VG-Wort Pixel

Belgien Künstliche Intelligenz bestraft Politiker, die im Parlament auf ihr Handy starren

Kunstinstallation von Dries Depoorter
Die Politiker des flämischen Parlaments und ihre Handys werden über eine künstliche Intelligenz erfasst
© Dries Depoorter
Parlamentssitzungen werden schon einmal lang und gehen bis in die Abendstunden. Bei den ausführlichen Debatten können sich auch einige Politiker den gelegentlichen Blick aufs Handy nicht verkneifen. Ein belgischer Künstler stellt sie nun mithilfe künstlicher Intelligenz bloß.

Parlamentssitzungen nehmen in der Regel viele Stunden in Anspruch. Dass die Aufmerksamkeit der Abgeordneten da nicht immer vollständig auf der Debatte liegt, ist nicht verwunderlich. Spätestens seitdem der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow in einem Stream auf der Audio-Plattform Clubhouse ausplauderte, dass er sich die Zeit während der Ministerpräsidentenkonferenzen auch schon einmal mit einer Runde Candy Crush versüßt, sind auch in Deutschland Politiker, die Ablenkung auf dem Smartphone suchen, keine Neuheit mehr.

Wer allerdings im flämischen Parlament in Belgien auf seinen Handy-Bildschirm schaut, statt aufmerksam an der Sitzung teilzunehmen, wird seit Kurzem von einer künstlichen Intelligenz entdeckt und öffentlich angezählt. Dies ist möglich, da alle Debatten des Parlaments im Livestream über Youtube aufgezeichnet werden. Die Übeltäter werden bei einem Vergehen auf Instagram und Twitter mit einem Beweisvideo daran erinnert, sich doch bitte wieder der Sitzung zuzuwenden. Innerhalb weniger Tage abonnierten mehrere tausend Menschen die Profile der "Flemish Scrollers".

Künstliche Intelligenz erkennt Gesichter und Handys der Politiker

Hinter der Aktion steckt der Künstler Dries Depoorter. Alle seine Werke drehen sich um digitale Installationen und künstliche Intelligenz (KI). Hinter der KI steckt ein Programm, welches mithilfe von Gesichtserkennung sowohl den jeweiligen Abgeordneten als auch das Hauptaugenmerk der Aufmerksamkeit ermittelt. Sollte der Blick aufs Handy gerichtet sein, wird automatisch ein Posting erstellt und veröffentlicht.

Seit dem Start des Kunstprojektes vergangene Woche hat sich bisher keiner der Erwischten öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Allerdings könnte dies auch daran liegen, dass die Handynutzung nicht zwangsläufig mit einer Ablenkung einhergehen muss. Es erscheint zumindest nicht unwahrscheinlich, dass sich viele der Politiker mit Arbeit oder einer schnellen Recherche beschäftigen. Denn was auf den Bildschirmen der Abgeordneten passiert, bleibt ein Geheimnis.

Experten warnen: Durch Corona hat die Mediennutzungszeit bei Kindern extrem zugenommen.

Sehen Sie im Video: Im Durchschnitt hängen Jugendliche etwas mehr als vier Stunden pro Tag am Handy, Laptop oder Tablet. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist diese Zahl um rund ein Viertel gestiegen, auch wegen Corona.

Quelle:Driesdepoorter.be


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker