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CHLODWIG: König der Grausamkeit

Kein Volk zu groß, kein Glaube zu stark. Der Frankenkönig Chlodwig kämpfte mit Leidenschaft und Erfolg. In einer kurzen Lebenszeit von 45 Jahren eroberte Chlodwig I. ein Imperium, das Fundament für das Reich Karls des Großen wurde.

Kein Volk zu groß, kein Glaube zu stark. Der Frankenkönig Chlodwig kämpfte mit Leidenschaft und Erfolg. In einer kurzen Lebenszeit von 45 Jahren eroberte Chlodwig I. ein Imperium, das Fundament für das Reich Karls des Großen wurde.

»Jesus Christ, Chlothilde verkündet, du seiest der Sohn eines lebendigen Gottes. Ich flehe Dich an: gewährst Du mir jetzt den Sieg über meine Feinde, so will ich an Dich glauben und mich taufen lassen in deinem Namen.« Ein Glaubensbekenntnis initiiert durch kalte Berechnung und nicht durch geistige Erleuchtung. Chlodwig I. steht halbgebeugt im Kampf gegen die Alemannen und droht, besiegt zu werden. Die Gegner trinken gierig das Blut der fränkischen Krieger. Chlodwig weiß, die Stärke seiner Truppe wird nicht ausreichen, die Niederlage abzuwenden. Da klingt in den Ohren des heidnischen Frankenkönigs der Rat seiner Frau Chlothilde, Prinzessin von Burgundien. In letzter Minute beschwört er den christlichen Gott. Die Alemannen haben Respekt vor göttlicher Fügung. Sie sehen keine Chance mehr, in einer Schlacht mit irdischen Mitteln zu siegen, in der sie gegen göttliche Macht kämpfen. Sie stecken die Schwerter zurück in ihre Scheiden, zügeln die Pferde und fliehen - Chlodwig hat gesiegt.

Fünfzehn Jahre alt ist Chlodwig I., als er seinem Vater Childerich auf den Thron folgt. Von kindlicher Verspieltheit oder jugendlicher Unsicherheit fehlt bei dem Sprössling des Merowingers jede Spur. Er übernimmt von seinem Vater die Herrschaft über die salischen Franken in Doornik, dem heutigen Belgien. Machtbesessen handelt er von Anfang seiner Regierungszeit an, skrupellos bei der Ausdehnung seines Zwergenreiches. Menschliche Wärme und Güte sind ihm fremd. Ein ausgeprägter Kampfgeist formt den starken Charakter des Frankenkönigs. So erobert er nacheinander die kleinen römisch-germanischen Gebiete.

Chlodwigs erste Errungenschaft ist das Reich des Sygaurus in der Gegend um Paris. Sygaurus ist der letzte römische Stadthalter in Gallien. Ihn zu besiegen bedeutet die römische Herrschaft in Gallien gänzlich auszulöschen. Chlodwig gewinnt das Land bis zur Seine und verlegt seine königliche Residenz von Tournai in die frisch eroberte Stadt, Soiffons. Sein Gebiet steckt er dadurch neu ab und demonstriert stolz seinen Machtzuwachs.

Als der Frankenkönig im Kampf gegen die Alemannen merkt, dass er an seine Grenzen stößt, schreckt er nicht davor zurück, sich von den germanischen Göttern seiner Ahnen abzuwenden. Sie glaubten an mehrere Götter und verspotteten die fromme Lebenshaltung der katholischen Romanen. Für einen Sieg verrät der junge Chlodwig den Glauben seines Volkes, wird katholisch und entwurzelt den mächtigen Stamm der Germanen.

Anders als die Langobarden oder Westgoten übernimmt er nicht das Christentum arianischer Prägung, das Gott, Christus und dem heiligen Geist als drei verschiedene Personen definiert und Germanischer Vorstellungskraft weitgehend entspricht. Er beschließt, sich dem Glauben der gallisch-katholischen Bischöfe anzuschließen. Chlodwig reicht mit seiner Geste öffentlich dem römischen Feind die Hand zum Frieden. Spontan beschließen die armoritanischen Küstenstädte zwischen Seine und Loire, sich ihm zu unterwerfen. Ein politischer Sieg für Chlodwig.

