Wirtschaftsminister Brüderle König des Sommerlochs


Zuerst die Rentengarantie, jetzt das Begrüßungsgeld für qualifizierte Einwanderer. Niemand ist im Sommerloch politisch so rührig wie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle.
Eine Glosse von Hans Peter Schütz

Wir gratulieren Rainer Brüderle. Er führt eindeutig im Mehrkampf der politischen Sommerlochathleten. Einfach genial, wie er die Schlagzeilen, mit denen einst der CDU-Politiker Rüttgers Stimmengewinne suchte, für seine FDP ummünzt. Nicht länger "Kinder statt Inder" ruft er, sondern her mit "Indern statt Kindern." Eine Lockprämie sei denen zu zahlen, um endlich den deutschen Facharbeitermangel zu beheben.

Eine kleine mentale Schwäche entdecken wir nur in diesem jüngsten Sommerloch-Brüderle: Er hätte seine Inder-Forderung mit seinem vorletzten Sommerloch-Vorschlag kombinieren müssen. Da hatte er gegen eine für ihre Verhältnisse fast schon wutschnaubende Bundeskanzlerin die Abschaffung der Rentengarantie gefordert. Das hätte sich genialerweise doch kombinieren lassen können zur FDP-Forderung: Begrüßungsgeld und Rentengarantie für indische Facharbeiter.

Aber dennoch. Unser Brüderle, wir politischen Journalisten gestehen es frank und frei, hilft uns sehr durchs Sommerloch. Der Ulla Schmidt einst geklaute Dienstwagen ließ sich nicht so gut medial verkaufen wie die liberalen indischen Stammkunden. Die reichen fast schon an die einst von der Latex-Gabi geforderte Ehe auf Zeit heran. Leicht vor Brüderle liegt in der politischen Sommerloch-Skala aller Zeiten allenfalls noch der CSU-Politiker Dionys Wüst, der - lang, lang ist's her - leider vergeblich mal gefordert hat, die Bundesrepublik möge doch für schlappe 50 Milliarden D-Mark Mallorca als 17. Bundesland zukaufen.

Brüderle geht in Führung

Wie auch immer, auf unserer Rangliste der Saure-Gurken-Zeit-Auffüller liegt Brüderle klar in Führung. Den Junge-Union-Chef Marco Wanderwitz sehen wir auf Rang zwei. Er will die Dicken stärker zur Krankenkasse bitten als die Schlanken. Das soll allerdings auf energischen Protest des vollschlanken Peter Altmaier gestoßen sein, immerhin Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die politische Umsetzung im Bundestag dürfte daher auf massiven Widerstand stoßen, zumal in der CSU, die den gewichtigsten Part im Bundestag spielt.

Am Tabellenende rangiert eindeutig die noch politikfrische Familienministerin Kristina Schröder. Die wollte doch tatsächlich das Sommerloch nutzen, um für die Ankündigung Schlagzeilen zu bekommen, dass bis 2013 tatsächlich 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz finden werden. Um dieser Ankündigung wenigstens den Hauch einer Realisierungschance zu geben, hätte sie zumindest den Ruf Brüderles mit in die Diskussion einfließen lassen müssen: Mehr Inder statt Kinder!

So gesehen, anglerisch betrachtet, ist unser Brüderle der Hecht im Sommerloch. Wir sind ihm dankbar. Man stelle sich nur mal vor, er ließe in demselben auch noch ein Plätzchen für seine liberalen Ministerfreunde Guido Westerwelle oder Dirk Niebel. Wäre kaum auszuhalten.

Wettbewerbsvorteil für Brüderle

Einen kleinen Wettbewerbsvorteil dieses Brüderle wollen wir indes nicht unerwähnt lassen: Er stammt aus Rheinland-Pfalz und dort liegt das Dörfchen Sommerloch. Aufgrund vager Hinweise soll das Brüderle dort in die Grundschule gegangen sein.


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