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Ursula von der Leyen "Wo sind die ganzen Frauen geblieben?"

An der Uni war sie eine von vielen Medizin-Studentinnen, sagt Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission. Doch kaum eine der Kommilitoninnen sei in einem Führungsjob angekommen.

Sie ist Medizinerin mit Schwerpunkt Gynäkologie, hat sieben Kinder, war Familienministerin, Arbeitsministerin, Verteidigungsministerin und führt nun als erste weibliche Präsidentin die EU-Kommission. Auch Ursula von der Leyen sagt "Ich bin eine Quotenfrau" – und sie ist anlässlich des stern-Projekts, zugeschaltet aus dem Brüsseler Lockdown, zu Gast in einer Sonderfolge des stern-Podcasts "Die Boss", der am Donnerstag, 10 Uhr, erscheint.

Die Präsidentin erzählt im Gespräch mit Podcast-Gastgeberin Simone Menne offen von den Brüchen in ihrem beruflichen Leben: Sie habe zum Beispiel erst Archäologie und Forstwissenschaft studiert und sei "krachend gescheitert", sagt sie. "Es ging also gleich mal mit einer Niederlage los." 

Ursula von der Leyen: "Das hat mir die Augen geöffnet"

Die zweite Hürde sei gekommen, als sie als frisch approbierte junge Ärztin schwanger wurde. "Die Reaktion im Krankenhaus war: tiefe Enttäuschung. Das konnte ich mit Händen spüren. So nach dem Motto: 'Das war's dann. Wir hatten eigentlich so viel vor mit Dir. Jetzt bist Du für die Wissenschaft nicht mehr geeignet, für die Uniklinik auch nicht so richtig.' Das war das Erste, was ich erlebte."

Heute zeige sich, dass viele ihrer ehemaligen Mitstudentinnen in der Medizin aus dem Job ausgestiegen sind. "Wenn ich zurückblicke nach 30, 40 Jahren, dann frage ich mich, wo sind die ganzen Frauen geblieben, die damals mit mir studiert haben? Das ist eine einstellige Prozentzahl die Frauen in den Führungspositionen in der Medizin. Und das hat mir doch sehr stark die Augen geöffnet." Aus diesen und anderen Erfahrungen, sagt von der Leyen, habe sie den Schluss gezogen: Ohne gesetzliche Frauenquoten gehe es nicht.

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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