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Bahnreisen bei Winterwetter Nur jeder fünfte ICE pünktlich


Nicht nur Fahrgäste, auch Bahn-Manager sind von den schlechten Pünktlichkeitswerten der Bahn in diesem Winter geschockt. Jetzt bringt das Schneechaos der vergangenen Wochen die Bahn auch politisch unter Druck.

Schnee, Eis und Dauerfrost setzen der Deutschen Bahn (DB) massiv zu. Von Pünktlichkeit im Eisenbahnverkehr kann keine Rede mehr sein. Im Nahverkehr fahren teils nur 60 Prozent der Züge pünktlich, im Fernverkehr manchmal nur gut 20 Prozent, wie der "Tagesspiegel" am Donnerstag unter Berufung auf eine DB-Statistik berichtete.

In der Zeit zwischen dem 13. bis zum 26. Dezember waren die Einschränkungen für Fahrgäste besonders unangenehm. Demnach kamen am zweiten Weihnachtstag nur 20,5 Prozent der ICE und IC pünktlich ans Ziel, am 17. Dezember waren es 22,2 Prozent. Im Durchschnitt fuhren in der Woche ab dem 13. Dezember nur gut 40 Prozent der Züge fahrplanmäßig, in der Woche ab dem 20. Dezember knapp 30 Prozent.

Unpünktlich wie seit Jahren nicht

Im Regionalverkehr lag die Pünktlichkeitsrate laut der Statistik am 17. Dezember bei 61,3 Prozent. Im Durchschnitt der beiden Wochen zuvor fuhren noch 73 Prozent der Nahverkehrszüge, wie sie im Fahrplan angekündigt waren. "Es stimmt: Wir haben einzelne Züge mit großen Verspätungen in den letzten Wochen gehabt", sagte ein Bahnsprecher. Der überwiegende Teil der täglich 5,7 Millionen Fahrgäste im Nah- und im Fernverkehr habe sein Ziel aber erreicht, betonte er. Die Bahn verwies auf die Jahresgesamtbetrachtung: Im Jahresdurchschnitt führen neun von zehn Zügen fahrplanmäßig.

Der "Tagesspiegel" hingegen zitierte einen "einflussreichen Bahn-Manager" mit den Worten, die Bahn sei "geschockt" von den schlechten Pünktlichkeitswerten. Das habe es so in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Es sei in diesem Jahr "einfach zu viel zusammengekommen".

Unhaltbare Zustände

Nach harscher Kritik an den Zuständen im Fernverkehr kommt die Bahn nun auch wegen der Probleme im Nahverkehr unter Druck. Die Zustände seien "unhaltbar", sagte Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD). Sein niedersächsischer Kollege Jörg Bode (FDP) sprach von einer "Situation, die nicht mehr zu akzeptieren ist".

In einem von der Zeitung "Die Welt" zitierten Positionspapier der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr, dem Zusammenschluss der für den Nahverkehr zuständigen Bundesländer und Regionen, heißt es: "Seit dem Wintereinbruch häufen sich Ausfälle und Verspätungen. Und nicht nur der viel thematisierte Fernverkehr, sondern vor allem der Personennahverkehr ist von zum Teil massiven Qualitätsproblemen betroffen."

"Die Dividenden-Pläne müssen vom Tisch"

Niedersachsens Verkehrsminister Bode forderte, der Bund müsse überprüfen, "ob es Sinn macht, sich von der DB AG eine Dividende von jährlich 500 Millionen Euro zahlen zu lassen". Auch der Verkehrsexperte der SPD im Bundestag, Uwe Beckmeyer, sagte der Zeitung: "Die Dividenden-Pläne müssen vom Tisch. Das Geld ist nötig, um die Bahn wieder flott zu machen."

Die Verkehrsminister der Länder wollen sich am Montag auf einer Sonderkonferenz in Berlin mit den Problemen bei der Bahn befassen. Dabei dürfte es auch um hohe Rückforderungen der Länder und Verkehrsverbünde an die Bahn wegen Vertragsverstößen gehen. Bereits vor einer Woche hatten mehrere Bundesländer, die Leistungen im Regional- und Nahverkehr bestellen, angekündigt, Millionensummen zurückverlangen zu wollen.

Zu der Konferenz ist auch Bahn-Chef Rüdiger Grube geladen. Grube soll am selben Tag auch dem Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Situation der S-Bahn Auskunft geben. Dort fallen seit eineinhalb Jahren in größerem Umfang Züge aus. Wegen technischer Pannen bei den S-Bahnen musste der Fahrplan zu Jahresbeginn nochmals zusammengestrichen werden.

tib/AFP/DPA DPA

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