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Polen: Hallo, Nachbarn!

Keine 100 Kilometer vor den Toren Berlins eröffnet sich ein spannendes Land. Von der Ostseeküste bis zur Hohen Tatra - eine Reise nach Polen weckt Erinnerungen an Kindertage mit langen Nachmittagen am Badesee und Ballspielen auf der Straße.

Warschau (Warszawa)

Um 1000 ein Wachposten an der Weichsel, später Handelsplatz und Herzogsitz, ab Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt. Nach dem Warschauer Aufstand 1944 befahl Hitler, die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. In den Nachkriegsjahren originalgetreuer Wiederaufbau von über 1000 Bauwerken (Unesco-Weltkulturerbe). Die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz (Plac Zamkowy) ist ein beliebter Treffpunkt. Der Altstädtische Markt mit traditionsreichen Gasthäusern, Museen und Luxusläden wird von den Warschauern "gute Stube" genannt. Paläste, Sakralbauten und Parks säumen den Königstrakt, eine elegante Prachtstraße, die das Warschauer Schloss mit der einstigen königlichen Sommerresidenz, dem Palais auf dem Wasser (Lazienki-Palais) verbindet. Am Chopin-Denkmal im Lazienki-Park finden im Sommer Klavierkonzerte unter freiem Himmel statt. Schloss Wilanów am südlichen Stadtrand blieb während der Kämpfe 1944/1945 unversehrt, Architektur und Gartenanlagen harmonieren perfekt. Im "neuen Europa" ist Warschau für westliche Investoren ein bevorzugter Standort. Neben der Altstadt entstanden deshalb zahlreiche Neubauten aus Beton, Glas und Stahl. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre, denn Anfang der achtziger Jahre bescherte die Solidarnosc-Epoche auch Warschau einen Kindersegen. Die jungen Leute wollen Spaß, in Bars, Clubs und Diskotheken.Ausflug: Das Geburtshaus des Komponisten und Pianisten Frederic Chopin in Zelazowa Wola, etwa 50 Kilometer westlich vor den Toren der Hauptstadt, ist heute Chopin-Museum. Sonntags oft Klavierkonzerte polnischer und ausländischer Pianisten.

Krakau (Kraków)

Spuren einer Besiedlung vor 50.000 Jahren. Um 1000 Bistum und Handelszentrum, vom 14. bis zum 18. Jahrhundert war sie Krönungsstadt der polnischen Könige, bis 1596 Hauptstadt. Im 16. Jahrhundert eine der großen Metropolen des Kontinents. Während des Zweiten Weltkrieges blieb die Stadt fast unversehrt (Unesco-Weltkulturerbe), 2000 war sie eine der Kulturstädte Europas. Die Tuchhallen auf dem riesigen Hauptmarkt gelten als älteste Shoppingmeile der Welt. Von der Marienkirche ertönt stündlich ein Trompetensolo. Der Königspalast erhebt sich am Südrand der Altstadt hoch über der Weichsel, bis 1596 diente er als königliche Residenz.

Spielbergs Welterfolg "Schindlers Liste" hauchte der jüdischen Kultur im Stadtteil Kazimierz neues Leben ein. Bis 1939 zählte die Stadt 70.000 Juden, nur tausend sind dem Holocaust entronnen. Heute leben noch 160 in der jüdischen Gemeinde. Das Zentrum für jüdische Kultur ist ein Ort der Begegnung. In beinah jedem zweiten Altstadtkeller findet sich eine Kneipe, eine Bar oder ein Studentenclub.

Auschwitz

Gut 50 Kilometer westlich von Krakau errichteten die Nazis eine in der Menschheitsgeschichte einmalige Tötungsmaschinerie. Das Lager wurde zur Gedenkstätte des Holocaust. Darunter das Stammlager Auschwitz I mit der Aufschrift über dem Eingangstor "Arbeit macht frei". Berge von Schuhen, Koffern, Prothesen, Frauenhaaren, Brillen - erschütternde Zeugnisse. Eintritt kostenlos, Führungen von drei bis acht Stunden. Täglich ab 8 Uhr, April bis 17, Mai bis 18, Juni-August bis 19 Uhr (www.auschwitz-muzeum.oswiecim.pl). Die Gedenkstätte ist von Krakau mit Bus oder Bahn (Fahrplan: www.bahn.de) zu erreichen.

Masuren

Dank spärlicher Industrie, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und geringer Bevölkerungsdichte gehört Masuren im Nordosten Polens zu den ursprünglichen Landschaften des Kontinents. Die "grüne Lunge Europas" zählt etwa 3000 Seen. Viele große und kleinere Wasserläufe sind ein Paradies für Wasserwanderer. Die Großen Masurischen Seen bieten beste Bedingungen für Segler.

Riesengebirge

Karkonosze heißt Rübezahls Reich in Polen und ist als Nationalpark geschützt. Schon Goethe wollte einen Sonnenaufgang auf der Schneekoppe erleben. Einfacher Aufstieg von Krummhübel (Karpacz) zur romantischen Teichbaude. Steil geht es weiter zur Hampelbaude und auf die Schneekoppe (Sniezka).

Ostseeinsel Wollin (Wolin)

Misdroj (Miedzyzdroje), einst die Badewanne der Berliner Schickeria, ist wieder ein lebhafter Kurort am Küsten-Nationalpark Wollin. In den Mischwäldern verstecken sich Horste des Weißen Seeadlers. Etwa 30 Paare finden dort Reviere zum Überleben. Die naturbelassene Küste ist hier der größte Schatz. Wie vor hundert Jahren kann man herrlich strandwandern, ohne von Bettenburgen mit eingezäunten Stränden aufgehalten zu werden.

Danzig (Gdansk)

Der Lange Markt mit Giebelhäusern, Artushof und Neptunbrunnen zählt zu den schönsten Plätzen Europas. Wie ein Wunder erscheint der originalgetreue Wiederaufbau der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Einkehr im Gasthaus "Zum Lachs" gehört zu einem Danzig-Besuch. Hier wird noch immer das originale Danziger Goldwasser ausgeschenkt. Nach dem Rezept von Ambrosien Vermöllen aus dem Jahre 1606 schwimmen 22-karätige hauchdünne Goldplättchen im Likör. Ausflüge: Der Klang aus 8000 Pfeifen machte die Rokokoorgel in der Kathedrale von Oliwa weltberühmt. In der Sommersaison täglich von 10-16 Uhr kurze Orgelkonzerte, auch Internationales Musikfestival. In Zoppot (Sopot) flanieren die Sonnenhungrigen auf der 511 Meter langen Seebrücke. Im Geburtshaus des Schauspielers Klaus Kinski, heute Café Kinski, grinst der Filmbösewicht in verschiedenen Hauptrollen von den Wänden (ul. Kosciuszki 10, täglich 12-24 Uhr).

Bialowieski-Nationalpark

Das Waldgebiet an der polnisch-weißrussischen Grenze zählt zu den letzten Urwäldern Europas. Der bekannte Nationalpark wurde bereits 1921 gegründet, um die vom Aussterben bedrohten Wisente zu retten. Heute leben hier wieder 250 der zotteligen Riesen in freier Wildbahn. Der Park ist nur unter fachkundiger Begleitung zu Fuß oder mit der Pferdekutsche zugänglich (www.bpn.com.pl).

Kerstin Micklitza / print

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