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Reiseland Jemen: Welterbe, Wüsten und Rebellen

Die Republik Jemen gehört nicht nur zu einem der weltweit ärmsten Länder, sondern auch zu einem der faszinierendsten Reiseziele. Vier Orte stehen auf der Welterbeliste der Unesco. Doch die Vorbehalte gegen das Land sind hoch.

Von Till Bartels

Dreimal pro Woche landet eine Lufthansa-Maschine aus Frankfurt in Sanaa, der Hauptstadt der Republik Jemen. Mit an Bord sind auch Touristen, die sich vor allem die Stätten des Weltkulturerbes ansehen möchten. Doch die Zahl der Touristen im Jemen lässt sich im Vergleich zum Nachbarland Oman kaum messen. Zu groß sind die Vorbehalte, die mit einer Reise in das Land auf der Südseite der Arabischen Halbinsel verbunden sind.

Das weitmaschige Straßennetz von Schotterpisten und das Fehlen einer Infrastruktur mit internationalen Hotels erlauben dem Land von der anderthalbfachen Größe der Bundesrepublik Deutschland nur einen Tourismus auf niedrigem Niveau.

Reiseteilwarnung des Auswärtige Amtes

Seit Jahren warnt das Auswärtige Amt in Berlin vor Reisen in das arabische Land. "Im Jemen besteht ein erhebliches Risiko terroristischer Anschläge durch das Terrornetzwerk Al-Qaida", so der Informationsdienst in Berlin. "Zudem gibt es ein ständig hohes Entführungsrisiko; in einzelnen Landesteilen kommt es immer wieder zu aufflammenden Stammeskonflikten." Das Auswärtige Amt rät daher bei allen Reisen nach Jemen zu besonderer Vorsicht.

Die Unterschiede zwischen dem ehemaligen Nord- und Südjemen belasten fast zwanzig Jahre nach der Vereinigung immer noch das politische und gesellschaftliche Klima des Landes. Viele Jeminiten sind mit der wirtschaftlichen Lage in einem der weltweit ärmsten Länder unzufrieden, militante Islamisten haben immer wieder zum Sturz des Systems aufgerufen.

Der Nord-Süd-Konflikt im Jemen

Zu Spannungen kommt es auch, weil die Bewohner des Südens den Norden für wirtschaftlich privilegiert halten. Häufig gibt es gewalttätige Demonstrationen. Hinzu kommt der teils politisch, teils religiös motivierte Aufstand der sogenannten Huthi-Rebellen in der Umgebung von Saada im Nordwesten des Jemen, der im Sommer 2004 begann. Vier Jahre später rief Präsident Saleh den Frieden aus, seitdem herrscht eine brüchige Waffenruhe.

Nach wie vor ist der Jemen stark von Traditionen und Stammesstrukturen geprägt. Die Herrscher von mehreren hundert Stämmen erkennen eine Zentralgewalt des Staates nicht an. Dementsprechend begrenzt sind die Einflussmöglichkeiten der Zentralregierung in der Hauptstadt Sanaa. Mit Entführungen von Touristen und anderen Ausländern versuchen die Stämme, ihre Forderungen durchzusetzen und mehr vom Wohlstand abzubekommen. Am bekanntesten ist der Fall der deutschen Familie Chrobog: Ende 2005 wurden der frühere Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog, seine Frau und seine drei Söhne im Ostjemen verschleppt und nach drei Tagen unversehrt freigelassen.

500 Jahre alte Hochhäuser in der Wüste

Der Jemen stößt bei Globetrottern und Reisenden, die eine unverfälschte arabische Kultur erleben möchten, auf Interesse. Bis 1990 durften kaum Besucher aus dem Westen das Land bereisen. Auch im zweiten Jahrzehnt nach der Öffnung sind die Zahlen kaum gestiegen.

Nur wenige deutsche Veranstalter wie Gebeco, Hauser Exkursionen und Ikarus Tours haben Reisen in den Jemen in ihren Programmen. Das Land wird im Rahmen von Studienreisen durch Kleingruppen und von Individualreisenden besucht. Wie die Gebeco-Pressesprecherin auf Anfrage von stern.de mitteilte, nimmt der Kieler Spezialreisveranstalter aufgrund der aktuellen Sicherheitslage bis zum 31. August keine Buchungen für Reisen in den Jemen an. Hauptanziehungspunkte sind die Kulturdenkmäler Shibam, Sanaa und Zabid, die auf der Unesco-Liste der Welterbestätten stehen.

Neben dem mittelalterlichen Stadtkern von Sanaa mit seinen Turmhäusern gilt Shibam als eines der ungewöhnlichsten Reiseziele in der arabischen Welt: Auf der Anhöhe eines Flusstales im Wadi Hadramaut thront das markante Stadtensemble mit bis zu neun Stockwerke hohen Lehmbauten, die fast alle 500 Jahre alt sind. Von der heute futuristisch anmutenden Hochhausarchitektur haben sich Stadtplaner in der ganzen Welt inspirieren lassen.

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