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Hochinzidenzgebiet Viele Spanienurlauber nehmen die Quarantäne wohl in Kauf – von Aufbruchstimmung keine Spur

Spanien ist jetzt Hochinzidenzgebiet
Touristen im spanischen Malaga
© Jesus Merida / Picture Alliance
Wer aktuell in Spanien urlaubt, steht vor einer schweren Entscheidung: Reise abbrechen oder fortsetzen? Ab Dienstag ist das Land Hochinzidenzgebiet. Für viele Rückkehrer bedeutet das Quarantäne.

Für Spaniens Tourismusbranche war die Einstufung als Hochinzidenzgebiet eine herbe Klatsche, betrifft sie doch auch Top-Urlaubsziele wie Mallorca und die Kanaren. Noch bis Montag, 23.59 Uhr, können die Urlauber unter Vorlage eines negativen Corona-Tests in die Heimat zurückzukehren. Alle, die keinen Nachweis über eine bereits überstandene Corona-Erkrankung oder vollständige Impfung erbringen können und später heimkehren, müssen in Quarantäne – zehn Tage. Erst nach fünf Tagen besteht die Möglichkeit, sich freizutesten. Doch die Urlauber scheint das kaum zu jucken. Von Aufbruchstimmung keine Spur.

Nach Angaben des Reiseveranstalters Tui gab es bis Sonntag zunächst kaum Anzeichen, dass eine größere Zahl von Menschen ihren Mallorca-Urlaub vorzeitig abbrechen oder bereits gebuchte Aufenthalte stornieren wollte. "Erste Informationen von der Playa de Palma deuten darauf hin, dass die Gäste weiter ihren Urlaub auf Mallorca verbringen möchten. Sie fühlen sich vor Ort gut aufgehoben, meiden größere Menschenansammlungen und sind zum großen Teil schon geimpft", sagte Tui-Sprecher Aage Dünhaupt am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Dieser Trend habe sich auch am Sonntag fortgesetzt.

Wollte Spanien zu viel?

Deutsche Urlauber auf Mallorca, mit denen ein dpa-Reporter sprach, gaben sich recht gelassen. "Mein Mann und ich sind geimpft. Wir sind relativ entspannt, aber ein unwohles Gefühl ist auch schon dabei", sagte Sabrina aus Remagen, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern zurzeit Urlaub auf Mallorca macht. Zu Hause hätten sie einen Garten und würden die Quarantäne der Kinder in Kauf nehmen. Nancy Immel, die mit ihrem 17-jährigen Sohn in Cala Ratjada Urlaub macht, sagte, man müsse lernen, mit dem Virus zu leben. Ganz verschwinden werde Corona wohl nicht mehr.

Spanien hatte den Tourismus im Land nach Monaten der Pandemie wieder ankurbeln wollen, viele Corona-Maßnahmen vor der Saison gelockert. War das zu optimistisch? Bereits vor zwei Wochen, als immer klarer wurde, dass Deutschland das Urlaubsland auf die Liste der Hochinzidenzgebiete setzen würde, bat die Tourismusministerin Reyes Maroto noch, Spanien nicht zu "stigmatisieren".  Es gebe kein Grund zur Panikmache, das Land sei sicher. Der Tourismus ist für Spanien enorm wichtig. In normalen Zeiten trägt die Branche mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und sichert Hunderttausende Arbeitsplätze.

Inzidenz unter Jüngeren extrem hoch

Zuletzt schnellte die Zahl der Neuinfektionen extrem nach oben. Vor zwei Wochen lag die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 200 pro 100.000 Einwohnern, inzwischen liegt sie bei 338. In manchen Gebieten Spanien sogar noch um ein Vielfaches höher. Vor allem unter den Jüngeren breitet sich das Virus rasend schnell aus. in Katalonien lag die 14-Tage-Inzidenz in dieser Altersgruppe in den vergangenen Tagen schwindelerregend hoch bei über 3000. 

Spanien kritisiert, dass die Einschätzung als Hochinzidenzgebiet allein an der Inzidenz festgemacht werde. Stattdessen sollten Faktoren wie Krankenhausbelegung und Impfquote einbezogen werden, wenn es um die Frage ginge, ob ein Land sicher sei. In Spanien sind inzwischen rund 54 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, das ist eine höhere Impfquote als Deutschland aufweisen kann. Doch obwohl die Lage landesweit in den Krankenhäusern noch relativ entspannt scheint, füllen sich die Betten in einigen Gebieten bereits wieder. In der Region Katalonien sollen inzwischen 40 Prozent der Intensivbetten von Corona-Patienten belegt sein.

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Kritik vom Deutschen Reiseverband

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisierte die Entscheidung der Bundesregierung. Dies mache mitten in der Ferienzeit "zahlreichen Reisenden und insbesondere vielen Familien mit Kindern die Urlaubspläne zunichte", sagte Präsident Norbert Fiebig. Der Verband schätzt, dass aktuell etwa 200.000 Pauschalreisende aus Deutschland in Spanien Urlaub machen, davon 60 Prozent auf den Balearen mit Mallorca. Hinzu kommen noch etwa 200.000 Individualtouristen.

Pauschalurlauber, die aktuell in Spanien sind, werden nach Angaben des DRV von ihrem Veranstalter über die geänderte Situation informiert. Sollten Reisende vorzeitig ihren Urlaub beenden wollen, kümmerten sich die Veranstalter um eine Flugumbuchung. Auch Urlauber, die in den nächsten Tagen eine Reise nach Spanien geplant haben, würden von den Veranstaltern kontaktiert. Deutschlands zweitgrößter Reiseveranstalter DER Touristik hatte bereits angekündigt, dass Gästen kostenfreie Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten angeboten würden.

Quelle: Euronews, SZ, dpa

tpo

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