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FELDPOST: Handschrift des Krieges

Sie sind Lebenszeichen und Abschiedsbrief zugleich. In jedem Fall besitzen sie einen hohen Grad an Authentizität: Während des Krieges sind bis zu 40 Milliarden Feldbriefe zwischen Heimat und Front versendet worden.

Die folgenden Briefe stammen von Paul M.-W., geboren im März 1922. Er wurde im Oktober 1941 von der Wehrmacht eingezogen. Seit dem 5. Januar 1943 bleibt Paul in Stalingrad vermisst. Er war dort als Gefreiter eingesetzt. Die Briefe richten sich an die Eltern und Geschwister.

Osten, 20.11. 42

Ihr Lieben!

Es wäre so schön gewesen.....und hat nicht sollen sein! Wie ein Blitz aus heitrem Himmel kam heute über uns die Urlaubssperre! Also ist es aus mit dem Urlaub. Ich komme nicht.

Es ist zum K....Ich bin in der richtigen Stimmung. In 10 Tagen sollte ich abfahren, in 20 wären wir zusammen gewesen, in 30 hätten wir ein schönes Weihnachtsfest feiern können. Alles K...

Das ist der Lohn, das ist der Dank. Wenn die Urlaubssperre so lange dauert wie im letzten Jahr, so braucht Ihr bis zum Sommer nicht mit meinem Erscheinen zu rechnen. Es wird so sein, wie es allen älteren Kompanieangehörigen gegangen ist: 21 oder mehr Monate ohne Urlaub! Diesmal war es die einzige Gelegenheit, aus der Reihe zu tanzen. Kaum wird diese Gelegenheit wiederkommen.

Innerlich wie äußerlich hatte ich mich schon auf diese 21 Tage vorbereitet: Meine schwarze Hose tipp topp sauber gemacht, Mantel genäht und den Schlips gebügelt (nachts beim Schlafen). Umsonst!

Ich ärgere mich weniger meinethalben, als vielmehr deswegen, weil Ihr Euch in jedem Brief auf ein baldiges Wiedersehen gefreut habt. Mir tut deswegen Mutti leid und Vati nicht minder. Auf denn im nächsten Jahr und seid nicht zu optimistisch! Sperre ist Sperre! Da gibt es kein plötzliches Erscheinen in der Heimat.

In der Hoffnung, Euch alle noch einmal gesund wiedersehen zu können, bin ich

Euer treuer Paul

Im Osten, 25.11.42

Ihr Lieben!

Einen kurzen Gruß und die Mitteilung, dass es mit gut geht, sende ich Euch heute aus dickem Mist. Hoffentlich erhaltet Ihr diesen Brief. Gelegenheit zum Schreiben habe ich nicht mehr so oft, wir haben viel zu tun.

Die Urlaubsvorfreude war leider nur zu kurz, schade drum! Euch allen viele Grüße, alles Gute und viel Glück!

Euer Paul

(Anmerkung: Am 23. Novewmebr 1942 verbot Hitler den Ausbruch aus dem Kessel und gab den »Durchhaltebefehl«.)

Russland, 29.11.42

Meine lieben Eltern, liebe Geschwister!

Zum Weihnachtsfest wünsche ich Euch alles Gute und hoffe,dass Ihr es in altgewohnter Weise froh und lustig begehen könnt. Für mich ist es das zweite Weihnachten in der Fremde. Vor einiger Zeit lebte ich etwa eine Woche mit Urlaubsfreude und ich war sicher, dass ich Euch nicht schriftlich zum Feste beglückwünschen brauchte. Hätte man mir keine Hoffnungen gemacht, mir wäre alles viel leichter gewesen! Trotzdem habe ich mich damit abgefunden.

Ihr feiert sicher irgendwo in einem stillen Ort in Westfalen und habt sicher alle Urlaub. Ich hatte mich so darauf gefreut, dabei zu sein!

Wenn es gut geht, feiere ich das Fest in unserem Unterstand, unserem Bunker im Kreise unseres Trupps. Die erste Front - Weihnachten hat natürlich auch gewisse Reize, die zwar das Heimat-Weihnachtsfest nicht im Entferntesten aufwiegen können.

Es geht uns in diesen Tagen leider nicht so gut. Einige zarte Andeutungen im OKW Bericht dieser Tage geben das bekannt.

Doch das wird hoffentlich bald eingerenkt sein. Macht Euch aber nicht unnötig Sorgen, dank einiger aufgesparter Verpflegungsreserven leiden wir noch keine Not. Es ist aber anzunehmen, dass dieser Zustand nicht lange dauert.

Ich kann Euch beim besten Willen nichts schicken, so gern ich das täte. Ich bin froh, wenn dieser Brief Euch erreicht!

So bitte ich Euch, für jeden, Vater, Mutter, Rosel und Eberhard je 10 Mark von meinem Sparbuch zu holen und das für zwei Opern oder Schauspiele zu verwenden. Schreibt mir aber, was Ihr gesehen habt und wie es Euch gefiel. Theaterbesuch ist mein sehnlichster Wunsch, doch da er unerfüllbar ist, freue ich mich, wenn Ihr gehen könnt.

Gestern kam etwas Post, und für mich war ziemlich viel dabei. Von Rosel kam ein Kilo - Päckchen mit einem Ärmelpullover, einem Heftchen und Gebäck. Ich danke Dir, liebe Schwester, aber macht um Gottes Willen Schluss mit den Wintersachen! Ich bin ausgerüstet wie zu einer Polarexpedition!

Von Vater habe ich wieder zwei Heftchen technischen Inhalts bekommen. Ich möchte nur wissen, woher Du den Riecher hast! Du triffst genau das, was ich wollte. Im Ganzen erhielt ich jetzt bisher 4 dieser Heftchen, eine willkommene Sendung!Eberhards Brief machte mir viel Freude, weil er mir das erste Mal von der Schule berichtete. Dass Du, lieber Eberhard, KV (kriegsverwendungsfähig), ist ja wohl selbstverständlich, sonst hättest Du Prügel verdient!

Wie die Post zu uns kam, ist mir bis jetzt noch ein Rätsel, vielleicht per Ju, jedenfalls war es eine freudige Überraschung.

In dieser Zeit lese ich viel von Friedrich Hebbel und den Roman von Anzengruber »Sternsteinhof«. Ferner fange ich an, aus den technischen Heften Altes und Neues durchzukauen und es erwacht in mir wieder die alte Freude am Lernen und an meinem künftigen Beruf. Könnt Ihr mir noch einen kleinen Rechenschieber irgendwo auftreiben? So´n Ding könnte ich hier prima gebrauchen, vor allem, wenn er handlich ist.

Nun wünsche ich Euch nochmals zum Weihnachtsfest alles Gute und Schöne und viel Freude bei der Bescherung.

Viele Grüße

Euer Paul

Vater 30. 11. 42

Lieber Vater!

Einen fröhlichen Weihnachtsgruß aus dem ganz und gar unfröhlichen Russland! Ich wünsche Dir alles Gute, viel Tabak und baldmöglichst eine neue Wohnung.

Nun werdet Ihr das Fest ohne mich feiern. Wie hatte ich mich darauf gefreut; und gerade Dir hatte ich am meisten zu erzählen! Ich glaube aber, dass Du den Grund meines Hierbleibens kennst! Auf denn im nächsten Jahr! Ich feiere das zweite Weihnachtsfest fern von zu Hause, im Bunker an der Wolga. Wolga Rhein, welche Entfernung! Wir werden uns aus dem dürren Steppengras einen Christbaum zurechtschustern, einen Holzscheit mehr in den Ofen legen und mal nicht an den Komiss denken. Und dann werden die Päckchen ausgepackt, ich glaube, man kommt dann um den »toten Punkt« rum.

Ich glaube, dass Du Dir vor einem Jahr unsere Lage heute doch anders vorgestellt hast, ich nämlich auch! Der Feind ist stark geworden und es wird noch viel Wasser die Wolga hinunterfließen, bis die Ostsoldaten zurückkehren können. Auch der westliche Gegner ist frecher geworden. Alles in allem ist die Lage ernst, aber noch lange nicht hoffnungslos.

