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Deutschland-Wetter: "Wir lassen uns die Laune nicht vermiesen"

Regen, heftiger Wind und Wolken am Himmel: Ausgesprochenen Humor müssen in diesem Jahr Touristen am Strand von Nord- und Ostsee beweisen. Der Knüller ist Beachvolleyball im Winterpulli.

Dunkle Wolken verhängen den Himmel von Laboe am Eingang der Kieler Förde. Heftiger Wind pfeift, Nieselregen tropft auf die leeren Strandkörbe. Wo sich sonst bei gutem Wetter unzählige Sonnenhungrige an der Ostsee tummeln und im kühlen Nass erfrischen, sind derzeit nur ganz vereinzelt Touristen anzutreffen. So sieht es auch an der Nordsee aus: Am Strand von Dagebüll (Kreis Nordfriesland) etwa sind die traditionellen Sommerbuden leer, nur wenige Spaziergänger trotzen in Winterkleidung dem schlechten August-Wetter."Wir lassen uns die Laune nicht vermiesen", sagt der zwölfjährige Tobias aus Kleve in Nordrhein-Westfalen, der in Laboe am Wasser entlang spaziert. Eine verregnete Woche lang ist Tobias nun schon mit seinen Eltern hier in den Ferien. Die Zeit hat er sich gut vertrieben: "Ich habe schon viele Krebse gefangen", berichtet er, in der Hand hält er seinen Kescher.

Das Beste daraus machen

Auch Mona und Dirk Hansen aus Berlin haben in ihrem Urlaub noch kein einziges Mal im Strandkorb gesessen. Eingemummelt in ihre Regenjacken spazieren sie durch den Sand, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung", sagt Dirk Hansen lachend.Einige Meter weiter spielt Familie Neumann Beachvolleyball - in Jeans und dicken Winterpullis. Ihre Zeit an der Ostsee ist fast zu Ende, nur einmal haben sich die Urlauber aus der Lüneburger Heide ins Wasser gewagt. Ansonsten stand Schwimmen im Meerwasser-Hallenbad auf dem Programm: "Wir haben trotzdem das Beste aus dem Urlaub gemacht", sagt Frank Neumann.

Burgen bauen geht

Ins Wasser hat sich an diesem regnerischen Tag niemand gewagt, nur die Surfer nutzen den Wind. Mit einem lauten Knattern dreht der bunte Drachen der Familie Lohl aus dem thüringischen Weimar seine Runden, mit aller Kraft hält Vater Marko beide Leinen. Tochter Aileen, 5, möchte sich vom schlechten Wetter den Spaß am Burgen bauen nicht nehmen lassen. "Es wäre aber schon schön, wenn endlich mal die Sonne scheinen würde", hofft Mutter Claudia.An den Kiosken am Strand von Laboe bleiben die durchnässten Bänke leer. Die wenigen Besucher, die Lust auf Fischbrötchen haben, drängen sich unter einem Dachvorsprung. "Die Leute sind ganz schön quäkig, weil sie nicht an den Strand können", berichtet Imbissverkäuferin Ulrike Steffen. Das Geschäft laufe wegen des schlechten Wetters derzeit eher schleppend. Auch im Eiscafé stehen an diesem kalten Tag keine Eisbecher auf dem Tisch. Die wenigen Besuchen wollen sich vielmehr wärmen - mit Kakao und Kaffee.

Stephanie Lettgen/DPA / DPA

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