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Flugzeug-Crash in Kolumbien: LaMia - Die dunkle Vergangenheit der Absturz-Airline

Sind bei der Flugzeugkatastrophe in Kolumbien auch Korruption und Schlamperei im Spiel gewesen? Die in Venezuela gegründete Fluglinie war über Jahre eine Schein-Airline der politischen Eliten der Chavez-Partei. Sie hatte 2010 hochfliegende Pläne.

LaMia: Hacemos que cada vuelo sea único

Homepage der Airline LaMia: Unter dem Motto "Sicherheit und Kundenorientierung" heißt es: "Hacemos que cada vuelo sea único" - "Wir sorgen dafür, dass jeder Flug einzigartig ist."

Auch Lionel Messi war schon an Bord des abgestürzten LaMia-Jets. Denn die Airline hatte sich auf den Charterflugverkehr speziell für Sportmannschaften spezialisiert. So wurde die argentinische Fußballnationalmannschaft unter anderem von Buenos Aires nach Belo Horizonte in Brasilien geflogen.

Schon bei einem Flug ab São Paulo für den Verein Associação Chapecoense hatte Brasiliens National Civil Aviation Agency (ANAC) rechtliche Bedenken erklärt, weil keine brasilianische oder kolumbianische Fluglinie engagiert war, wie die spanische Sportzeitung "Marca" berichtet. Doch der Fußballclub bestand auf einen Charterflug mit LaMia, weil die Fluglinie ein Experte für die Beförderung von Fußballmannschaften sei.

Um in die Marktnische für den Transport von Fußballclubs und deren Betreuer in ganz Südamerika vorzustoßen, hatte die Airline ihren Sitz nach Bolivien verlegt. Ihr 17 Jahre alter Regionaljet von Typ Avro RJ-85 hatte somit die Kennung CP-2933 erhalten. Bis Januar 2015 war die Maschine noch als P4-LOR in Aruba auf den Kleinen Antillen registriert.

Zwölf Flugzeuge wollte LaMia anschaffen

Ursprünglich war das Unternehmen 2009 in Venezuela von Marcos Díaz Orellana gegründet worden, dem damaligen Gouverneur des Bundesstaates Mérida im Westen des Landes. Bei dem Erstflug einer LaMia-Maschine hatte Orellana den Kauf von insgesamt zwölf Flugzeugen in Zusammenarbeit mit Chinesen angekündigt, wie das Portal "Panampost.com" berichtet. Es ging um einen Etat von "170 Millionen US-Dollar, die für Flugzeuge und Einstellungen" benötigt wurden, schreibt das Nachrichtenportal.


Später gehörten zu den Eigentümern noch weitere "Chavismo"-Politiker, Anhänger der Partido Socialista Unido de Venezuela von Hugo Chávez.

Doch keine der Maschinen hob vom Carnevali Airport in Mérida im Liniendienst ab. "Der Flughafen fungierte als ein privater Verein, einem Fliegerclub für hochrangige Regierungsbeamte, Bauunternehmer und andere Eliten des sozialistischen Regimes", sagte der Oppositionspolitiker Williams Davila im August 2015. "Sie nutzten ihn für ihr privates Luxusflugzeug, sowohl für Privat- als auch für Geschäftsreisen, alles auf Kosten des Steuerzahlers“, wird er von "Panampost.com" zitiert. Wo ist das ganze Geld abgeblieben, fragte sich schon damals die Opposition. Verprasst, in Schmiergeldzahlungen und dunklen Kanälen versickert?

Avro RJ-85 von LaMia

Wartungsarbeiten mit Farbeimern an dem 17 Jahre alten Avro RJ-85 von LaMia

Denn das Dutzend Maschinen hat es nie gegeben. Stattdessen wurde die Mini-Flotte nach Bolivien verlegt. Auf der Website des Unternehmens in Bolivien präsentiert LaMia stolz drei Avros. Doch nur eine Maschine befand sich in einem flugfähigen Zustand. An den anderen beiden wurden "Wartungsarbeiten" vollzogen.

Bei dem Absturz des LaMia-Fluges 2933 am 28. November ist unter den 71 Todesopfern auch Miguel Alejandro Quiroga Murakam. Der 36-Jährige ist nicht nur einer der beiden Piloten, sondern soll auch Mitinhaber von LaMia Bolivia sein. Eine äußerst ungewöhnliche Konstellation, dass der Inhaber einer Airline gleichzeitig als Pilot arbeitet. Gerade wenn es um schnelle Entscheidungen im Cockpit geht, bei denen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen, sind Gewissenskonflikte vorprogrammiert. So kostet zum Beispiel eine Zwischenlandung zum Auftanken zusätzliches Geld und Zeit.

Auf der Homepage bietet Lamia weiterhin ihre Charterdienste an, obwohl die Airline über kein einsatzbereites Flugzeug mehr verfügt. Außerdem hat die bolivianische Regierung der Airline mit sofortiger Wirkung die Lizenz entzogen. Geradezu zynisch liest sich das Motto der Fluglinie: "Hacemos que cada vuelo sea único" - "Wir sorgen dafür, dass jeder Flug einzigartig ist."

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