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Podcast "heute wichtig" "Sexualpartner an Zielpersonen gespielt": Ex-Agent berichtet über kuriose Geheimdienstmethoden

Leo Martin hat zehn Jahre lang für den deutschen Inlandsgeheimdienst, den Verfassungsschutz gearbeitet.
Leo Martin hat zehn Jahre lang für den deutschen Inlandsgeheimdienst, den Verfassungsschutz gearbeitet
© Uta Kellermann
Vor wenigen Tagen wurde in Norwegen ein Russe verhaftet. Der Vorwurf lautet: Spionage für den russischen Militärnachrichtendienst GRU. Mit welchen Methoden arbeiten Agenten und wie schaffen sie es, Vertrauen aufzubauen ohne aufzufliegen?    

Als im Jahr 2017 im Berliner Tiergarten der vietnamesische Geschäftsmann Trịnh Xuân Thanh mit seiner Lebensgefährtin entführt wird, ist recht schnell klar: Vietnams Geheimdienst steckt dahinter. Die Operation ist minutiös vorbereitet von professionellen Agenten. In der 393. Ausgabe des Podcasts "heute wichtig" wundert sich der Ex-Agent Leo Martin nicht über solche Methoden: "Wir wissen sehr genau, wie weltweit bei den Nachrichtendiensten gearbeitet wird. Adam und Eva-Operationen, bei denen Sexualpartner an Zielpersonen gespielt wurden, die gab es für viele Leute nur noch in James Bond-Filmen. Dass Nachrichtendienste weltweit, gerade die totalitären Staaten, immer schon mit solchen Methoden gearbeitet haben und natürlich nicht davor zurückschrecken, oppositionelle oder unangenehme Menschen, im westlichen Ausland zu verfolgen, das ist einem Nachrichtendienstler relativ klar gewesen, immer schon."  

 

Ex-Agent beim Inlandsgeheimdienst

Leo Martin hat zehn Jahre lang für den deutschen Inlandsgeheimdienst, den Verfassungsschutz gearbeitet. "Mein Job war es, Vertrauensleute im Milieu der organisierten Kriminalität anzuwerben. Wir wollten wissen: Wer sitzt da ganz oben und erteilt die Aufträge, wie verändern sich mit der Zeit die Geschäftsmodelle, die Lieferrouten, wohin fließt das dreckig erwirtschaftete Geld am Ende zurück. Und so etwas erfährst du nicht über technische Überwachungsmaßnahmen, auch nicht von dem Typen mit einer weißen Weste, sondern du musst jemanden finden, der im Milieu drinsteckt", sagt Leo Martin bei "heute wichtig".  

Und solche Operationen waren oft nicht ungefährlich, besonders dann, wenn Leo Martin drohte aufzufliegen. Grundsätzlich hatte er in seiner Zeit beim Verfassungsschutz zwei Prinzipien, an die er sich gehalten hat: "Wenn du Vertrauen aufbauen willst, geht es um Klarheit in der Kommunikation, also dem Anderen die Sicherheit zu geben, woran er bei dir ist. Und das Zweite ist das Grundbedürfnis auf Wertschätzung und Anerkennung." 

 

Realistische Legenden als Tarnung 

Leo Martin hat seine Zielpersonen scheinbar ganz zufällig getroffen. Über gemeinsame Hobbys und Interessen hat sich der Agent das Vertrauen der anderen Person erarbeitet. Der Agent Martin war unter einem anderen Namen und mit einer ausgedachten Geschichte unterwegs, jedoch war hier eine realistische Geschichte gefragt, denn: "Die beste Legende ist die, die am dichtesten an der Wahrheit ist", sagt er. Es mussten also Interessensgebiete oder ein Tarn-Job sein, in dem er sich gut auskannte oder von dem sein Gegenüber wenig Ahnung hatte. Und dabei war immer wichtig: "Die Kunst ist, respektvolle Kommunikation auf Augenhöhe auch dann zu leben, wenn es nicht nach Plan läuft, wenn da hoher Druck ist." Heute hält Leo Martin Vorträge und gibt Trainings zu Formen der Kommunikation.  

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