100 Jahre deutsche U-Boote Zum Jubiläum ein neues Boot


In Eckernförde feiert die Deutsche Marine Jubiläum. Vor rund 100 Jahren wurde das erste deutsche U-Boot in Dienst gestellt. Zu Beginn der Feierlichkeiten gab's ein brandneues Unterseeboot aus deutscher Produktion, mit umweltschonender Antriebstechnik.

Das Leben unter Wasser ist vor allem eines: eng. Die 24 Crewmitglieder von U 15 teilen sich eine Toilette mit Dusche - ein Eisenverschlag mit Gitterrost-Boden. In einem U-Boot wird kein Quadratmeter verschwendet. "Der Raum wird auch noch als Lager für Signalmunition benutzt", sagt Kapitänleutnant Michael Wiedemann, einer von rund 350 aktiven U-Bootfahrern der Bundeswehr.

Vor gut 100 Jahren stellte das Kaiserreich das erste deutsche Tauchboot "U1" in Dienst. Heute verfügt das U-Boot-Geschwader im Ostseestützpunkt Eckernförde über die modernste nicht-nukleare Unterseetechnik der Welt - ein Exportschlager.

In dieser Woche feiern die Deutsche Marine und der Verband deutscher U-Bootfahrer das Jubiläum mit einem umfangreichen Programm. Unter anderem wird in Kiel eine Ausstellung zum Thema eröffnet. Vor dem Ehrenmal im nahen Laboe soll es zudem eine U-Boot-Parade geben. Zum Auftakt der Feierlichkeiten hat die Deutsche Marine ihr neues Unterseeboot in Dienst gestellt. U 34 mit dem Heimathafen Eckernförde sei mit einem Brennstoffzellenantrieb ausgestattet. Die U-Boote der Klasse 212 A mit 27 Mann Besatzung sind 56 Meter lang und 11,5 Meter hoch. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 20 Knoten.

Spätstarter in der Tiefe

Deutschland war ein Spätstarter bei den Waffen für die Tiefe. Großbritannien und Frankreich hatten um 1900 schon einige Jahre vor dem Deutschen Reich erste militärische U-Boote angeschafft. "Es gab sehr spät ein maritimes Bewusstsein im deutschen Staatengefüge", sagt der Vize-Kommandeur des U-Boot-Geschwaders, Lars Thomas.

Als taktische Waffe erlangten Tauchboote ohnehin erst im Zweiten Weltkrieg große Bedeutung. Damals ging es vor allem um das Kappen von Handelswegen und den Angriff auf Kriegsschiffe. Doch die Folgen für die U-Boot-Besatzungen waren schrecklich. Fast 30.000 der 41.000 deutschen U-Boot-Soldaten im Zweiten Weltkrieg starben im Einsatz. Lothar Buchheims Schilderungen in "Das Boot" prägen bis heute die Vorstellung der meisten Bundesbürger vom Alltag in einem Unterseeboot. Sie verbinden mit einem "KaLeu" (Kapitänleutnant) das vernarbte Gesicht des Schauspielers Jürgen Prochnow.

Junge Mannschaften

U 15-Kommandant Michael Wiedemann sieht völlig anders aus: ein smarter Offizier mit silberfarbener Designerbrille. Er ist erst Mitte 30. Wegen des besonderen Aufbaus der Marinelaufbahn gehört er damit aber zu den ältesten aktiven deutschen U-Bootfahrern. "Die Mannschaft ist im Schnitt 28 Jahre alt und damit oft jünger als ihr Boot." In der Regel dürfen nur Unteroffiziere auf U-Booten dienen. Die Marine hatte die Ausbildungsanforderungen drastisch verschärft, nachdem 1966 beim Untergang von "U-Hai" vor Helgoland 19 Soldaten gestorben waren. Seither werden U-Boot-Fahrer erst einzeln, dann im Team geprüft.

"Menschen mit großem Sendungsbewusstsein können wir nicht gebrauchen", sagt "KaLeu" Wiedemann. "Wir haben eher den ruhigen, in sich gekehrten Typ an Bord." Und Vize-Geschwaderkommandeur Thomas ergänzt, Wochen oder Monate mit dem Team auf engstem Raum eingesperrt zu sein, das erfordere eine sehr hohe Belastungsfähigkeit und enorme soziale Kompetenz. Die finde sich bei der Videospiel- und Einzelkind- Generation immer seltener. "Früher gab es Großfamilien, deren Kinder es gewohnt waren, sich wenig Raum zu teilen. Die Jugend wird heute ganz anders sozialisiert." Thomas sagt, in manchen Lehrgängen liege die Abbrecherquote bei 50 Prozent. Bei den erfolgreichen Absolventen sind auch schon eine Hand voll Frauen.

Mittel der verdeckten Aufklärung

Mit ihren Fertigkeiten für flache Gewässer in Küstennähe passen die deutschen U-Boote jetzt perfekt in die Zeit. "U-Boote sind heute Mittel der verdeckten Aufklärung", sagt Thomas. Unbemerkt beschatten sie Waffenhändler auf See. Torpedo-Abschüsse sind im Anti-Terror- Kampf weniger gefragt, obwohl deutsche Technik auch hier als weltweit führend gilt.

Aus Not die Umwelt schonend

Eine andere Innovation entstand aus der Not. Wegen Auflagen der Alliierten durften die Eckernförder keine nuklearen Technologien verfolgen. Sie setzten schließlich auf Brennstoffzellen. Heute gilt die neue Baureihe 212 als modernste U-Boot-Technik der Welt und ist viel umweltschonender als US-Boote mit Nuklearantrieb.

"Es fällt schwer, der Bevölkerung zu erklären, wie wichtig die Sicherung von Seewegen ist", sagt Thomas. Die Weltwirtschaft hänge von funktionierenden Schifffahrtswegen ab. Dass U-Boote aus dem Blickwinkel der Normalbürger im Verborgenen operieren, ist allerdings nicht neu. Schon zu Zeiten der ersten Einsätze bewies die Öffentlichkeit eine gewisse Ignoranz. Die "Kieler Zeitung" vom 15. Dezember 1906 notierte nur einen knappen Satz: "Das erste deutsche Unterseeboot 'U1' hat gestern in Eckernförde in Dienst gestellt."

Christof Bock/DPA DPA

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