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Geisterflughafen in Indien: Ein neuer Airport verstaubt in der Wüste

Ewige Baustelle: Auf einen konkreten Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafens BER müssen Passagiere und Airlines immer noch warten. Der Jaisalmer Airport im indischen Bundesstaat Rajasthan ist längst fertig - hat aber ein ganz anderes Problem.

Leere Gepäckbänder, auf denen nichts bewegt oder transportiert wird. Zu gering sei die Nachfrage für Flüge nach Jaisalmer, lautet das Argument der Fluggesellschaften. Linienflüge zu diesem Ziel seien unrentabel.

Leere Gepäckbänder, auf denen nichts bewegt oder transportiert wird. Zu gering sei die Nachfrage für Flüge nach Jaisalmer, lautet das Argument der Fluggesellschaften. Linienflüge zu diesem Ziel seien unrentabel.

In Indien, dem nach China mit 1,2 Milliarden Menschen bevölkerungsreichsten Land der Welt, boomt der Luftverkehr, nachdem die staatlichen Fluggesellschaften Air India und Indian Airlines ihr Monopol längst verloren haben. Nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) wuchs die Anzahl der Passagiere im Jahr 2014 überdurchschnittlich um acht Prozent. Einen großen Anteil daran haben auch die Neugründungen von Billigfluggesellschaften wie Jet Airways, IndiGo, Spicejet, GoAir und Vistara, die bei uns weniger bekannt sind.

Doch über Jahrzehnte hat Indien kaum in die Infrastruktur am Boden investiert, was zum Teil für chaotische Verhältnisse auf den Flughäfen sorgte. Inzwischen wurden nicht nur die chronisch überlasteten internationalen Drehkreuze in New Delhi, Mumbai und Bangalore mit neuen Terminals modernisiert, sondern auch neue Flughäfen in der Provinz gebaut. Doch ähnlich wie der Geisterflughafen Ciudad Real in Spanien erweist sich der Jaisalmer Airport als eine Fehlinvestition, weil beide komplett am Bedarf vorbei gebaut wurden.

"Der Regierung muss ein Einsehen haben, dass es nach dem Motto - Wir bauen einen Flughafen und die Airlines kommen - nicht laufen kann", sagt Sanjiv Kapoor von der Fluggesellschaft Spicejet. Seit 2009 hat Indien mehr als 44 Millionen Euro in Flughäfen investiert, die von keiner Airline regelmäßig angeflogen werden. Deshalb wird eine Senkung der Landegebühren gefordert, damit auch der Geisterflughafen in Rajasthan zu Leben erweckt wird.

tib

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