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Gewalttat in Bremen Angriff auf AfD-Politiker: Das bedeutet das Attenat für Frank Magnitz' politische Karriere

Der Angriff auf den Bremer AfD-Politiker Frank Magnitz – wie ist der Stand der Ermittlungen?
Es wird ermittelt, und das dürfte sicher auch noch ein wenig andauern. Die Überwachungskameras am Tatort haben ja ergeben, dass drei Leute hinter dem AfD-Bundestagsabgeordneten herliefen und einer ihn mit Schwung ansprang und zu Boden brachte. Von einem Vierkantholz ist auf den Kameras nichts zu sehen. Auch wurde Magnitz, als er am Boden lag, nicht getreten. Er gab tags drauf schon wieder Interviews. Ermittelt wird wegen schwerer Körperverletzung.


Hat die AfD aus dem Angriff politisches Kapital schlagen können?
Sie hat es versucht und ist dabei erstmal weit übers Ziel hinaus geschossen. Es wurde ja von Seiten der Parteispitze von einem Mordversuch gesprochen und behauptet, dass die Gewalttat politisch motiviert gewesen sei. Diese angebliche politische Motivation ist zwar gut möglich, aber überhaupt nicht erwiesen. Auch stimmte die Bahuptung nicht, man habe auf den am Boden liegenden Frank Magnitz eingetreten.
Frank Magnitz hat nun in einem Schreiben, das der „taz“ vorliegt, zugegeben, dass er mit der Herausgabe des Fotos, das ihn schwer blutend zeigt, Aufmerksamkeit erzielen wollte. Jetzt kann man sagen: Wirkt komisch, wenn der eigene Parteivorsitzende von „Mordversuch“ spricht und das Opfer tags drauf schon wieder eifrig ein Interview nach dem anderen gibt. Zugleich hat die AfD aber so auf ein Faktum aufmerksam machen können: nämlich dass ihre Politiker und ihre Einrichtungen tatsächlich immer wieder Opfer politisch motivierter Gewalt sind. Es gibt AfD-Büros, die werden regelmäßig beschmiert, da werden auch immer wieder die Scheiben eingeschlagen. Und es gibt – neben Magnitz – Politiker, die angegriffen wurden, der Landeschef Uwe Junge etwa in Rheinland-Pfalz oder ein AfD-Mann in Stuttgart. Es gibt diese Gewalt gegen die AfD also, das ist so, und für viele Mitglieder dieser Partei ist es eine Art kollektive Erfahrung, sich bedroht zu fühlen. Und darauf hat Magnitz mit seinen Leuten hingewiesen. In einem Land, wo jeder sagen darf, was er will, kann man das machen, meine ich.
Dass linke Politiker in wohl weit höherem Maße Opfer von rechter Gewalt werden, ist ebenfalls so. Aber ich glaube, wir sollten das nicht aufrechnen. Die rechte Gewalt gegen Linke ist seit vielen Jahren ein großes Problem. Das heißt aber nicht, dass man Gewalt gegen die AfD gutheißen muss.


Geht Frank Magnitz aus dem Angriff am Ende gar politisch gestärkt hervor?
Das mag etwas absurd klingen, aber: Ja, so ist das wohl. Frank Magnitz war in der Bundestagsfraktion der AfD eher ein Niemand. Völlig unprofiliert, auch nicht als Leistungsträger bekannt. Der AfD-Landesverband Bremen, dem er vorsteht, ist tief zerstritten und steht vor der Wahl in Bremen im Mai nicht gerade stark da.
Aber Magnitz hat sich – durch das so schockierende Foto – jetzt den Status eines Märtyrers erworben. Das kann ihm auch politisch nützen.


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Die veröffentlichten Videoaufnahmen vom Angriff auf Frank Magnitz widersprechen den dramatischen Darstellungen von Partei und Politiker. Warum Magnitz gestärkt aus der Attacke hervorgehen könnte, erklärt stern-Reporter Wigbert Löer.

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