Qantas Kängurus fliegen A380


Nach Singapore Airlines und Emirates hat die australische Fluglinie ihren ersten von 20 bestellten Airbus A380 in Toulouse erhalten - eine weitere Luxusversion des größten Passagierflugzeugs der Welt.

Mit dem Champagnerglas in der Hand lehnt sich Howard bequem zurück in den elektrisch gesteuerten Liegesessel. Während er sich den Rücken und den Nacken leicht massieren lässt, wählt er auf seinem großen Touchscreen einen Kinofilm aus. Der schwenkbare Flachbildschirm hat 17 Zoll. Das garantiert ein gutes, großes Bild. Howard ist nicht in seiner Villa in Brisbane, er sitzt in einem Airbus: in der ersten Klasse der ersten A380 für die australische Fluggesellschaft Qantas.

Die zweitälteste Fluggesellschaft der Welt hat keine Kosten gescheut, um ihren Passagieren auf Langstrecken Luxus und Raum bieten zu können. Die für ursprünglich 555 Passagiere in drei Klassen konzipierte A380 könnte auch als Langversion für Ferienflieger mit fast 1000 Sitzen ausgestattet werden. In der Qantas-Version gibt es nur 450 Sitze in vier Klassen. Hier ist auch die Economy-Klasse für 332 Passagiere keine "Holzklasse" mehr: Es gibt zwar keine Liegesessel, aber Sitze aus Kohlefaser mit viel Beinfreiheit und einem eingebauten Touchscreen für Videofilme und andere Unterhaltung.

Qantas muss auf den Langstrecken mit Fluggesellschaften wie Singapore Airlines und Emirates konkurrieren, die ihren zahlungskräftigen Kunden bereits viel Luxus bieten. Qantas hat die Inneneinrichtung für ihre 20 bestellten A380 von dem Stardesigner Marc Newson gestalten lassen. Fünf Jahre lang arbeitete der in Europa lebende Australier daran. "Marc hat fast alles an Bord gestaltet, von den Sitzen und Stoffen bis zu den Kleiderhaken", sagt der scheidende Qantas-Chef Geoff Dixon. "Er hat mit innovativem Material und Premiumverarbeitung einen dezenten Luxus geschaffen."

Im Liniendienst nach Los Angeles

Drei halboffene Kabinen gibt es in der ersten Klasse nebeneinander in dem breiten Flugzeugrumpf. Insgesamt sind es nur 14 Plätze in der ersten Klasse. Die Bedienung der roten Liegesessel gibt es in allen bedeutenden Sprachen einschließlich Deutsch. Kopfstütze, Arm- und Rückenlehne sowie Fußstützen lassen sich einzeln bewegen. Für die Massage stehen je vier Programme für fünf Körperzonen zur Verfügung. Decken- und Leseleuchten, Esslampen und Fensterblenden lassen sich bequem vom Sessel aus fernbedienen, der sich zu einem breiten, langen Bett ausfahren lässt.

In der Business Class im Oberdeck geht es weniger privat zu. Hier gibt es eine Lounge mit Ledersofas und einer Bar mit Selbstbedienung und Laptop-Anschlüssen. Selbst für die Economy-Klasse stehen noch vier Bars zur Verfügung. Qantas will alle 20 bestellten A380 so ausstatten. "Unterschiedliche Versionen kommen zu teuer", sagt Dixon. Die am Freitag in Toulouse ausgelieferte Maschine soll am 20. Oktober zu ihrem ersten Linienflug von Sydney nach Los Angeles starten.

Mit der A380 war Airbus ein Durchbruch bei Qantas gelungen. Die Fluggesellschaft aus "down under" ist ein traditioneller Boeing-Kunde. Doch für den harten Wettbewerb mit Singapore Airlines und Konsorten ist Boeings Jumbo-Jet keine Alternative. Der Jumbo bleibt auch in der verlängerten Version 747-8 ein Flugzeug des 20. Jahrhunderts. "Die A380 ist das Flugzeug der Zukunft", sagt Dixon. Airbus hofft, mit dem Großflugzeug auch den bisher praktisch verschlossenen japanischen Markt zu erobern. Erste Signale in der Richtung gibt es schon.

DPA


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