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Zwischenruf: Die Seele der Politik

Rot-Grün war ein einziger blühender Garten der Charaktere - der Kanzler hat ihn gemäht. Kann Schwarz-Gelb die Brache füllen?. Aus stern Nr. 30/2005

Auch Regierungen und Parteien brauchen eine Seele. Wärme, Farbe, Schwingung, Emotion, vielleicht sogar einen Mythos, die Verständnis und Faszination nach außen, Selbstverständigung und Halt nach innen schaffen. Nur das Weiche, Unausgesprochene, Gefühlte kann dafür sorgen, dass das Harte, Formulierte, Getane in einem selbstverständlichen, immerwährenden Zusammenhang erscheint. Dass der Träger dieser Seele den Alltag erträgt, Widerständen widersteht, aus Erschöpfung Kraft schöpft.

Die rot-grüne Regierung hatte eine Seele. Wärme und Farbe, Schwingung und Emotion, einen Mythos: den der 68er, den des rot-grünen Projekts, den ihrer prägenden Charaktere. Sie trugen das Mosaik des kollektiven Bildes wie Buttons am Revers. Viele, viele Buttons. Jeder die seinen. Gerhard Schröder: der mitreißende Aufsteiger, der mit Macht rein- und mit Macht wieder rauswollte, der Cohiba-Kanzler, der Genosse der Bosse, der Rebell von Goslar, der Doris-Geflüsterte, der Adoptiv-Vater. Joschka Fischer: der Straßenkämpfer, der Taxi-Bohemien, der Turnschuh-Minister, der leidend Sitzengelassene, der Marathon-Mann auf dem Lauf zu sich selbst, der Jojo-Liner, der I-am-not-convinced-Außenminister. Otto Schily: der Elitäre, der Terror-Anwalt, der Kohl-Quäler, der Sicherheits-Fantast, der cäsaren-schnittig Adler-Äugige, der toskanische Fürst, der Herr der Angst im Ministerium der Angst, der rumänisch herrschende Schilyescu. Weniger prall, weniger eitel: Wolfgang Clement, der rasende Reformer; Eichel, der traurige Spar-Hans; Manfred Stolpe, gefunden in der Ordnung des Stasi-Ostens, verloren im Chaos des Maut-Westens.

Ein einziger blühender Fruchtgarten der Charaktere. Am Ende fährt Schröder als Sensenmann hindurch. Macht Heu, hinterlässt verwüstete Seelen bei SPD und Grünen. Sie wollen, sie können es nicht begreifen: gemäht vom Patriarchen. Da wächst lange nichts nach.

Wer füllt die Brache? Wer zeigt Charakter, und welchen? Hat die Union, hat Schwarz-Gelb eine Seele? Wärme, Farbe, Schwingung, Emotion - einen Mythos gar? So nicht. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Kühl, blass, unbelebt, technokratisch kommen die Neuen daher. Sie sind nur Projekt, ein Sanierungsprojekt. Ein Mythos könnte vielleicht am Ende daraus werden, aber nur dann, wenn alles gelingt und sich rückblickend zu dem Bild fügt: Die haben das Land gerettet, welches nun ganz anders aussieht als zuvor und das auch noch als Glück empfindet. Gut, die Menschen haben die Nase voll von Bienenumschwärmten, die keine Früchte tragen. Sie wollen ihre Probleme gelöst haben, rasch und gründlich. Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Fleiß könnten da zu einem Strauß von Tugenden gebunden werden. Wenn sie das selbst begreifen, wenn sie es wirklich als ihre Chance erkennen. Ihre einzige. Pfeif auf Eitelkeiten, pfeif auf Cohiba! Wir kauen am Rotstift. Jede Zeit sucht sich ihre Figuren. Magere Zeiten, schmale Helden.

Aber Seele? Charakter? Fruchtgarten? Nicht sie selbst, ihre Gegner haben ihnen Buttons angeheftet. Wolfgang Gerhardt, der schnarchende Löwe von Wiesbaden. Guido Westerwelle, der Leichtmatrose. Roland Koch, der mit den jüdischen Vermächtnissen. Michael Glos, der Zuschläger. Die ganz Jungen ließen sich nicht mal schädlich ausschildern: Norbert Röttgen, Ronald Pofalla, Eckart von Klaeden, alle mild sympathisch, verlässlich talentiert und unauffällig frisiert, aber wie geklont im Gen-Labor der Jungen Union. Dafür können sie nichts. Die Zeit hat sie geprägt. Junge Rote und Grüne sind nicht wesentlich anders. Wer kein Leben leben konnte, so ein richtiges mit Abenteuern, Irrtümern und Brüchen, der kann auch nicht vom Leben gezeichnet sein. Ein langweiliges Land produziert keine aufregenden Politiker. Schröder, Fischer und Lafontaine balgten sich nach dem Krieg aus dem Abseits nach oben - und selbst sie waren schon Schatten ihrer Vorläufer. Brandt, Wehner, Strauß - Ungezähmte, auch Gescheiterte.

Typisch, dass die aktuellen Parteivorsitzenden vorher allesamt Generalsekretäre waren. Sie haben gelernt, Apparate zu bedienen, nicht Ideen auszuhecken. Nur eine Figur ragt da noch schüchtern heraus, die kein Ziehkind der Politik ist, ein echtes Leben gelebt und scharfe Brüche erlebt hat. In der DDR und beim Übergang in die Einheit. Ihren Aufstieg verdankt sie purem historischem Zufall und eisernem Zupacken. Angela Merkel könnte, wenn sie ihre sorgsam kontrollierte Biografie öffnete und die weichen Stellen hinter der gepanzerten Fassade freilegte, der einzige Charakter der neuen Regierung sein. Ihr Seelchen. Dem russischen Botschafter hat sie kürzlich eröffnet, dass ihr als jungem Mädchen in der DDR Rotarmisten, mit denen sie gern russisch plauderte, drei Fahrräder gestohlen hätten. Wladimir Putin sollte ihr beim ersten Besuch als Kanzlerin in Moskau drei Räder schenken. Dabei würden Emotionen sichtbar.

Hans-Ulrich Jörges / print
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.