alten Dame mit einem Augenzwinkern entgegen. "Machen Sie sich keine Sorgen, es ist gar nicht so schwer. Lesen Sie sich alles in Ruhe durch, dann verstehen Sie das", beruhigt er die Frau. Sie bedankt sich herzlich und geht weiter, nachdem Sky du Mont ihr mit einem charmanten Lächeln eine gelbe Rose überreicht hat.

Sky du Mont kann es gut verstehen, dass sich die Leute über zu viel Bürokratie ärgern. "Ich bin dagegen, dass immer mehr Gesetze gemacht werden. Die Große Koalition regelt alles und steckt die Menschen damit in ein Korsett", kritisiert er. Vor vier Jahren ist der Schauspieler aus Bayern nach Hamburg gezogen. Er sei entsetzt gewesen, dass in der liberalen Stadt Hamburg die FDP überhaupt nicht in der Bürgerschaft vertreten ist. Das habe ihn animiert, sich für die Partei zu engagieren, so du Mont. Außerdem will der Vater von zwei kleinen Kindern die Einheitsschule in Hamburg verhindern.

FDP muss sich ranhalten

Eine Woche vor der Wahl am 24.Februar muss sich die FDP noch kräftig ranhalten. Zwar sind die Umfragewerte für die Liberalen, die bei der letzten Landtagswahl in Hamburg gerade einmal 2,8 Prozent erzielten, in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Doch immer noch liegen die Liberalen in der Hansestadt gerade mal bei fünf Prozent, so dass sie immer noch um ihren Einzug in die Bürgerschaft bangen muss. Zudem, sagt der Hamburger FDP-Spitzenkandidat Hinnerk Fock, müssen es noch ein paar Prozent der Stimmen mehr sein, damit CDU und FDP zusammen in der Hansestadt eine schwarz-gelbe Mehrheit erreichen können.

Nicht nur Hamburgs amtierender Bürgermeister Ole von Beust und die CDU waren durch die Stimmen der 'Partei Rechtsstaatliche Offensive' mit Ronald Schill an der Spitze vor knapp sieben Jahren an die Macht gelangt, sondern auch die FDP, die zuvor jahrelang nicht in der Bürgerschaft vertreten war. Die Quittung bekam die FDP prompt: Bei den Neuwahlen nach Schills Absetzung 2003 flogen die Liberalen wieder aus der Hamburger Bürgerschaft, während die Union die absolute Mehrheit errang.

Danach musste sich die FDP erst einmal neu sortieren. Bis 2008 gaben die Liberalen keine Koalitionsaussagen ab. Auf dem letzten Parteitag hat die FDP nun festgelegt, dass für die Liberalen nur ein Bündnis mit den Christdemokraten in Frage kommt. Um das auch zu erreichen, sollen ruhig auch ein paar eingefleischte CDU-Wähler ihre Stimmen der FDP geben, meinen manche FDPler.

Weg vom "geschmeidigen" Merkel-Kurs

"Es gibt doch eine Menge Leute, die mit dem Merkel-Kurs und der Politik der Großen Koalition nicht einverstanden sind", sagte FDP-Mitglied Dirk Ahlers, der selbst vor einem Jahr von der CDU zur FDP gewechselt ist. "Was innenpolitisch in Berlin passiert, schmeckt vielen ja auch nicht. Die sollen ruhig zu uns kommen", ergänzt er. Vor allem hat es die FDP aber ganz klassisch auf die Zweitstimme abgesehen.

Sky du Mont sieht in einer Koalition mit der FDP eine Chance für die Hamburger CDU, ihren "übergeschmeidigen Kurs" aufzugeben und wieder stärker neoliberale Politik zu machen. Zusammen mit dem ehemaligen IBM-Manager und Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel habe er sich in den vergangenen Wochen nachdrücklich dafür stark gemacht. "Dann braucht sich Ole von Beust nicht mehr so sehr auf die Linie von Frau Merkel und der Großen Koalition begeben", so der Schauspieler.

"Mehr Arbeit. Mehr Bildung. Mehr Bürgerrechte", lautet der Wahlkampfslogan der Liberalen. Sie wollen mehr Freiheit für die Bürger und sind deshalb gegen das Rauchverbot in privaten Ein-Raum-Kneipen, gegen die City-Maut und gegen das Hamburger Hundegesetz. Dafür engagiere er sich gerne, sagt Sky du Mont und schenkt zwei kleinen Jungs ein paar gelbe Luftballons. Lachend laufen die Kinder davon und lassen die Ballons in den tiefblauen Mittagshimmel steigen.


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