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Nach Rüttgers-Fauxpas: CDU lässt SPD-Chefin von Videoprofis filmen

Da muss doch was zu finden sein?! Nach dieser Maxime lässt die nordrhein-westfälische CDU Auftritte der SPD-Landeschefin Hannelore Kraft von Videoprofis dokumentieren. Die Hoffnung: Kraft möge sich ähnliche Ausrutscher leisten wie Ministerpräsident Rüttgers, der jüngst rumänische Arbeiter pauschal verunglimpft hatte.

Vor nicht allzu langer Zeit wäre es noch ein Skandal gewesen, inzwischen ist es eine zumindest tolerierte Wahlkampfpraxis: Die nordrhein-westfälische CDU lässt nach einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung Auftritte der SPD-Landeschefin Hannelore Kraft von Videoprofis dokumentieren - offensichtlich in der Hoffnung, die Sozialdemokratin bei einem ähnlichen Fauxpas zu erwischen, wie ihn sich NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) jüngst geleistet hat. Rüttgers hatte während einer Rede im Ruhrgebiet rumänische Arbeiter pauschal als faul und unzuverlässig beschimpft. Dokumentiert hatte diesen herben Ausrutscher ein Juso-Mitglied, der sein Amateurvido auf der Video-Plattform Youtube veröffentlichte.

Dass man auf eine Retourkutsche für das Rüttgers-Video hofft, bestreitet die NRW-CDU zwar, nicht jedoch den Umstand selbst. Eine Düsseldorfer Filmproduktionsfirma hat von der CDU-Landeszentrale den Auftrag erhalten. "Bei jeder Veranstaltung, die uns mit Frau Kraft zur Kenntnis kommt, sind wir mit der Kamera dabei", zitiert das Blatt einen CDU-Sprecher. Die Videoprofis seien lediglich engagiert worden, weil sämtliche eigenen Leute derzeit durch den Wahlkampf anderweitig ausgelastet seien, so die CDU.

"Natürlich ist uns der Videobeweis wichtig", wird Hendrik Wüst, Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU zitiert. "Deshalb machen wir das seit Jahren." Auf diese Weise habe die CDU bereits das "Geeiere" der SPD-Chefin "im Umgang mit der Linkspartei entlarvt", so Wüst weiter. Sämtliche Videos würden nach geeigneten Passagen für Anti-Kraft-Kampagnen ausgewertet.

Die Landes-SPD lässt diese systematische Verfolgung ihrer Vorsitzenden allerdings kalt. Im Gegenteil: Auch die NRW-SPD filmt laut den politischen Gegner regelmäßig. "Bisher gibt es von uns aus aber keine systematische Videoüberwachung von Rüttgers", wird ein SPD-Sprecher zitiert. Auch die beiden übrigen Parteien im Düsseldorfer Landtag reagieren laut dem Bericht gelassen auf die Praxis der CDU. Die FDP hält nach eigenen Angaben nichts von einem solchen "Negativ-Wahlkampf", die Grünen wollen sich angeblich "auf eigene Inhalte konzentrieren".