Chlothilde, seine christliche Frau ist begeistert von dem plötzlichen Bekenntnis. Sie hatte schon so oft versucht, Chlodwig zu bekehren. Ihre List war, mit Festlichkeit und Prunk in der Kirche ihren Gemahl bei der Taufe seines Erstgeborenen zu beeindrucken und zu überzeugen. Fast hatte sie es geschafft. Chlodwig liebte die Augenblicke, in denen er Mittelpunkt feierlichen Geschehens war, und er merkte, dass seine schöne Frau um ihn warb - da erstickte sein Sohn am Taufwasser vor dem heiligen Altar und alle Überzeugungskraft der Mutter mit ihm. Ein Sieg in einer Schlacht hingegen bedeutet alles für den Herrscher und sein Volk. Ein willkommener Anlass für den Germanen, den Glauben offiziell zu wechseln. Obwohl er noch ein Jahr vor seiner Taufe gesagt haben soll, »Der Gott des Christentums ist augenfällig ohnmächtig und, was noch schlimmer ist, nicht einmal vom Stamm der Götter«, löste er sein Versprechen ein und tauchte unter Anleitung von Bischof Remigius sein Haupt in das katholische Taufbecken in der Kathedrale von Reims. Chlodwig schafft es, 3000 Franken zu überzeugen, mit ihm die Religion zu wechseln und erreicht damit, dass in seinem Herrschaftsgebiet einheitlich nach römisch-katholischen Regeln gelebt wird. Der Begründer des Frankenreiches geht so den Konflikten aus dem Weg, die in anderen Germanenreichen auftraten, in denen unterschiedliche Religionen und Lebensformen praktiziert wurden.

Mit seinem Glaubensbekenntnis stellt Chlodwig sich in den offenen Gegensatz zu Theodorich, dem König der Ostgermanen mit dem er verschwägert ist. Dieser versucht eine klare Trennung zwischen Römern und Germanen in seinem Regierungsbezirk aufrecht zu erhalten. Die Germanen, die sich selbst ohne bösen Hintergedanken Barbaren nennen, sollen seiner Meinung nach von der römischen Kultur ferngehalten werden. Theodorich versucht diese Trennung durch ein Heiratsverbot zwischen den beiden Völkern zu bewahren. Der Römer darf nicht mit der Germanin und umgekehrt. Chlodwig hat damit nichts im Sinn. Er ist in seinem kalten Herzen überzeugter Heide und nur daran interessiert Menschen und Ländereien zu beherrschen. Welcher Religion oder Abstammung sie sind, hat dabei für ihn keine Relevanz. Er zwingt sie am Ende sowieso zu der einheitlichen katholischen Religion, die er für sein Volk bestimmt hat.

500 versucht Chlodwig, Burgund zu besiegen und einzunehmen. Haßerfüllt richtet er seine Waffen gegen den König Gundobad, der einst den Vater seiner Frau Clothilde ermordet hatte und sucht nach Vergeltung. Hier streiten sich die Historiker und berichten in ihren Quellen von zwei Ausgängen des Kampfes. So heißt es einerseits, er sei nur knapp in der Schlacht gescheitert, und dass seine Söhne nach seinem Tod noch einmal versucht haben, Burgund zu erobern. Andererseits gibt es Berichte in denen davon gesprochen wird, dass er den Burgundenkönig in der Nähe der Stadt Dijon besiegte und ihn zur Abgabe einer Entschädigung für seine Familie zwang.

