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Massaker in Norwegen: Attentäter will sich öffentlich äußern

Der mutmaßlich norwegische Attentäter hat nach Augenzeugenberichten mehr als 45 Minuten auf Jugendliche im Ferienlager auf der Insel Utøya geschossen. Zu seiner Tat will er bei einem Hafttermin öffentlich begründen. Jetzt habe die "Propagandaphase" begonnen, sagte er der Polizei.

Der mutmaßlich norwegische Attentäter hat nach Augenzeugenberichten mehr als 45 Minuten auf Jugendliche im Ferienlager auf der Insel Utøya geschossen. Das berichtete die 22- jährige Nicoline Bjerge Schie in der Online-Ausgabe der Zeitung «Dagbladet». Die junge Frau hatte sich selbst mit Freunden hinter einem Felsen am Wasser versteckt. 84 Todesopfer wurden dort später geborgen. Bei einer Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel starben zuvor sieben Menschen.

Anders Behring Breivik will die beiden Anschläge mit fast hundert Toten bei einem Hafttermin öffentlich begründen. Das kündigte sein Anwalt Geir Lippestad am Sonntag im TV-Sender NRK an. Sein Mandant wünsche bei dem Termin am Montag in Oslo keinen Ausschluss der Öffentlichkeit und wolle die eigenen Motive darlegen.

"Übergang zur Propagandaphase"

Die Zeitung "Aftenposten" zitierte in ihrer Online-Ausgabe aus einem "Manifest" Breiviks, dass er die mögliche eigene Festnahme nach dem Massaker als "Übergang zur Propagandaphase" einstufe. Der Attentäter hatte sich nach dem eineinhalbstündigen Massaker ohne Gegenwehr den auf der Insel eingetroffen Antiterror-Spezialisten der Polizei ergeben.

Nach den Angaben von Lippestad stufte der Inhaftierte seine Taten gegenüber der Polizei als "grausam aber notwendig" ein. In seinem "Manifest" hatte er vor allem den Islam und "multikulturelle" Kräfte in Europa als Feinde eingestuft. Im Fernsehsender NRK meinte Lippestad, es sei klar, dass man angesichts des Ausmaßes des Morden die Zurechnungsfähigkeit des Attentäter anzweifeln müsse.

ste/DPA / DPA