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Was macht eigentlich...: ...Sigmund Freud?

Der Wiener Begründer der Psychoanalyse hat wie kein anderer Wissenschaftler die Kunst, das Leben, die Liebe und die Triebe beeinflusst

Der Wiener Begründer der Psychoanalyse hat wie kein anderer Wissenschaftler die Kunst, das Leben, die Liebe und die Triebe beeinflusst

STERN: Herr Freud, lassen Sie uns heute über Frauen reden...

FREUD: Die Frau, der dunkle Kontinent. Das weibliche Geschlecht ist mir immer ein Rätsel geblieben. Die Frage bleibt: Was will die Frau?

STERN: Haben Sie uns deshalb das verdammte Ding mit dem Penisneid eingebrockt?

FREUD: Nicht nur das. Auch den weiblichen Kastrationskomplex, die Hysterie und die weibliche Neurose.

STERN: Kann es sein, dass die Dinge genau umgekehrt liegen? Neid des Mannes auf Brüste, Stillen, Mutterschaft?

FREUD: Alles Ersatzprodukte des Weibes, Trosteinrichtungen. Dahinter verbirgt sich der tiefe Wunsch nach männlicher Überlegenheit. Übrigens, welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Vater, und wenn nein, warum nicht?

STERN: Ich, äh...

FREUD: Eben.

STERN: Ihre Tochter Anna, ebenfalls Analytikerin, hat nie geheiratet. Sie hat vielmehr stets den mächtigen Vater angebetet und sich von ihm auch noch analysieren lassen. Sie müssen doch zugeben, dass Sie das Mädel fürs Leben versaut haben?

FREUD: Das ist das ganz normale Drama des begabten Kindes. Im Übrigen war ich immer der Ansicht, dass intelligente Töchter bedeutender Väter nicht für Mann und Mutterschaft geschaffen sind. Außerdem hat mein Annerl ja leider einen Haltungsschaden. Und dann muss ich auch bedenken - wenn ich krank bin, wird das Annerl die Einzige sein, die mich pflegt.

STERN: Ist das nicht sehr egoistisch?

FREUD: Wieso? Wenn man viele Kinder hat, muss man sich immer eins fürs Alter züchten, und das ist üblicherweise eine Tochter. Dafür wird meine treue Antigone-Anna belohnt mit meinem Vertrauen, meiner Zuneigung und meinem Ruhm. Und ich bin sehr stolz auf das Annerl. Schon in jungen Jahren hat sie in Wien verzogene kleine reiche Ami-Bälger analysiert, damit viel Geld verdient und die Familie unterstützt.

STERN: Brave Tochter. Kennen Sie folgende Geschichte? Ein Sohn verliebt sich in seine Mutter und ist mit ihr lange Jahre glücklich. Bis sie ihm eines Tages gesteht: »Ich muss dir etwas Schreckliches sagen. Ich bin nicht deine Mutter«. Der Junge erschießt sich.

FREUD: Interessant. Hätte einfach den Mund halten sollen, die dumme Pute.

STERN: Sagen Sie, hatten Sie wirklich eine heimliche Affäre mit Ihrer Schwägerin Minna? Zumindest hat sie das einmal angedeutet.

FREUD: Journaille! Finden Sie das eine angemessene Frage für einen alten Mann? Im Übrigen, die ledige Schwester meiner Frau litt unter ihren obligaten Migränen. Und Sie wissen, dass dies meist Frauen ohne Sexualverkehr trifft.

STERN: Ihre Schülerin, die Prinzessin Marie Bonaparte, zeigte Ihnen unbekümmert ihren Busen und schrieb:»Ich wage Freud zu sagen, dass er sexuell überdurchschnittlich sein muss.«

FREUD: Welch Glück, das noch mit siebzig Jahren hören zu dürfen.

STERN: Der von Ihnen entdeckte Ödipuskomplex hat Generationen von Analytikern in Enthusiasmus, Wut oder Verwirrung gestürzt. Von Patienten ganz zu schweigen. Was würden Sie jungen Psychologiestudenten heute mit auf den Weg geben?

FREUD: Tschuldigung, Jungs, war nicht so gemeint.

Mit Sigmund Freud sprach STERN-Reporterin Gerda-Marie Schönfeld.

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