Als das Jahr 507 in voller Blüte steht, ergreift den Besessenen wieder die Kampflust. Es kommt zur Schlacht bei Vouille gegen die Westgoten arianischen Glaubens. Unter dem Vorwand, die katholische Bevölkerung unter dem arianischen Königs Alarich II. zu befreien, greift er die Westgoten an. In Wahrheit kann Chlodwig nicht ertragen, das Arianer einen Teil »seines« Galliens besitzen. Alarich II. fällt. Von seinem ehemaligen Herrschaftsgebiet bleibt nur ein kleiner Streifen zwischen den Pyrenäen und dem Mittelmeer bestehen. Theodorich, der Ostgotenkönig und Sympathisant der Arianer, schickt ein mächtiges Heer, besetzt die Provence und veranlasst seinen verschwägerten Feind Chlodwig zum Einlenken. Obwohl Chlodwig in der Gunst des mit Theodorich verfeindeten Byzanz steht und ihm gegenüber dadurch klar im Vorteil ist, scheut er den offenen Konflikt mit dem König der Ostgoten und zieht seine Truppen zurück. Auf seinem stolzen Rückzug mit viel neuem Land im Rücken, kommt Chlodwig durch Tours, der heiligen Stätte der katholischen Kirche. Hier befindet sich das Grab des heiligen St. Martin, der als Schutzpatron der fränkischen Krieger gilt. Der Frankenkönig erhält von Kaiser Anastasius als Anerkennung den Titel »Consul Patricius« verliehen. Dies ist ein Zeichen der gemeinsamen Gegnerschaft von Adel, katholischer Kirche und Chlodwig gegen das Ostgotenreich.

Chlodwigs Reich wird immer größer und mächtiger. Es erstreckt sich vom Mittelrhein bis zu den Pyrenäen. Eine große Herausforderung bleibt für den Franken der Mittelmeerraum, der einen Zugang zum Welthandel bedeutet. Doch er widmet sich vorerst den Westgoten, die ihm langsam immer lästiger werden, und einengen. Sein Wort soll Gesetz sein, und das auf der ganzen Welt, die er zu überblicken in der Lage ist. Größenwahnsinnig fällt er am Niederrhein ein und erobert das Land bis Köln. Die Schlachten unter Chlodwig sind von gemeinster Grausamkeit geprägt. Hinterrücks pirscht er sich an seine Feinde heran und ohne jegliche Fairness erobert alle kleinen rheinischen Gebiete. Der Frankenkönig nach seinem Sieg die hilflosen fränkischen Kleinkönige, in blutiger unberechenbarer Weise.

Chlodwigs Reich wird immer größer und mächtiger. Es erstreckt sich vom Mittelrhein bis zu den Pyrenäen. Eine große Herausforderung bleibt für den Franken der Mittelmeerraum, der einen Zugang zum Welthandel bedeutet. Doch er widmet sich vorerst den Westgoten, die ihm langsam immer lästiger werden, und einengen. Sein Wort soll Gesetz sein, und das auf der ganzen Welt, die er zu überblicken in der Lage ist. Größenwahnsinnig fällt er am Niederrhein ein und erobert das Land bis Köln. Die Schlachten unter Chlodwig sind von gemeinster Grausamkeit geprägt. Hinterrücks pirscht er sich an seine Feinde heran und ohne jegliche Fairness erobert alle kleinen rheinischen Gebiete. Der Frankenkönig nach seinem Sieg die hilflosen fränkischen Kleinkönige, in blutiger unberechenbarer Weise.

Nie wird sein Durst nach Macht und Ruhm gestillt. Jedes Gebiet ist zu klein, jedes Volk zu unbedeutend. So beschließt er, auch die Kirche, der er ja nur aus diplomatische Ambitionen beigetreten war, unter seine Herrschaft zu stellen. Der Heide versammelte alle Bischöfe seines Landes in Orleans und verlangt für sein christliches Wohlwollen eine Gegenleistung. »Reichskirche, nenne Dich Landkirche und lasse Dich von mir leiten. Mein königlicher Wille soll Ausschlag sein für alle Wahlen und Entscheidungen.« Kurz darauf stirbt er. Der Tod Chlodwigs in Paris im Jahre 511 bedeutet keinen Verlust für die Franken. Seine Grausamkeit vermisst niemand. Die Söhne folgen ihm unverzüglich auf den Thron, teilen das Land untereinander auf und regieren im gleichen Tonus weiter, wie ihr Vater. Mit einer einheitlichen Verwaltungsstruktur der Teilreiche und der Verschmelzung der Herrschaftsgebiete hat Chlodwig, der erste berühmte Frankenkönig, einen stabilen Grundstein für das Reich Karls des Großen gelegt.

Christin Kröger