Im nächsten Jahr wird auch der letzte von uns dreien das Elternhaus verlassen und Ihr werdet allein sein. Ab und zu kommt dann wohl mal ein Rekrut oder eine ewige Studentin oder vielleicht »sogar« einer aus Russland ins Haus geflogen und immer auf beiden Seiten die Freude groß sein.

Drum nochmals: Frohe Weihnachten! Ich weiß, wenn Du da bist, dass Du die Feier wie immer wieder mit viel Freude und Überraschungen, mit viel Geschmack und Geschick ausstattest und bin mit vielen Grüßen

Dein Sohn Paul

30.11.42

Liebe Mutter!

Ich wünsche Dir zum Feste alles Gute, und dass Du es bei voller Gesundheit und Fröhlichkeit begehst. Gerade die Fröhlichkeit ist es, an die ich oft denke, wenn ich Dich in diesem verfluchten Land lebendig werden lasse. Die hat Dich eigentlich nie verlassen und half uns auch immer über vieles hinweg. Und sicher haben auch die Tommys Deine Frohnatur nicht stehlen können.

Eigentlich habe ich noch nie davon geschrieben, wie doch hier draußen eine Mutter fehlt. Ein gewisser Stolz hielt mich davon zurück. Ob ich nun beim Knöpfeannähen bin, oder ich stopfe gerade Strümpfe, wasche die Kleidung, oder ich koche, - immer muss ich dann an Dich denken, denn das hast Du uns früher alles abgenommen, ja, ich hatte noch nicht einmal daran gedacht. Wenn ich mit dem Messer ein Stück Butter holen will, dann höre ich Deine mahnende Stimme: »Langsam mit der Vigeline, sie ist noch neu!«, dann schmiere ich mir nur die Hälfte aufs Brot. So hast Du uns das Wirtschaften beigebracht, und wer das kann, hat hier schon halb gewonnen.

Dir steht nun wieder ein Umzug bevor. Ich weiß, wieviel Arbeit und Sorge das ist. Dein jüngstes »Blag« wird Dich dann auch verlassen, Du hast dann zwar weiter Sorgen, aber auch Kurzweil weniger.

Für die vielen Päckchen dankend verbleibe ich Dein treuer Sohn, der Dir nochmals alles Gute wünscht.

Heil Mutti!

Paul

Willst Du mich nicht einmal hier besuchen?

30.11.42

Liebe Schwester!

Zu Weihnachten, das Du hoffentlich zu Hause, das heißt: irgendwo mit den Eltern verleben kannst, wünsche ich Dir alles Gute, einen Berg von schönen Sachen und viel Fröhlichkeit.

Es ist eigenartig, dass wir uns jetzt auf einmal recht gut verstehen. Weise Leute sahen das voraus. Wie Katz und Maus verbrachten wir doch oft unsere Kinderzeit und wie oft lagen wir uns in den Haare! Als Überbleibsel aus dieser Zeit taucht in meinen Briefen noch ab und zu eine kleine Gemeinheit auf, und sei es nur in einem Bild oder einer Andeutung. Ich weiß aber, wie Du es auffasst und Du weißt, wie ich das meine. Dass wir uns darüber im Klaren sind, beweisen Deine liebevollen Päckchen mit den leckeren und warmen Sachen. Ich habe Dir viel zu danken. Aus diesem Grund erwähne ich auch nichts mehr von meiner Beförderung durch Dich, die mich bei jedem Postgang rasend machte.

Nun verlebst Du die immer schöne Studentenzeit mit aller Arbeit und Freude. In gewisser Hinsicht hast Du es da noch etwas besser, da Du so eine geheimnisvolle kleine Bude besitzt. Zusätzliche Finanzen ergaunerst Du Dir noch von geistig Minderwertigen (wie gemein!). Ist es Dein erstes selbst verdientes Geld?

Ich bin gespannt, wann und wie die ersten Produkte Deiner sturen Pädagogik herumlaufen werden! Ich sehe schon deren lebensmüde und abgearbeitete Gesichtszüge! Doch heute will ich einmal nicht gemein werden.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(