Der Abwasch der Woche Südosteuropäische Freunde und niedere Instinkte


Rumänien, kein Land, das uns kalt lässt - auch wenn wir nicht Jürgen Rüttgers heißen. Zeit für den Abwasch.
Von Axel Vornbäumen

In der äußerst beliebten Reihe "Länder, denen manchmal übel mitgespielt wird" widmen wir uns heute, liebe User, natürlich: Rumänien. Mittwoch zu Hause nur 1:1 gegen Österreich, bitte sehr, die WM-Quali ist nun endgültig im Eimer. Gegen die Ösis! Schlimm! Hier schon mal unser Mitleid.

Dies hier ist allerdings eine politische Kolumne, der Fußball hat da normalerweise nix zu suchen, höchstens mal als Metapher. Doch der Rumäne an sich ist ja dieser Tage auch so noch in aller Munde. Nach neusten Erkenntnissen schläft er morgens gerne lange, was nichts macht, weil er ja auch im Wachzustand (siehe das 1:1 gegen Österreich!) nicht zu allzu viel zu gebrauchen ist. Bitte, das ist jetzt kein Rassismus. Das ist frei nach aber doch ziemlich eng an Jürgen Rüttgers. In den Abwasch von dieser Woche gehört es streng genommen eigentlich gar nicht mehr rein, weil das Zitat ja schon ein bisschen zurückliegt und der Rüttgers, der hat sich ja dafür auch schon längst entschuldigt.

Nur, ein paar Wellen hat es in unser aller Abwaschwasser - und beileibe nicht nur in NRW - dann doch geworfen. Wahrscheinlich, weil sonst praktisch nix los war in diesen Tagen, sturzlangweilig mal wieder alles, die Politik inklusive. Wenigstens hatte ein Teil der wach gebliebenen Republik Zeit, über die Frage nach zu denken, ob unsere südosteuropäischen Freunde besonders gut dazu taugen im Wahlkampf bei unsereinem niedere Instinkte zu befördern, Arbeitsplatz erhaltungsmäßig gesehen. Und? Ja. Also besser natürlich: Nein. Außenminister Frank-Walter Steinmeier prophezeite jedenfalls Schaden für die Außenpolitik, wobei er allerdings offen ließ, ob er glaubt, dass er demnächst damit noch irgendetwas zu tun hat. Steinmeier sprach dann noch von "Schande", womit er das 1:1 gegen die Ösis ausdrücklich nicht gemeint haben kann, sondern die Äußerung für die sich Rüttgers bereits entschuldigt hatte.

Verbaler Gegenangriff

Rüttgers' Integrationsminister Armin Laschet ist dann in dieser Woche irgendwann zum verbalen Gegenangriff übergegangen und hat behauptet. "Wer Jürgen Rüttgers Rassismus vorwirft, vergiftet das Klima für Integration und banalisiert wirklichen Rassismus." Wenn Laschet Recht hätte, dann hätte sich Rüttgers auch nicht entschuldigen müssen. Hat er aber. Vielleicht ist das ja ein Fall für den Volksmund, der behauptet: Über Geschmack lässt sich streiten. Über Geschmacklosigkeit auch.

Schön auch noch, dass in dieser Woche ein Geldautomat der Volksbank Konstanz vor dem Herausrücken der Kohle die Frage beantwortet haben wollte: "Wohnen Sie in Rumänien?" Das Geld kam übrigens in jedem Fall, egal ob man Ja oder Nein gedrückt hatte. Rassistisch ist dies dann ja wohl nicht.

Man würde gerne wissen, was Udo Walz zu all dem sagt, der beliebte Friseur, aber der kann gerade nicht, weil er in Potsdam die Hochzeitsfeier heute für Barbara Becker, nun ja, vorbereiten muss. Barbara Becker war mal mit Boris Becker verheiratet, und der hatte, so viel kann man ja nun wirklich sagen, seine besten Zeiten, als er von Ion Tiriac gemanagt wurde. Tiriac ist, natürlich - ein Rumäne.


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