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Stiftung Warentest über Tickets per Apps: Warum Fahrschein-Apps nerven

Ticket-Apps, mit denen Fahrgäste bargeldlos Fahrscheine für Bus und Bahn kaufen können, sind noch nicht ausgereift. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest. Doch es gibt eine Ausnahme.

Es könnte für Touristen und Pendler so einfach sein: Für die gewünschte Stadt die App aufs Smartphone laden, den eigenen Standpunkt orten lassen und das Fahrtziel eingeben. Anschließend werden auf dem Display mehrere Wege mit Verspätungsinformationen vorgeschlagen. Danach einfach die passende Verbindung aussuchen und per Bankeinzug oder Kreditkarte bezahlen - einen Augenblick später erscheint das E-Ticket als quadratischer Bildcode.

Doch in der Praxis erweist sich der "Ticketautomat in der Hosentasche" als Wunschvorstellung. Zwar funktionierten die von der Stiftung Warentest beurteilten Ticket-Apps recht gut. Doch das Angebot an Fahrschienen bleibt auf Einzelkarten beschränkt, die Anmeldung und die Installation erweisen sich als umständlich. Wirklich geeignet seien die Apps nur für Gelegenheitsfahrer und Städtereisende, so das Fazit der Tester.

14 Smartphone-Anwendungen im Test

Insgesamt hat die Stiftung Warentest 14 Smartphone-Anwendungen in den Städten in Hamburg, Berlin, Köln, München, Frankfurt am Main, Dresden und Düsseldorf ausprobiert. Die jeweils angebotenen Apps der Verkehrsgesellschaften prüften die Verbraucherschützer in der Apple-Ausführung und in der Android-Version. Getestet wurden folgende Anwendungen: MVV Companion, BCG Fahrinfo Plus, HVV, VRR, VRS, Handyticket Deutschland Dresden, RMV und DB Navigator

Entscheidend für das Ergebnis war, wie einfach und unkompliziert sich der Ticketkauf gestaltet, sowie die Vollständigkeit und Genauigkeit der angebotenen Verkehrsinformationen. Außerdem floss in die Wertung ein, ob Installation und Anmeldung problemlos funktionierten.

Bestnote 2,7

Am besten schnitt die App des Münchner Verkehrsverbundes mit der Note 2,7 ab. Diese Note erhielt auch die Navigator-App der Deutschen Bahn, die die Tester für den Fernverkehr prüften. Sie bietet demnach zwar umfangreiche Informationen, "der Kauf von Bahntickets klappt aber nur befriedigend". Im Nahverkehr sei der DB Navigator kaum hilfreich, Tickets lassen sich über ihn nicht kaufen.

Kritisiert wurde auch bei allen Apps, dass keine Möglichkeit besteht, sich eine Monatskarte oder Mehrfachfahrkarte zu kaufen. Den günstigsten Tarif müssen die Verbraucher selber herausfinden, ebenso sei die Abrechnung sei unübersichtlich - "alles in allem ein eher mittelmäßiger Service", heißt es im Testbericht. Das zeigt sich auch im Ergebnis. Von 14 getesteten Nahverkehrs-Apps erhielten elf die Note befriedigend, drei die Note ausreichend.

Handy löst den Fahrscheinautomat nicht ab

Eine Umfrage von TNS Infratest ergab, dass sich jeder Dritte gerne ein Bus- oder Bahnticket mit dem Smartphone kaufen würde. Doch bis Fahrschein-Apps Fahrkartenautomaten ablösten, "wird wohl noch viel Zeit vergehen", erklärte die Stiftung Warentest. Das liege auch daran, dass die meisten der rund 500 deutschen Nahverkehrsbetriebe eigene Lösungen suchten statt eine gemeinsame. An einer bundesweiten App werde derzeit noch gearbeitet.

Ziel ist eine App, mit der Bahnfahrer deutschlandweit Fahrkarten für den Nahverkehr kaufen können, egal in welchem Verkehrsverbund sie sich befinden. Ein Problem bleibt bei allen App-Lösungen, wie Stiftung Warentest betonte: der Handyakku. Ist das Smartphone leer, wird das Ticket wird nicht angezeigt, Dann beibt den Verkehrsunternehmen bislang nichts anderes übrig als Kulanz.

Den vollständigen Test können Sie unter test.de gegen eine Gebühr erwerben.

tib/AFP / AFP

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