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Studie: Fremdenfeindlichkeit in der DDR

Gewalttätige Übergriffe waren in der DDR nie öffentliches Thema, dabei hat es Gewalt gegen Ausländer immer gegeben. Das behaupten Historiker in der Studie "Fremde und Fremd-Sein in der DDR".

Die Ursachen für Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland sind nach einer Historiker-Studie eng mit der DDR- Geschichte verknüpft. Gewalttätige Übergriffe seien in der DDR kein öffentliches Thema gewesen, doch habe es immer Gewalt gegen Ausländer gegeben, sagte der Mitherausgeber der Dokumentation, Patrice Poutrus, in Potsdam. Er stellte das Werk "Fremde und Fremd-Sein in der DDR" am dortigen Zentrum für Zeithistorische Forschung vor.

Integration von Ausländern erschwert

Den Anstoß für das Buch gab laut Poutrus die Welle von Ausschreitungen, die Ostdeutschland 2000 erschütterte. Die Autoren bringen die Fremdenfeindlichkeit in der DDR eng mit der SED-Diktatur in Zusammenhang. Da es in der DDR keine "öffentliche Entwertung nationalistischer Weltanschauungen" gegeben habe, sei die deutsche Nation ein zentraler Bezugspunkt für Regime und Bevölkerung geblieben - eine geschlossene Gesellschaft, zu der Fremde keinen Zutritt hatten. Das habe die Integration von Ausländern nach dem Mauerfall erschwert. Ferner sei nach 1989 für viele der Antifaschismus durch SED- und Stasi-Seilschaften in Misskredit geraten.

Die 370 Seiten starke Publikation, die sich überwiegend auf unveröffentlichte Quellen stützt, ist in vier Kapitel gegliedert und behandelt den Umgang mit der sowjetischen Besatzung, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sowie soziale Ausgrenzung in der DDR. Das letzte Kapitel beleuchtet den Umgang mit Minderheiten in der DDR. Nach den Worten des brandenburgischen Bildungsministers Steffen Reiche (SPD) untersucht das Werk die Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit in der DDR "in nicht gekannter Tiefe".

DPA