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"heute wichtig" Bedingungsloses Grundeinkommen: "Genug Geld, um scheitern zu können"

Demonstration für ein bedingungsloses Grundeinkommen
Lizenz zum Faulsein oder Grundlage für sozialen Frieden? Das bedingungslose Grundeinkommen ist nach wie vor stark umstritten.
© Picture Alliance
Dass Menschen nicht mehr arbeiten wollten, ist ein Argument, das gegen das bedingungslose Grundeinkommen angeführt wird. Dabei haben Studien und Projekte das vielfach widerlegt. Eines der Projekte, "Mein Grundeinkommen", hat der Autor und Aktivist Michael Bohmeyer ins Leben gerufen.

"Die Menschen hören nicht auf zu arbeiten, nur weil ihr Einkommen gesichert ist", sagt Michael Bohmeyer in der 360. Folge von "heute wichtig". Denn für Arbeit gebe es viele Gründe: Dass man Anerkennung bekommt, etwas Neues lernt, etwas Sinnvolles tut.

Auch Bohmeyer lebt von den Erträgen einer IT-Firma, die er mit Ende 20 mit aufgebaut hat und bekommt dadurch eine Art Grundeinkommen von 1000 Euro. Anstatt sich aber auf die faule Haut zu legen, hat er den Verein "Mein Grundeinkommen" gegründet. Über Crowdfunding finanziert der Verein ein Jahr lang ein monatliches Grundeinkommen von 1000 Euro für Menschen, die das Glück haben, ausgelost zu werden. 1264 Menschen haben bereits erfolgreich bei der Lotterie mitgemacht.

Bedingungsloses Grundeinkommen: "Leute werden gesünder, sozialer"

Seit acht Jahren gibt es das Projekt. Die Erkenntnis von Michael Bohmeyer: "Die Leute werden gesünder, zufriedener und sozialer." Aber: "Es ist für manche gar nicht so leicht, einfach etwas geschenkt zu bekommen." Denn plötzlich gebe es auch diesen Druck, etwas zu verändern. "Es gab sogar jemanden, der sein Geld zurückgeben wollte." Mit dem Grundeinkommen verschwinden nicht alle Sorgen aus dem Leben, sagt Michael Bohmeyer, aber für die meisten war das Geld ein großes Geschenk: "Alleine die Tatsache, dass sie wissen, dass das Geld da wäre, wenn sie es brauchen, sorgt dafür, dass sie mutiger ins Leben gehen." Manche hätten wenig verändert, das Geld gespart und viele haben ihren Traum verwirklicht, "weil genug Geld da war, um scheitern zu können".

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Chancengerechtigkeit durch das Grundeinkommen: "Eine Starthilfe für jeden Menschen" 

Die Hälfte der Gesellschaft ist für ein Grundeinkommen, sagt Michael Bohmeyer. Aber "wir wollen die anderen doch noch ein bisschen kontrollieren können. Wir haben nicht gelernt, den anderen zu vertrauen oder zu gönnen." Dabei, glaubt er, werde man auf lange Sicht nicht darum rumkommen, grundsätzlich etwas zu verändern. Denn in Zeiten von Krieg, Inflation, Klimakrise oder Digitalisierung braucht es echte Veränderung. "Aber woher soll die kommen? Menschen, die gestresst sind, verändern sich nicht." Gerade über das Grundeinkommen könnte so eine Veränderung gelingen: "Das Grundeinkommen wäre eine Starthilfe für jeden Menschen, damit wir tatsächlich mehr Chancengerechtigkeit haben."

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dho

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